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Hilfe in Zürcher Kindergärten «Eine Kindergärtnerin kann nicht 22 Knöpfen die Schuhe binden»

In acht Zürcher Gemeinden werden alle Kindergartenklassen ab Sommer von Assistenten unterstützt.

Kinderkleider und Zeichnungen, Kindergarten-Leuchtbändel
Legende: Den Start erleichtern. Acht Zürcher Gemeinden führen im Kindergarten flächendeckend Klassenassistenten ein. Keystone

Tausende Zürcher Kinder verbringen bald ihren allerersten Tag im Kindergarten. Um diesen Einstieg zu erleichtern, hat der Zürcher Kindergartenverband die Gemeinden im Januar 2018 dazu aufgerufen, den Lehrpersonen Assistenten zur Seite zu stellen.

Klassenassistenz

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Die Assistenten in den Schulklassen benötigen keine Lehrerausbildung, sie müssen aber einen Kurs besucht haben und sich an die Anweisungen der Lehrer und Lehrerinnen halten.

Mindestens acht Gemeinden sind diesem Aufruf nun gefolgt. In diesen Gemeinden werden alle Kindergartenklassen in der Anfangsphase von Klassenassistenzen unterstützt. Sie sind über mehrere Wochen jeden Tag in den Kindergartenklassen anwesend.

Diese Gemeinden setzen flächendeckend auf Klassenassistenzen:

  • Wetzikon
  • Illnau-Effretikon
  • Niederhasli
  • Fehraltorf
  • Lindau
  • Unterengstringen
  • Grüningen
  • Weisslingen

Acht Gemeinden, das sei zwar noch keine riesige Zahl, räumt die Präsidentin des Zürcher Kindergartenverbands, Brigitte Fleuti, gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» ein. Sie hofft aber auf einen Schneeballeffekt: «Wir wissen, dass der Start in den Kindergarten mit Klassenassistenzen einfach besser gelingt.»

Weil es immer grössere Unterschiede wischen den einzelnen Kindern gebe, sei es dringend nötig, vor allem in der Anfangszeit mehrere Personen im Klassenzimmer zu haben.

Jürg Schuler, Stadtrat und Präsident der Schulpflege Wetzikon, sieht das ähnlich. Eine Kindergärtnerin könne nicht gleichzeitg 22 Kindern die Schuhe binden oder Regenjacken anziehen. In Wetzikon werden deshalb in allen Kindergärten zwei Wochen lang Klassenassistenzen eingesetzt.

Wir erhoffen uns vor allem eine Entlastung der Lehrpersonen.
Autor: Carmen EvangelistiSchulpräsidentin Fehraltorf

Auch die Gemeinde Fehraltorf hat auf den Aufruf des Zürcher Kindergartenverbandes reagiert und setzt nun auf das Assisstenz-Modell. Die Kindergärtnerinnen sollen entlastet und den Kindern der Schuleinstieg erleichteret werden, so Carmen Evangelisti, Schulpräsidentin von Fehraltorf.

Der Zürcher Kantonsrat wird sich in den nächsten Wochen ebenfalls mit dem Thema beschäftigen. Ein Vorstoss von EVP und SP verlangt, dass die Gemeinden dazu verpflichtet werden, in den ersten Semstern eine solche Klassenassistenz einzustellen.

Da können Klassenassistenzen laut Kindergartenverband helfen

Kinder, die kein Deutsch verstehen
Kinder mit Ablösungsproblemen
Kinder mit kleinkindlichem und unselbstständigem Verhalten
Kinder mit Entwicklungsverzögerungen
Kinder mit Förderbedarf
Kinder, die noch nicht alleine aufs WC können

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Regula Aeppli (Regula Aeppli)
    Ich erinnere mich, dass unsere Klassengrössen viel grösser waren als heute. Ich erinnere mich hingegen nicht daran, dass mir die Kindergärtnerin in den Regenmantel geholfen oder die Schuhe gebunden hätte. Bei uns hiess es: wenn du in den Kindsgi willst, musst du die Schuhe binden können.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Das kann man heutigen Kindern nicht mehr zumuten. Sonst werden sie psychisch instabil. Zerdrückt vom sozialen Leistungsdruck des Schuhebindenmüssens...
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    2. Antwort von Margrit Holzhammer (Margrit Holzhammer)
      Die Kinder können nichts dafür, es liegt an den Eltern. Einem Kind das Schuhbinden beizubringen braucht etwas Zeit und man muss sich mit dem Kind abgeben. Kinder mit kleinkindlichem und unselbstständigem Verhalten oder Ablösungsproblemen werden einfach zu früh eingeschult. Warum lässt man diese Kinder nicht einfach noch ein Jahr Kind sein.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Komisch... früher ging das. Ich kann mir kaum vorstellen, warum heute eine Überforderung stattfinden soll. Ich glaube aber an das Geschäftsmodell der sich selbständig ausweitenden sozialen Dienstleistungen... Hätte ich doch nur Beteiligungen an Firmen für Coaching, Betreuung, Supervision, ...
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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    Da muss ja Kindergartenalltag in BW regelrecht ein Eldorado sein - pro Gruppe sind immer zwei ausgebildete ErzieherInnen vorgeschrieben, und unausgebildetes Hilfspersonal kann hier nur zusätzlich eingesetzt werden ... Die Liste mit den Einsatzgebieten sieht z.T. regelrecht nach einer Horrorvorstellung aus, wenn Laien auf Kinder mit Entwicklungsverzögerungen losgelassen werden.
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