Google-Kritik: Bei vielen Unternehmen gärt es

Zu knappe Kontigente für ausländische Mitarbeiter, zu strenge Regeln, zu hohe Preise: Ein Chefingenieur des US-Internet-Giganten Google beklagt sich öffentlich über die Arbeitsumstände am Standort Zürich. Offenbar ist Google mit dieser Kritik nicht alleine.

Der Google-Sitz in Zürich mit farbiger Leuchtschrift. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt der Google-Konzern in Zürich. Keystone

Rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten heute in Zürich für den Google-Konzern. Man habe allein in diesem Jahr einige Stellen mehr für hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland schaffen wollen, aber das Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit habe das untersagt. Deshalb seien diese Stellen jetzt nach London verlagert worden, sagte Google-Chefingenieur Julien Borel in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Nicht nur die strenge Kontigents-Politik der Schweiz ärgert ihn, auch die hohen Preise und die strengen Arbeitsgesetze. An sich sei Zürich ja eine schöne Stadt, die Infrastruktur herrvorragend, so Borel. Aber je länger je weniger attraktiv für Unternehmen.

In anderen Unternehmen sieht man das offenbar ähnlich. Sich wie Google aber mit ihren Problemen outen, wollen sie offenbar nicht. Mehrere Anfragen von Radio SRF blieben am Montag unbeantwortet, wohl auch wegen des Ferienbeginns.

Bei den Arbeitgebervertretungen und beim Standortmarketing hört man diese Klagen aber sehr wohl. Er habe von mehreren Unternehmen gehört, die sich Alternativen zu Zürich und der Schweiz überlegen, sagt Balz Hösly, Verwaltungsratspräsident der Standortmarketingorganisation, Greater Zurich Area (GZA): «Und wer sich Alternativen überlegt, der steht schon mit einem Bein im Ausland. Das ist eine grosse Gefahr.»

«Wie ein Gletscher, der schmilzt»

Martin Naville, CEO der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer, teilt diese Bedenken: «Manche Firmen haben wegen der vielen Unwägbarkeiten in der Schweiz einzelne Stellen, Projekte oder ganze Abteilungen ins Ausland verlagert. Das läuft unterschwellig, wie ein Gletscher, der langsam schmilzt.» Laut Naville leisten auch die vielen politischen Fragenzeichen ihren Beitrag dazu: Wie wird die Masseneinwanderungsinititiative umgesetzt? Wie entwickelt sich das Verhältnis zur EU? Wie verläuft die Unternehmenssteuerreform III?

Carmen Walker Späh will in Bern Druck machen

Es könne nicht sein, dass Firmen den Standort Zürich wegen des Arbeitsumfeldes meiden, findet die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin, Carmen Walker Späh. Auch sie sei enttäuscht, dass der Bundesrat die Kontigente für hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten ausserhalb der EU auf dem Stand von 2013 belassen wolle, sagt Walker Späh: «Das ist definitiv zu wenig. Auch die Hochschulen haben sich schon beklagt.» Sie wolle sich deshalb in Bern für höhere Kontigente einsetzen.