«Sie macht etwas im Raum, ich in der Zeit»

Zum 100. Geburtstag erhält das Künstler-Ehepaar Alfred und Gisela Andersch eine Ausstellung im Zürcher Museum Strauhof. Der deutsche Schriftsteller und die Malerin haben sich in ihren Arbeiten gegenseitig inspiriert.

Gisela Andersch an der Staffelei, Alfred Andersch im Hintergrund Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gisela Andersch im Vordergrund, Alfred Andersch im Hintergrund. zvg / © Alexander Klee

Das Literaturmuseum Strauhof war in den Schlagzeilen. Nicht wegen der Ausstellungen, sondern weil es Ende 2014 geschlossen werden soll. Dabei geht fast vergessen, dass es bis dann noch ein attraktives Programm bietet. Zum Beispiel mit einer neuen Ausstellung über das Künstler-Ehepaar Andersch.

Gisela und Alfred - das Liebespaar

Jahrzehntelang haben Alfred und Gisela Andersch unter dem gleichen Dach gelebt und gearbeitet. «Gegen Mittag ist er immer zu ihr ins Atelier gegangen und hat gesagt: Giselchen, oben rechts fehlt noch ein Flugzeug!» erzählt der Kurator Peter Ehrismann im «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Ganz klar, ein Witzchen. Denn ein Flugzeug würde auf einem Bild von Gisela Andersch etwa so deplatziert wirken, wie eine Kuh neben einem Wolkenkratzer.

Vom Liebespaar zum Künstlerpaar

Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt mit einem fast intimen Blick ins Leben von Gisela und Alfred Andersch. 1940 lernen sie sich kennen und schreiben sich Liebesbriefe.

In der Ausstellung geht es weiter zu Fotografien und Reisebeschreibungen, dann zu Programmheften und Büchern. Er hat geschrieben, sie hat gemalt und sie haben sich immer bei ihrer Arbeit respektiert und unterstützt. 1958 ziehen sie in die Schweiz, nach Berzona im Tessin. Dort stirbt Alfred Andersch 1980, seine Frau Gisela sieben Jahre später.

Wie haben sich der Schriftsteller Alfred Andersch und seine Frau, die Malerin Gisela Andersch, gegenseitig beeinflusst? Wo findet man in der Arbeit des Einen die Andere? Das Zürcher Literaturmuseum Strauhof geht diesen Fragen in der Ausstellung «Sie macht etwas im Raum, ich in der Zeit» nach.

Es lässt die beiden beinahe vergessenen Künstler wieder aufleben und zeigt, dass ein Künstler-Eheleben funktionieren kann - gut sogar.