«Ratsbetrieb ohne Stadtrat Vollenwyder ist nicht erstrebenswert»

Das Zürcher Stadtparlament hat den abtretenden Finanzvorstand Martin Vollenwyder nach seiner letzten Parlamentssitzung mit minutenlangem Applaus und grossem Dank verabschiedet.

Ein schmunzelnder Martin Vollenwyder im Ratssaal. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit Schalk, Humor und blendender Rhetorik hat er den Zürcher Politbetrieb geprägt: Finanzvorstand Martin Vollenwyder. Keystone

 Zum letzten Mal hat der zurücktretende langjährige Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP) am Mittwochabend an einer Sitzung des Stadtparlaments teilgenommen. Der scheidende Magistrat wurde aufs Herzlichste verabschiedet.

Dies sei ihm beinahe peinlich, sagte der Geehrte, obwohl ihm eigentlich nichts peinlich sei. Er habe immer gern politisiert, man müsse sich aber irgendwann einmal fragen, wie lange man noch Freude habe und wie dick der Geduldfaden noch sei. Und man müsse sich selbst zugestehen, dass es auch andere mit guten Ideen gebe.

Gemeinderatspräsident Albert Leiser (FDP) würdigte Vollenwyder mit launigen Worten. Der frühere Banker sei mit Leib und Seele, mit Haut und Haar Stadtrat gewesen. Er sei alles - aber kein typischer Politiker, der sich hinter der Floskel verschanze, einen Volksauftrag erfüllen zu müssen.

«  Ist ein Parlamentsbetrieb ganz ohne Stadtrat Vollenwyder möglich? Ich meine ja. Aber erstrebenswert ist es sicher nicht. »

Albert Leiser (FDP)
Ratspräsident

Punktgenaue Analysen wie Dynamitstangen

Meist habe er gemacht, was er als richtig erachtete - «und meistens war es richtig», sagte Leiser. Vollenwyder habe das Talent zu «punktgenauen Analysen» gehabt. Formuliert habe er sie in verständlichem Stammtischdeutsch und sie «wie Dynamitstangen» in den Raum geschleudert.

Als künftiger Präsident der Tonhallegesellschaft werde er zwar nicht die erste Geige spielen - «die Trompete liegt ihm eher besser, um den Ton anzugeben», sagte Leiser. Er wisse nicht, ob er als Präsident der Eleonorenstiftung, Trägerin des Kinderspitals Zürich, die Kinder als Clown aufheitern werde - die Fähigkeit dazu hätte er gewiss.

Martin Vollenwyder werde als starke Persönlichkeit und als Mensch mit einer ausserordentlichen Ausstrahlung in Erinnerung bleiben. Er habe die Fähigkeit, Kompromisse zu finden, die er dann kompromisslos vertrete.

 1985 bis 1996 war Vollenwyder selbst Gemeinderat, 1990 bis 1994 präsidierte er die FDP-Fraktion. 1998 wurde er ins Kantonsparlament gewählt und seit 2002 ist er Mitglied der Stadtregierung. All die Jahre leitete der heute 59-Jährige mit Umsicht und Sachverstand das Finanzdepartement. Am kommenden Sonntag wird Vollenwyders Nachfolger gewählt. Er selbst hat seinen letzten Arbeitstag Mitte Mai.