Pokémon Go: Was bleibt vom Hype des Sommers?

Auch in Zürich und Schaffhausen machten sich Tausende auf die Pirsch nach den kleinen virtuellen Monstern, jetzt flaut das Jagdfieber ab. Findige Restaurants und andere Institutionen sind aber auf den Pokémon-Zug aufgesprungen und wollen die Strategie weiterverfolgen.

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Bildlegende: Museumspädagogin Lisa Trapp mit «antikem Pokémon» aus Ecuador (rechts unten). SRF

«Kommt zwischen sechs und acht Uhr bei uns vorbei, wir sponsern euch einen Poké-Stop mit Lock-Modul» – so die Botschaft, die das vegetarische Restaurant Hiltl in der Zürcher Innenstadt Ende Juli über Facebook verbreitete. Ziel war es, eine jüngere Kundschaft ins Hiltl zu locken.

Dies sei auch gelungen, sagt Norbert Schlüchter, Spezialist für Online-Marketing bei Hiltl, gegenüber dem «Regionaljournal». Auch wenn der grosse Hype nun etwas vorbei ist: Schlüchter will weitermachen. «Sobald ein Update von Pokémon Go da ist, so dass man Pokémons tauschen kann, werden wir den Gästen schwächere gegen stärkere Pokémons eintauschen. Ein Mix von Jung und Alt wäre jedenfalls wünschenswert hier im Restaurant.»

3000-jährige Pokémons in Schaffhausen

Junge Besucher anlocken will auch das Museum zur Allerheiligen in Schaffhausen. Wie Norbert Schlüchter ist deshalb auch Museumspädagogin Lisa Trapp auf den Pokémon-Zug aufgesprungen. An der Empfangstheke des Museums können Pokémon-Jäger gratis ihr Smartphone aufladen. In der Zwischenzeit dürfen sie in der Sammlung des Museums auf die Jagd nach «antiken» Pokémons gehen.

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Bildlegende: 3000-jährige Gabelhalsflasche alias Pokémon-Jäger im Schaffhauser Museum zur Allerheiligen. SRF

Unter den dort ausgestellten archäologischen Funden aus Südamerika hat Lisa Trapp sieben Ur-Pokémons ausgemacht und einen kleinen Pokémon-Ausstellungsführer gestaltet – mit einem Augenzwinkern freilich. Da ist zum Beispiel eine Gabelhalsflasche aus Peru: «Man sieht eine Person, die ein Tier geschultert hat. Das ist für mich ganz klar ein antiker Pokémon-Jäger.»

Lisa Trapp will die Idee von Pokémon Go und ähnlicher Apps weiterverfolgen. «Es wäre natürlich eine super Sache, wenn man mit dem Natel durchs Museum laufen könnte und dabei etwas ausgelöst wird, auf das man reagieren kann.»

«  Pokémon Go ist immer noch das umsatzstärkste App im App-Store. »

Matthias Sala
Zürcher Game-Designer

Matthias Sala, Game-Designer in Zürich und Präsident des Schweizer Game-Entwickler-Verbands, sieht in Pokémon Go weiterhin grosses Potential. «Es ist immer noch das umsatzstärkste App im App-Store, trotzdem man das Gefühl hat, es sei etwas am Abflauen.» Kommerzielle Trittbrettfahrten bleiben also weiterhin interessant.

Wann kommt der Pokémon-Hype zurück?

Bis jetzt hat Pokémon-Go-Produzent Nintendo zwar erst in Übersee Sponsorenverträge und andere Deals mit grossen Firmen gemacht, in Japan beispielsweise mit MacDonald's. Laut Matthias Sala kann das in Europa irgendwann auch noch kommen. «Vorderhand ist das App aber noch lukrativ genug.»