Neue Minergie-Studie schreckt die Zürcher Baudirektion nicht

Häuser, die nach Minergie-Standard gebaut werden, sind oft nicht so sparsam im Energieverbrauch, wie sie sein sollten. Diese Erkenntnis einer neuen Studie beunruhigt die Zürcher Behörden aber nicht. Doch es gibt Stimmen, die eine bessere Verteilung der Fördergelder verlangen.

Ein Mann schraubt an der Heizungsanlage eines Minergie-Hauses in Zürich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vor allem eine Frage der Einstellung: Minergie-Häuser verbrauchen häufig deutlich mehr Energie, als errechnet. Keystone

Der effektive Energieverbrauch eines Minergie-Mehrfamilienhauses kann bis zu 60 Prozent höher sein als der theoretisch errechnete Wert. Dies stellte das Bundesamt für Energie in einer neuen Studie fest (siehe Box). Besonders davon betroffen ist der Kanton Zürich, in dem bisher beinahe 9000 Häuser nach dem Minergie-Standard gebaut und mit öffentlichen Fördergeldern unterstützt wurden.

Das schlechte Abschneiden von Mehrfamilienhäusern und Verwaltungsbauten in der Studie beunruhigt Christoph Gmür von der Zürcher Baudirektion allerdings nicht. «Wir sind nicht überrascht», sagt Gmür auf Anfrage des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Vielmehr zeige die Studie interessante Zusammenhänge auf. Etwa, dass Minergie-Häuser immer noch viel besser abschneiden würden als solche ohne besondere Energiemassnahmen.

Müssten Fördergelder neu berechnet werden?

Der errechnete Energieverbrauch weiche oft auch deshalb vom effektiven Verbrauch ab, weil die Berechnungsgrundlagen veraltet seien, ergänzt der kantonale Energiespezialist Christoph Gmür.

Der Schweizer Ingenieur- und Architektenverein (SIA) sieht das kritischer. Die Behörden könnten durchaus mehr machen, um den effektiven Energieverbrauch von Minergie-Häusern zu senken, findet Andreas Altenburger vom SIA. Schliesslich würden sie die Bauten auch mit kantonalen Fördergeldern unterstützen.

«Ich fände es richtig, wenn die Kantone ihre Fördergelder auch nachhaltig resultatbezogen ausrichten», sagt Altenburger. So wäre es möglich, einen Teil der Gelder nach berechneter Energieeinsparung zu verteilen und einen anderen Teil dann einige Zeit später nach dem effektiv erreichten Energieverbrauch.