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Die vierte Abstimmung über das Hardturm-Stadion ist nun gewiss
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 20.12.2019.
abspielen. Laufzeit 02:33 Minuten.
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JA - NEIN - JA - ? Stadt Zürich muss ein viertes Mal über ein Stadion abstimmen

Das Referendum gegen das geplante Fussballstadion auf dem Hardturm und den dazugehörigen Wohnbauten steht.

Die Stimmberechtigten der Stadt Zürich müssen erneut an die Urne, um über das Bauprojekt auf dem Hardturm abzustimmen. Denn die IG Freiräume Zürich West hat gegen den privaten Gestaltungsplan «Areal Hardturm-Stadion» das Referendum ergriffen und nun genügend Unterschriften zusammen. Es seien 5005 Unterschriften gegen das «klimaschädliche Bauprojekt» der Credit Suisse und HRS Immobilien zusammengekommen, teilte die IG am Freitag mit. Für ein Referendum sind 2000 Unterschriften nötig.

Konkrete Umsetzung im Fokus

Damit wird die Zürcher Stimmbevölkerung im Mai 2020 nochmals über das Hardturm-Projekt abstimmen. Der private Gestaltungsplan regelt, wie das Areal konkret erschlossen, bebaut und genutzt wird und enthält etwa Bestimmungen über Freiräume, Lärmschutz und Umweltvorgaben. Er war vor allem wegen der Gebäudehöhe der beiden geplanten Hochhäuser nötig: Diese übersteigen mit 137 Meter die in Zürich maximal erlaubten 80 Meter.

Ende Oktober sagten im Stadtparlament FDP, SVP, GLP, EVP und AL Ja zum Gestaltungsplan, die SP enthielt sich, die Grünen sagten Nein. Eine erneute Diskussion kann nur über ein Referendum zum Gestaltungsplan erfolgen. Dies ist nun passiert.

Der lange Weg zum Hardturmstadion

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Eine Wand des alten Hardturmstadions steht noch.
Legende:Vom alten Hardturmstadion ist fast nichts mehr übrig.Keystone

Die Stadtzürcher Stimmberechtigten stimmen 2020 also ein viertes Mal über ein Fussballstadion auf dem Hardturm ab. Die Vorgeschichte:

  • 2003 Privates Stadionprojekt «Pentagon»: Das fünfeckige Stadion war wegen der Mantelnutzung und dem Schattenwurf umstritten, wurde aber an der Urne angenommen. Nach Einsprachen verzichteten die Initianten auf den Bau.
  • 2013 Städtisches Stadionprojekt: Hier war vor allem die Finanzierung mit Steuergeldern umstritten. Das Projekt wurde knapp abgelehnt.
  • 2018 Stadionprojekt «Ensemble»: Das aktuelle Projekt aus der Küche der Investoren HRS, Immobiliengefässe der Credit Suisse und Allgemeine Baugenossenschaft Zürich. Das Fussballstadion plus Wohnnutzung wurde mit 53,8 Prozent Ja angenommen.

Die Argumente der IG Freiraum Zürich West

Die Interessengemeinschaft führt ökologische Argumente ins Feld. Mediensprecherin Lisa Kromer sagt: «Es geht vor allem um die grossflächige Versiegelung des Areals, die Bauweise der Hochhäuser und dass diese für eine Verdichtung wenig sinnvoll sind.» Das Gebiet Zürich West werde dadurch noch mehr zu einer Hitzeinsel innerhalb der Stadt.

Es braucht ein Korrektiv des Volks zu diesem ungenügenden Projekt.
Autor: Lisa KromerSprecherin IG Freiraum Zürich West

Die Klimaargumente seien zwar nicht neu, hätten aber durch die Klimabewegung des vergangenen Jahres eine neue Dringlichkeit erhalten. Deshalb sei eine erneute Abstimmung über dasselbe Projekt legitim.

Das sagen die Befürworter des Hardturm-Projekts

Das Klimaargument ist für Isabel Garcia, Fraktionschefin der GLP im Zürcher Stadtparlament, vorgeschoben. Die Versiegelung sei nicht so dramatisch, wie von der IG dargestellt. Die erneute Abstimmung bezeichnet sie deshalb als «Zwängerei».

Das Vorgehen finde ich schon fragwürdig.
Autor: André OdermattHochbauvorsteher Stadt Zürich

Der stadtzürcher Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) anerkennt zwar das demokratische Recht der Gegner, das nun genutzt wurde. Gibt aber zu bedenken: «Dass man nun tatsächlich die Stimmberechtigten nochmals bemüht, über dasselbe Projekt abzustimmen, finde ich schon fragwürdig.»

Ein Stadion, zwei Hochhäuser, eine Genossenschaftssiedlung

Das aktuelle Bauprojekt «Ensemble» beinhaltet auf dem rund 55'000 Quadratmeter grossen Areal den Bau von 174 Genossenschaftswohnungen, ein Stadion für rund 18'000 Zuschauerinnen und Zuschauer und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit rund 570 Wohnungen. Die gesamten Kosten belaufen sich auf rund 570 Millionen Franken. Der Stadionbau selbst soll mit den Einnahmen aus den Hochhäusern querfinanziert werden.

Die Stadt Zürich unterstützt das Projekt nicht direkt, gewährt den Bauherren aber einen günstigeren Zins auf das Land, auf dem die Türme stehen werden. Dadurch entgehen ihr wiederkehrende Einnahmen von jährlich maximal 1,7 Millionen Franken.

Nach bisherigen Plänen sollte das Stadion 2022 fertig sein. Die Hochhäuser und Genossenschaftswohnungen sollen dann in Etappen ab 2023 fertiggestellt werden. Dieser Zeitplan verzögert sich nun sicher um ein halbes Jahr. Wird das Projekt «Ensemble» im zweiten Anlauf abgelehnt, müsste die Planung nochmals von Vorne beginnen. Ob die heutigen Investoren dazu Hand bieten, ist mehr als offen.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
    Linke und Grüne haben ein eigenartiges Demokratieverständnis. Gestern in der Arena war die Rede von neuen KKWs. Linke und Grüne: Nein das geht auf keinen Fall, das Volk hätte entschieden aus der Kernkraft auszusteigen. Aber beim Stadion gilt diese Aussage nun nicht mehr.
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  • Kommentar von Adi Berger  (Adi B.)
    "Tausende von Fussball-Fans" ist zum Lachen Hunderte von Chaoten reichen völlig um ein Quartier mit einem Fussballstadion nahezu unbewohnbar zu machen. Wenn schon ein Sportstadion baut eine Eishalle. Die Hockeyanhänger sind noch richtige Sportfans.
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  • Kommentar von Richard Von Aesch  (Richard58)
    Es ist und bleibt eine zwängerei gegen das Stadion, von gewissen kreisen. Schrebergärten.. auf dem Areal... träumt weiter. Seit ich gehen kann 1959! war dort ein Stadion! Punkt. Kein wunder geht fast niemand mehr abstimmen wenn immer wieder über gleiche abgestimmt wird. Zűrich als grösste Stadt der Schweiz hat kein Fussballstadion. Europa lachtvüber uns. Und jetzt will man noch dieses vom Volk bewilligte "Stadiönli" verbieten äh sorry verhindern.
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