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Brigitte Dähler hilft Seniorinnen, wenn sie mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 25.11.2019.
abspielen. Laufzeit 10:53 Minuten.
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Gewalt gegen Seniorinnen «Das Thema ist wahnsinnig schambesetzt»

Jede fünfte Frau im Pensionsalter erlebt Gewalt. Brigitte Dähler berät im Kanton Zürich Opfer solcher Übergriffe.

Bei Gewalt gegen Frauen denken wir zumeist an junge Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe werden. Oder an gewaltbereite Männer im besten Alter, die ihre Ehepartnerinnen schlagen. Doch auch Seniorinnen sind von Gewalt betroffen: Jede fünfte Frau im Pensionsalter erlebe Gewalt, sagt Brigitte Dähler. Sie leitet im Kanton Zürich eine Fachstelle für Gewalt gegen Frauen in Ehe und Partnerschaft. Aus Anlass des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen gibt Brigitte Dähler Auskunft zu diesem kaum bekannten Thema.

SRF News: Gewalt gegen Seniorinnen – um welche Art von Fällen handelt es sich da konkret?

Brigitte Dähler: In der Opferberatungsstelle, für welche ich arbeite, sehen wir oft Frauen, die sehr lange in Beziehungen waren, in welchen häusliche Gewalt latent vorhanden war und im Alter dann eine Steigerung erfährt. Wir sehen aber auch Frauen, die mit 75 noch einen neuen Partner kennenlernen und dort Gewalt erleben. Und dann gibt es natürlich auch Seniorinnen, die Gewalt durch Drittpersonen erleben.

Drittpersonen, das kann ein Hausarzt oder ein Pfleger sein. Aber auch hier gilt wohl: Das meiste geschieht in den eigenen vier Wänden?

Ja, das ist so. Das meiste geschieht innerfamiliär, und der Täter ist meistens der Partner oder der Ex-Partner.

Diesen Sommer wurde ein Zürcher Arzt verurteilt, weil er eine 83-jährige Frau zu sexuellen Handlungen genötigt hatte. Verurteilungen sind allerdings sehr selten – warum?

Das Thema ist natürlich wahnsinnig schambesetzt, bei Gewalt im Alter allgemein und ganz besonders bei sexueller Gewalt im Alter. In diesem Fall hatte die 83-jährige Frau den Mut, Anzeige zu erstatten – sehr viele andere Betroffene machen das nicht. Doch selbst wer den Mut dazu hat, muss danach auch alles noch beweisen können. Das ist bei Gewalt gegen Frauen oft sehr schwierig. Das ist sicher mit ein Grund, dass es selten zu Verurteilungen kommt.

Gewalt gegen ältere Frauen – finden Sie das noch verwerflicher als Gewalt gegen jüngere Frauen?

Ich finde Gewalt immer verwerflich. Aber klar, die Verletzbarkeit älterer Menschen macht Gewalt im fortgeschrittenen Alter speziell. Wenn ich höre, dass ältere Frauen die Treppe hinunter gestossen werden – da ist nur schon die Gefahr von Knochenbrüchen viel grösser als bei jüngeren Menschen. Auch die Abhängigkeiten sind bei älteren Frauen grösser als bei jüngeren. Das macht Gewalt gegen Seniorinnen wohl schon eine Spur verwerflicher.

Das Gespräch führte Dominik Steiner.

Wohin Frauen sich wenden können

Die Zürcher Beratungsstelle für Frauen gegen Gewalt in Ehe und Partnerschaft BIF ist ein vom Kanton Zürich gemäss Opferhilfegesetz anerkanntes Angebot. BIF bietet betroffenen Frauen kostenlos psychologische und juristische Hilfe an, dies telefonisch, online oder nach Vereinbarung im persönlichen Gespräch. 044 278 99 99, info bif.ch, www.bif-frauenberatung.ch

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