Kündigung nach Online-Kritik am Chef: «Nicht missbräuchlich»

Die Zürcher Kantonalbank hat zwei Mitarbeitern gekündigt, nachdem sie sich im Internet negativ über ZKB-Chef Martin Scholl geäussert haben. Ein Arbeitsrechtler betrachtet dies als legitim.

Der Eingang zum Zürcher Sitz der ZKB Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weil sie den ZKB-Chef kritsiert haben, wurden zwei Bankmitarbeiter entlassen. Keystone

Ihre Kritik am Chef haben die beiden Bankangestellen auf dem Branchenportal «Inside Paradeplatz» platziert. Inhalt: Martin Scholl führe die Bank nach dem Grundsatz «Management by Buddies». Auf gut Schweizerdeutsch: «Vetterliwirtschaft». Scholl persönlich soll darauf die Entlassung der Kritiker durchgesetzt haben.

«Ohne Zweifel heikel»

Die ZKB selbst wollte sich bislang noch nicht zu den Entlassungen äussern. Für Arbeitsrechtsexperte Thomas Geiser sind sie aber aus der Ferne betrachtet nicht missbräuchlich. Grundsätzlich gelte zwar schon der Grundsatz der Meinungsfreiheit. Die Situation sei aber anders, wenn das Arbeitsverhältnis tangiert werde: «Und wenn sich jemand öffentlich kritisch über das Unternehmen äussert, dann ist das ohne Zweifel heikel», sagte Geiser gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

Reorganisation beschäftigt Politik

Bleibt die Frage, ob die Kündigungen auch angemessen sind für eine Staatsbank? «Mit Personalentscheiden beschäftigen wir uns nicht», sagt dazu Benedikt Gschwind. Er präsidiert im Kantonsrat die Kommission, die für die ZKB zuständig ist.

Von Interesse für ihn ist jedoch der Grund für die Unzufriedenheit bei den Kommentarschreibern und offenbar vielen anderen ZKB-Angestellten. Es ist dies eine Reorganisation, die schon seit längerer Zeit durchgeführt wird. «Mit dieser Organisation beschäftigen wir uns an unserer nächsten Sitzung», erklärt Gschwind. Konkret wolle man von der Geschäftsleitung wissen, wie es in dieser Sache weitergehe.