Zürcher Spitäler Nach der Augenoperation gleich wieder nachhause

Ab 2018 werden an den Spitälern im Kanton Zürich viele Behandlungen und Eingriffe nur noch ambulant durchgeführt.

Augenoperation, Kopf einer Patientin und Hände eines Chirurgen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Operationen am Auge wie beispielsweise beim Grauen Star erfolgen künftig ambulant. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zürcher Gesundheitsdirektion hat die Liste der medizinischen Behandlungen präsentiert, die künftig ambulant und nicht mehr stationär erfolgen sollen.
  • Es sind vor allem Untersuchungen und Operationen am Bewegungsapparat (z.B. Meniskus), an den Augen (z.B. Grauer Star) und an Gefässen (z.B. Herzkatheter).
  • Ausnahmen sind möglich, wenn ein Patient sehr schwer erkrankt ist, intensive Betreuung braucht oder aus sozialen Gründen nicht sofort nachhause kann.
  • Die Gesundheitsdirektion schätzt, dass 2018 rund 3400 bisher stationäre Eingriffe ambulant erfolgen. Dadurch sollen 9,4 Millionen Franken eingespart werden.
  • Nach den Erfahrungen von 2018 will der Kanton Zürich sowohl die Liste der ambulanten Behandlungen als auch jene der Ausnahmekriterien weiterentwickeln.

Gesundheitskosten senken

Nach Luzern führt nun also auch der Kanton Zürich eine Liste mit Eingriffen ein, die in Zukunft nur noch ambulant vorgenommen werden dürfen. Führen Spitäler diese Behandlungen stationär durch, beteiligt sich der Kanton nicht mehr an den Kosten.

Mit dieser Liste liessen sich grosse Einsparungen erzielen, dies bei gleicher Qualität der Leistungen, sagte der Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) am Freitag in Zürich. Es sei dringend nötig, die Gesundheitskosten zu senken. Die Gesundheitsversorgung in der Schweiz kostet jährlich 70 Milliarden Franken.

«  Bei vielen Menschen in guter Verfassung sind stationäre Aufenthalte nicht nötig. »

Thomas Heiniger
Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich

Für ambulante Behandlungen übernehmen die Krankenkassen und die Patienten die Kosten selber. Bei jenen Eingriffen, die weiterhin stationär im Spital erfolgen, zahlt der Kanton 55 Prozent an die Kosten. Dort sieht Heiniger das Sparpotenzial: «Bei vielen Menschen in guter Verfassung sind stationäre Aufenthalte nicht nötig.»

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z.B. Krampfadern

Zum Vergleich: Gemäss Gesundheitsversorgungsbericht kostet eine stationäre Krampfadern-Operation bei einem grundversicherten Patienten 7400 Franken. Ambulant kostet der gleiche Eingriff 2600 Franken. Bei zusatzversicherten Patientinnen und Patienten verdienen die Spitäler gar 17'400 Franken mehr, wenn sie sie stationär statt ambulant behandeln.

Die Zürcher Liste umfasst 14 Operationen. Darauf figurieren neben Meniskus, Grauem Star und Herzkatheter-Untersuchungen beispielsweise auch die Implantation von Herzschrittmachern, das Entfernen von Krampfadern und Hämorrhoiden, Leistenbruchoperationen, Kniespiegelungen oder auch das Zertrümmern von Nierensteinen.

Spitäler haben grosse Zweifel

Die Spitäler sind nicht glücklich mit der neuen Liste. «Ambulante Eingriffe sind in acht von zehn Spitälern nicht kostendeckend», sagte Stefan Metzker, Direktor des Spitals Männedorf. «Wir fühlen uns bedroht darin, in Zukunft die Grundversorgung sicherstellen zu können.» Ausserdem stehe die Infrastruktur dafür gar nicht zur Verfügung. «Wir sind nicht fit für ein ambulantes Setting, und für Investitionen fehlt künftig noch mehr Geld», sagt der Männedorfer Spitalchef.

Metzker warnt zudem davor, dass Spitäler stationäre Eingriffe künftig splitten könnten, um mehrere ambulante Operationen zu ermöglichen. Er sprach von einem «falschen Anreizsystem» und zeigte sich skeptisch, ob mit der Liste wirklich Kosten gespart werden könnten, so wie es sich die Gesundheitsdirektion verspreche.