Opernhaus-Premiere Grausiger Mythologie-Klassiker «Médée» im Opernhaus

Premiere im Zürcher Opernhaus: Der Hausherr Andreas Homoki hat eine unbekannte, kaum gespielte Oper ausgewählt und diese selbst inszeniert. Médée also Medea heisst sie. Die Oper erzählt die Geschichte einer alten Frau, die von ihrem Mann für eine jüngere, einflussreichere Frau verlassen wird.

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Darum geht's

Eine der grausigsten Tragödien der klassischen Mythologie: Die kolchische Prinzessin Medea verhilft dem geliebten Fremdling zum Raub des goldenen Vlieses. Aus Liebe zum Griechen Jason wird Medea zur Verräterin ihrer Sippe. Aus Schmerz über dessen Treuebruch tötet sie später die gemeinsamen Kinder und versengt die Nebenbuhlerin mit Feuermagie.

Marc-Antoine Charpentier komponierte seine Version des Dramas zur Zeit Louis’ XIV, jener Epoche also, da «Bienséance», Schicklichkeit und Sitte, den Ton angaben - zumindest vordergründig. Das Krude und Krasse war aus der Sprache, aus der Gesellschaft, von der Bühne verbannt. Anstössiges und Monströses, an dem man sich dennoch mit wohligem Schauer delektierte, hatte im Off zu geschehen.

Die jüngste Zürcher Premiere folgt diesem Prinzip und macht deutlich, dass es für die zum Zerreissen gespannte Emotionalität weder Blutorgie noch Flammeninferno braucht. Keine Videoflut. Nicht mal ein Pistolenknall! Dafür präzise Personenführung, starke Darsteller und bis ins Detail ausgeloteter Klang.

Unterhaltende Divertissements

Die sogenannten «Entrées», chorische und mimische Intermezzi, die dem damaligen und gewiss auch heutigen Publikum den Horror erträglich machten, wurden beibehalten und entfalten ihre teils erhellende, teils kommentierende oder konterkarierende Wirkung perfekt. Selbst die rote Showtreppe, die glamouröse Conférencière, eine Cricketmannschaft inklusive Pokal und Siegerkranz und schliesslich eine grotesk-schaurige Hades-Maskerade fehlen nicht.

Regisseur Andreas Homoki liess sich von Hartmut Meyer eine geniale Szenerie bauen: einen Nicht-Ort, hinten von seitwärts verschiebbaren Wänden eingefasst. Vertikal geteilt wird der schmucklose Raum von einem zweiten Bühnenboden, aufgehängt an vier riesigen roten Fleischerhaken, sodass er liftartig gehoben und gesenkt werden kann. Das schafft eine zusätzliche Spielfläche und lässt die Protagonisten bei Bedarf auf verschiedenen Ebenen agieren.