Premierenkritik «Anna Göldi» Ohne Witz, Tanz und Träumerei

Oberflächliche Charaktere, eine suboptimale Technik und eine Inszenierung, die kaum zu Herzen geht: Das Musical «Anna Göldi» hat es in Neuhausen schwer.

So viel vorneweg: Das Drumherum ist perfekt. Am Premierenabend glitzert der Rheinfall in der Abendsonne. Das Publikum hat sich fein gemacht und spaziert über den roten Teppich. Im Foyer gibt es Glarner Pasteten und Schabziger. Und in der grossen Halle beginnt das Musical mit einer sehr sanften Ouvertüre.

Wenn der Ohrwurm fehlt...

Mirco Vogelsang hat nicht nur das Libretto zum neuen Musical geschrieben, er inszeniert es auch gleich selbst. Er erzählt die Geschichte von Anna Göldi aus der Sicht eines Journalisten. Die Geschichte der Magd, die als letzte Hexe der Schweiz in die Geschichte einging,

Moritz Schneider hat dazu die Musik komponiert. Einen Ohrwurm, den das Publikum noch lange nach der Vorstellung summen kann, gibt es nicht.

...es mit der Technik hapert...

Auch lässt sich die Musik stilistisch nicht einfach festmachen. Dazu kommt, dass ein Teil der Sänger das Musicalfach beherrschen, während andere unüberhörbar im klassischen Gesang zuhause sind. Wenn man sie denn hört: Der Text ist schlecht verständlich, der Musikmix nicht optimal. Es entsteht oft der Eindruck einer Disharmonie zwischen Musik und Sängern.

Hauptdarstellerin Masha Karell und Paul Erkamp als Gerichtsschreiber stehen singend vor dem Rheinfall Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Werbefilm singen Hauptdarstellerin Masha Karell und Paul Erkamp vor den Kulissen des Rheinfalls. «Anna Göldi - das Musical» zvg

...und die Geschichte das Herz nicht rührt

Trotz schönen oder auch packenden Momenten berührt die Geschichte der Anna Göldi nicht wirklich, die grosse Bühne lässt trotz aller Bemühungen keine echte Stimmung aufkommen, die Charaktere sind mit Ausnahme der Ehefrau (gespielt von Eveline Suter) kaum spürbar.

Und wer viel Showtime mit Witz und fetzigen Tanznummern erwartet, wird kaum glücklich. Zu traurig ist die Geschichte, zu sehr ist sie aus dem Stoff, aus dem Dramen und nicht Musicals gemacht sind.

(kerf; Regionaljournal Zürich Schaffhausen; 17:30 Uhr)