Familienarmut: In Winterthur nimmt sie zu – in Zürich ab

Zürich ist ein teures Pflaster. Familien mit kleinen Einkommen verlassen deshalb die Stadt. Das zeigt sich an der Armutsquote: Diese ist in Zürich rückläufig, während sie beispielsweise in Winterthur steigt. Familienarmut trifft Kinder und Jugendliche besonders.

Eine Frau sitzt auf einer Treppe mit einem Kind auf dem Schoss. Das Kind hat eine Loch im Strumpf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wenn die Eltern wenig verdienen, leiden auch die Kinder. Keystone (Symbolbild)

Rund ein Drittel der von Armut betroffenen Menschen im Kanton Zürich sind Minderjährige: Kinder und Jugendliche aus Familien, die nicht genügend Geld verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu decken. Jugendarmut sei deshalb eigentlich Familienarmut, erläutert Dieter Wirth, Leiter der Sozialen Dienste der Stadt Winterthur, einen Bericht des Landboten.

Wirtschaftslage und Wohnungsmarkt

In Winterthur steigt die Armutsquote. Wirth erklärt dies einerseits damit, dass der Umbau von der Industrie- in eine Dienstleistungsstadt immer noch im Gang ist: «Dadurch fallen Arbeitsplätze für weniger gebildete Menschen weg.» Und es seien genau diese Menschen, die von Familienarmut besonders betroffen seien.

Der zweite Grund, warum die Familienarmut in Winterthur steigt, sieht Wirth im Wohnungsmarkt: «Als Familie ist man gut beraten, eine Wohnung nicht in Zürich zu suchen, sondern in Winterthur.» Weil dort Wohnraum noch günstiger ist. Beide Faktoren würden dazu beitragen, dass in Winterthur die Armutsquote steigt.

Umgekehrte Entwicklung in Zürich

Die Analyse der Winterthurer Sozialdienste wird durch die Entwicklung in Zürich bestätigt: Dort nimmt die Familienarmut eher ab. Beatrice Henes, Leiterin der Sozialen Dienste der Stadt Zürich, erklärt diese Entwicklung ebenfalls mit dem Wohnungsmarkt. Weil in Zürich Wohnraum teuer ist, können sich Familien mit besserem Einkommen eher in der Stadt halten, stellt sie fest.