Lady Macbeth: schrill, böse und voller Gewalt

Unterdrückung, Mord und Vergewaltigung... die Inszenierung der «Lady Macbeth von Mzensk» von Dmitri Schostakowitsch auf der Bühne des Zürcher Opernhauses ist schonungslos und geht an die Nieren. Das Publikum war nach der Premiere erschlagen und begeistert.

Eine Frau steht auf einer abschüssigen Rampe, auf der Bühne darunter prügeln sich Männer Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine Männerhorde, die in der Inszenierung von «Lady Macbeth von Mzensk» im Zürcher Opernhaus mordet, prügelt und verg... Monika Rittershaus

Noch vor ein paar Jahren hat der frühere Opernhausdirektor Alexander Pereira dem Publikum diese «Lady Macbeth» nicht zugemutet. Er liess die von Dmitri Schostakowitsch selbst überarbeitete und harmlosere Version mit dem Namen «Katarina Ismailowa» spielen. Der neue Hausherr Andreas Homoki zeigt nicht nur die originale «Lady Macbeth von Mzensk», er inszeniert sie auch gleich selbst. Und er versucht in seiner Inszenierung das Komische und das Groteske zu zeigen, das hinter dem Triebhaften und der Gewalt stecken.

Fantastische Bilder, starke Figuren

Hartmut Meyer hat für die Inszenierung ein Bühnenbild geschaffen, das einen Preis verdienen würde. Meyer lässt die grüne Spielfläche leer, zieht eine abschüssige Rampe darum und versetzt den Raum mit vier grossen Löchern, die er immer wieder mit dicken Kugeln verstopft. So entsteht ein geschlossener Raum, halb Zirkusmanege, für die triebgesteuerten Männer, halb Gefängnis für die Protagonistin Katarina Ismailowa. Die deutsche Sängerin Gun-Brit Barkmin ist der Star der Inszenierung. Mit Leichtigkeit singt sie über das riesige Orchester und sie zeigt die Katarina als eine einsame, gebrochene Frau - nicht als ein mordendes Ungeheuer.

Erotik und Emotionen

Mit Dmitri Schostakowitschs «Lady Macbeth» stellt sich auch der Dirigent Teodor Currentzis zum ersten Mal dem Zürcher Publikum vor. Der gebürtige Grieche gehört zu den wichtigen Dirigenten der neuen Generation und er wirkt bei seinem Zürcher Debüt sehr souverän und sympathisch. Ohne Dirigierstab, quasi mit den nackten Händen wühlt er die ganz grossen Emotionen aus dem Orchester.