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Grosser Medienauflauf: Erstmals wird in Zürich mit Flugbenzin aus biologischem Abfall getankt.
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 20.01.2020.
abspielen. Laufzeit 02:25 Minuten.
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Nachhaltiger in die Luft Zürcher Flughafen testet Öko-Kerosin

Man nehme gebrauchtes Speiseöl und tierische Abfälle, raffiniere das Ganze ähnlich wie Rohöl und verkaufe es als Flugbenzin: Genau das macht die finnische Firma Neste. Sie stellt aus erneuerbarer Biomasse nachhaltigen Treibstoff für Flugzeuge her. Das sogenannte «Sustainable Aviation Fuel» ist zu 80 Prozent CO2-neutral und funktioniert in allen Jet-Triebwerken.

Geschäftsfliegerei als Versuchskaninchen

Rechtzeitig zum diesjährigen Weltwirtschaftsforum hat der Flughafen Zürich 165'000 Liter des finnischen Öko-Kerosins besorgt, um es den vielen Business-Jets für den Rückflug vom WEF in die Herkunftsländer anzubieten. Da der Treibstoff mehr als dreimal teurer ist als herkömmliches Kerosin, baut der Flughafen auf die finanzkräftige Geschäftsfliegerei als Abnehmerin.

Der nachhaltige Treibstoff wurde mit Lastwagen von Belgien nach Zürich gebracht. Das sei freilich nicht sehr ökologisch, gibt Emanuel Fleuti, Leiter Umweltschutz der Flughafen Zürich AG, zu. Es handle sich bei der Aktion jedoch um eine erste Machbarkeitsstudie. Später wolle man den Treibstofftransport nach Zürich auf die Schiene verlegen.

Vorläufig noch mit Kerosin gepanscht

Auch mit der CO2-Neutralität ist es beim Zürcher Versuch noch nicht sehr weit her. Der finnische Öko-Treibstoff wird zurzeit nämlich noch mit herkömmlichem Kerosin gepanscht; sein Anteil beträgt lediglich ein knappes Drittel. «Wir haben weder die Rohstoffe noch die Herstellungskapazitäten, um das Potential heute schon voll auszuschöpfen», erklärt Fleuti.

Er rechnet damit, dass sich der Anteil des Biomasse-Treibstoffs im Gemisch bis 2030 auf rund 80 Prozent erhöhen lässt. Gleichzeitig werde sich bei erhöhter Nachfrage der Preis auf rund das Doppelte des herkömmlichen Kerosins senken lassen. Um den Treibstoff langfristig konkurrenzfähig zu machen, brauche es aber auf jeden Fall die Hilfe der Politik.

Fleutis Lösungsansatz: «Wenn wir von einer möglichen Flugticket-Abgabe sprechen, dann könnten wir diese Mittel wieder zweckgebunden einsetzen – zum Beispiel um diese Preisdifferenz abzufedern.» Der Flughafen Zürich sieht seine Öko-Treibstoff-Aktion anlässlich des Weltwirtschaftsforums denn auch als Startschuss, um sich künftig für solche Lösungen einzusetzen.

WWF glaubt nicht an Biomasse-Lösung

Bei der Umweltorganisation WWF ist man bezüglich Biomasse-Treibstoffen nicht ganz so euphorisch. Der Klimaschutzexperte des WWF Schweiz, Patrick Hofstätter, sieht in der Herstellung von Flugbenzin aus Abfallprodukten einen Nischenmarkt ohne grosses Potential: «Weltweit stehen nicht ausreichend Mengen an Abfall-Biomasse zur Verfügung, um genügend Kerosin für die Luftfahrt zu produzieren.» Langfristig sei es keine Lösung des Problems.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Micha Kammer  (MingXenom)
    Dass das Produkt bereits abgeschrieben wird, bevor es sich beweisen konnte ist sehr schade. Und das ausgerechnet vom WWF. Dabei sollte man doch die Möglichkeiten nutzen, die man hat, auch wens das Problem nicht komplett löst.
    Wen das ganz mal etwas angelaufen ist und die Nachfrage da ist, sollte man das Biomasse Kerosin wohl auch in der Nähe produzieren können. Die Finanzierung sollte über eine Erhöhung der Flugkosten auch möglich sein.
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  • Kommentar von Nic Grund  (Gruendeli)
    Super sache! Es gibt nicht EINE Lösung, sondern viele kleine Dinge, die zusammen den Unterschied machen werden. Das Problem ist komplex und die Lösung auch. Schwach vom WWF, dass sie dies nicht einsehen.
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