Mit Gentech gegen Feuerbrand

In Zürich-Affoltern wachsen schon bald gentechnisch veränderte Apfelbäume. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat einen Feldversuch teilweise bewilligt. Die Bäume sollen resistenter gegen Feuerbrand sein. Gentech-Gegner bemängeln den Versuch.

Grüne Furchen ziehen sich durch ein Feld, das man durch ein Gitter hindurch sieht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die «Protected Site» im Reckenholz: Hier wachsen gentechnisch veränderte Kartoffeln. Und bald auch solche Äpfel. Keystone

Der Feldversuch soll noch in diesem Frühling auf der sogenannten «Protected Site» am Standort Reckenholz bei Zürich-Affoltern beginnen und höchstens sechs Jahre dauern. Dies teilte das BAFU am Dienstag mit. Das Gesuch dafür reichte Agroscope – das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung – Anfang Oktober 2015 ein.

Die beim Versuch verwendete Apfellinie haben Forschende der ETH Zürich entwickelt. Sie haben mit gentechnischen Methoden ein Gen aus dem sibirischen Holzapfel, das eine Resistenz gegen Feuerbrand verleiht, in die kultivierte Apfelsorte «Gala Galaxy» eingebracht.

Pollenflug soll verhindert werden

Wichtig sei, dass Kreuzungen zwischen herkömmlichen Bäumen und cisgenen Apfelbäumen verhindert werden. Das BAFU habe deswegen verfügt, dass die Blüten der cisgenen Apfelpflanzen bis auf Weiteres vollständig entfernt werden müssten.

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Gentech-Moratorium

Heute besteht in der Schweiz für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu Forschungszwecken eine Bewilligungspflicht. Die landwirtschaftliche Produktion ist wegen des Gentech-Moratoriums bis Ende 2017 verboten.

Zusätzlich zur Entfernung der Blüten müsse Agroscope Auflagen einhalten, die weitgehend mit jenen früherer Freisetzungsversuche in der Schweiz vergleichbar seien. Dazu gehörten etwa Sicherheitsmassnahmen vor Ort wie beispielsweise Zäune, die Vernichtung gentechnisch veränderter Pflanzen sowie die Überwachung der Versuchsparzellen. Zudem müssten Einsatz- und Notfallpläne für den Fall ausserordentlicher Ereignisse präsentiert werden.

«Sinnlos, teuer und riskant»

Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) hat die Bewilligung für den Freisetzungsversuch mit cisgenen Apfelbäumen scharf kritisiert. Die Sicherheitsmassnahmen seien ungenügend und der Aussagewert der Versuche dürfte nahezu Null sein, heisst es in einer Mitteilung der SAG.

Die Gefahr einer Auskreuzung steige durch die lange Lebensdauer von Bäumen im Vergleich zu manipulierten Ackerpflanzen um ein Vielfaches. Zudem könnten die meisten Baumarten in der Natur überleben und es gebe zahlreiche wilde Verwandte, mit denen sie sich kreuzen könnten.

Die Amputation aller Blüten sei eine massive Verletzung und ein radikaler Eingriff in den Stoffwechsel der Pflanzen.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat den Versuch als unnötig, sinnlos, teuer und riskant bezeichnet. Die Apfelsorte Gala sei eine der anfälligsten Sorten für viele Krankheiten. Sie über ein Fremdgen resistent zu machen, sei nicht nachhaltig.

Es sei zu erwarten, dass die Resistenz innert kurzer Zeit durchbrochen werde, Greenpeace weist darauf hin, dass es bereits jetzt Apfelsorten aus konventioneller Züchtung gebe, die gegenüber Feuerbrand weniger anfällig seien.