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Muslimische Standaktionen «Viele Leute denken, es gibt nur den IS und Radikale»

Ein weisses Minarett an der Forchstrasse in Zürich
Legende: Die kleine Moschee mit dem zierlichen Minarett an der Forchstrasse in Zürich. Die älteste Moschee der Schweiz wurde von der Ahmadiyya-Gemeinschaft vor 55 Jahren erbaut. Keystone

Nicht nur die umstrittene «Lies!»-Organisation: Auch andere muslimische Bewegungen sind mit Standaktionen im Raum Zürich präsent. Zum Beispiel die Ahmadiyya-Gemeinschaft. Eine reformorientierte Bewegung, die innerhalb des Islams umstritten ist und in der Schweiz 900 Mitglieder zählt. Bekannt ist sie in Zürich für ihr Minarett, welches beim Balgrist steht. Imam Wafa Mohammad ist regelmässig an den Standaktionen mit dabei.

SRF News: Sie sind regelmässig mit Standaktionen auf den Strassen von Zürich und Winterthur präsent. Warum machen Sie das?

Wafa Mohammad: Weil es sehr viele Bedenken gibt in Bezug auf den Islam. Viele Leute denken, es gibt nur den einen Islam, der vom IS oder von radikalen Muslimen geprägt wird. Wir wollen raus zu den Leuten und sie darüber aufklären, dass der Islam eine friedliche Religion ist und dass er, wie früher andere Religionen auch, zum Teil missbraucht wird.

Und wie reagieren die Menschen auf der Strasse?

Sehr unterschiedlich. Viele Menschen bedanken sich bei uns, wenn sie mit uns ins Gespräch kommen und unsere Botschaft lesen. An unserem Stand steht immer: «Liebe für alle, Hass für keinen.» Das ist auch das Motto unserer Gemeinde. Es gibt Leute, die verstehen nicht wofür wir einstehen und denken, wir seien Salafisten mit radikalen Einstellungen. Dann kommt es zu Beschimpfungen und Diskussionen.

Wenn es dann aber zu konstruktiven Gesprächen kommt – was wollen die Leute wissen?

Viele Menschen stellen Fragen zum Thema Gewalt und wollen wissen, wie der Islam dazu steht. Oft konfrontieren sie uns auch mit Koranversen, die sie aus dem Kontext herausnehmen. Doch das ist der Punkt: Koranverse sollten nicht aus dem Kontext genommen werden. Es ist entscheidend, was davor und was danach geschrieben steht. Erst damit versteht man die Aussage. Nach längeren Gesprächen laden wir die Leute in unsere Moschee ein und einige kommen dann auch.

Sie klären also über den Islam auf. Nützt es etwas?

Bei Einigen schon. Erst vor einigen Tagen hat uns jemand in der Moschee besucht und erklärt, dass er uns an einem Stand angetroffen und jetzt einige Fragen habe. Das zeigt: Wir können bei einigen die Hemmungen wegnehmen. Klar, es gibt solche, die alles in einen Topf werfen, aber da versuchen wir mit viel Ruhe und Geduld aufzuklären.

Das Gespräch führte Nicole Freudiger

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