Kanone vor dem Zürcher Kunsthaus zu «platt» und «bieder»

Das Zürcher Stadtparlament möchte keine Flugabwehrkanone aus dem Zweiten Weltkrieg vor dem Kunsthaus-Neubau aufstellen. Die Grünen sind mit ihrem Vorstoss gescheitert. Sie wollten damit auf die Vergangenheit des Kunstsammlers Emil Georg Bührle als Waffenproduzent hinweisen.

Emil Georg Bührle (ganz rechts) zeigt Haile Selassie I. 1954 eine Oerlikon 20-Milimeter Fliegerabwehrkanone. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Emil Georg Bührle (ganz rechts) zeigt Haile Selassie I. 1954 eine Oerlikon-20-Millimeter-Fliegerabwehrkanone. Keystone

Eine öffentliche Diskussion über die Person Emil Georg Bührle hätte die Flugabwehrkanone vor dem Kunsthaus-Erweiterungsbau auslösen sollen. So umschrieb der Postulant Markus Knauss (Grüne) seine Absicht. Erhalten hat Knauss eine emotional geführte, politische Debatte im Stadtparlament, dem Zürcher Gemeinderat, begleitet von viel Gegenwind.

Reine Polemik

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bezeichnete den Vorschlag als polemisch und betonte, dass man die Diskussion über Bührle bereits jetzt seriös, ernsthaft und differenziert führe. Die CVP befand die Kunstinstallation als unsinnig und pervers. Den Vorstoss bezeichnete sie als reine Provokation und grenzwertig. Die SVP war der Meinung, dass es sich nicht lohne, sich darüber aufzuregen.

Die SP zeigte zwar eine gewisse Sympathie für den Vorstoss, wollte aber nicht in die künstlerische Freiheit eingreifen. Das Vorschreiben einer Kanone hätte diese «geritzt». Schliesslich unterstützten einzig die AL und Teile der GLP das Postulat der Grünen. Es wurde mit 91 Nein- zu 27 Ja-Stimmen deutlich abgelehnt.

Bührle-Sammlung ab 2020 im Kunsthaus

Die Sammlung von Emil Georg Bührle, der von 1890 bis 1965 lebte, gilt als eine der wichtigsten Kunstsammlungen des 20. Jahrhunderts. Ab Eröffnung des Kunsthaus-Neubaus im Jahr 2020 erhält sie dort als Dauerleihgabe einen festen Platz.