Schulstart – auch für behinderte Kinder

An der Zürcher Schule für Körper- und Mehrfachbehinderte ist der erste Schultag besonders wichtig. Mehr als jede Regelschule braucht die städtische Sonderschule das volle Vertrauen der Eltern. Das verlangt viel vorbereitende Arbeit.

Kleines behindertes Kind im Rollstuhl in einem Schulzimmer mit anderen Behinderten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rund 80 teils schwer behinderte Kinder besuchen die Zürcher SKB. Keystone

Die Schule für Körper- und Mehrfachbehinderte im Zürcher Wollishofenquartier beginnt das neue Schuljahr jeweils mit einem kleinen Ritual. Es gilt nicht nur den Buben und Mädchen, die hier neu in den Kindergarten eintreten, in die nächste Klasse kommen oder von der Regelschule in die SKB übertreten. Es gilt auch den Eltern, die sich schon lange vor Schulbeginn mit dem Entscheid befasst haben, ihr Kind in die Sonderschule zu schicken.

Man wolle den Eltern Vertrauen geben dafür, dass ihre oft mehrfach körperlich, teilweise auch geistig behinderten Kindern an der SKB in guten Händen seien – sowohl schulisch als auch pflegerisch, sagt Schulleiterin Karin Zollinger. Schulbeginn heisse ja auch Loslösung; die Bindung zwischen Eltern und behinderten Kindern sei aber meist sehr stark. Damit das nötige Vertrauen entstehe, kämen Kinder deshalb schon lange vor Schulbeginn für Schnuppertage an die Schule. Mit den Eltern fänden ausführliche Gespräche statt.

«  Jeder Schüler hat seinen eigenen Lernstoff. »

Christoph Altherr
Oberstufenlehrer an der SKB

Der Unterricht an der Sonderschule ist im Gegensatz zur Regelschule praktisch vollständig individualisiert. Jeweils zwei Klassenlehrkräfte unterrichten vier bis sieben Schüler. Jeder Schüler hat seinen eigenen Lernstoff. Das ist auch nötig: Einige Kinder beherrschen mehrere Sprachen und können sich bewegen, andere sprechen kaum ein Wort und können auch nicht schreiben. Die SKB bietet gut 80 Schulkindern Platz und wird als Ganztagesschule mit Mittagessen geführt.

Ziel der Stadt Zürich ist es, möglichst viele Kinder mit Behinderungen in den normalen Volksschulunterricht zu integrieren. Dies ist bisher auch gut gelungen: Rund 60 behinderte Kinder besuchen heute Regelschulen. Erfordert die Behinderung aber grossen Betreuungs- und Pflegeaufwand, ist die Sonderschule die bessere Lösung. Den Entscheid, ob die Regel- oder Sonderschule für ein Kind besser ist, fällen städtische Schulgremien und Spezialisten jeweils gemeinsam mit den Eltern.