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Tadel für Stadtrat Leupi Zürcher Stadtparlament zeigt Herz für Bauernhof-Mieter

Die bisherigen Bewohner sollen im Landgut «Hägi» bleiben können. Eine seltene Allianz aus FDP und SP durchkreuzt so die Verkaufspläne des Zürcher Stadtrats.

Ratssaal mit Räten von oben
Legende: Für einmal Schiedsrichter zwischen zwei kaufwilligen Familien: Zürcher Gemeinderat Keystone

Die Geschichte machte Schlagzeilen: Die Stadt Zürich hatte den in seinem Besitz befindlichen Hof «Hägi» in Mettmenstetten mittels Bieterverfahren verkauft. Den Zuschlag erhielten nicht die langjährigen Mieter des Hofs, sondern der Höchstbietende. Es gab entrüstete Briefe und eine Petition zugunsten der geprellten «Hägi»-Mieter.

Der Protest zeigte Wirkung. Die Mehrheit der für das Geschäft «Hägi» zuständigen Gemeinderatskommission beantragte Rückweisung und forderte vom Stadtrat eine neue Weisung, die den Verkauf an die bisherige Mieterschaft vorsieht. Getragen wurde der Antrag von einer ungewöhnlichen Allianz aus FDP und SP.

GLP und SVP kritisieren FDP

In der Ratsdebatte entrüsteten sich die bürgerlichen Partnerparteien SVP und GLP über den «ungewohnt sozialpolitischen Kurs» der Freisinnigen. Auch die Grünen kritisierten die Rückweisung und unterstützten ihren Finanzminister Daniel Leupi. Leupi war für den Verkauf des Hofs zuständig und verteidigte das Bieterverfahren als bestmögliches Vorgehen beim Verkauf städtischer Liegenschaften.

«Wir müssen jetzt den Schiedsrichter spielen zwischen zwei Familien, die beide valable Angebote gemacht haben. Das ist nicht einfach», fasste Ernst Danner von der EVP die Situation zusammen. Tatsächlich musste sich der Rat aufgrund des Rückweisungsantrags mit den Vor- und Nachteilen der beiden kaufwilligen Parteien im Fall «Hägi» befassen – eine eher unübliche Aufgabe für das Parlament der grössten Schweizer Stadt.

Langjährige Mieter haben Vorrag

Auf Seiten der FDP verteidigte kein Geringerer als der Direktor des Zürcher Hauseigentümerverbands, Albert Leiser, das Vorgehen seiner Partei: «Wenn ich als Hauseigentümer seit 25 Jahren einen Mieter habe, verkaufe ich das Haus nicht dem Meistbietenden, sondern gehe zuerst zum Mieter und suche mit ihm zusammen nach Lösungen, sofern er das will.»

Mit 66 zu 52 Stimmen stimmte der Rat dem Rückweisungsantrag von FDP und SP zu. Der Zürcher Stadtrat muss den «Hägi»-Hof somit an die bisherigen Mieter verkaufen, falls sie die Verkaufsbedingungen tatsächlich erfüllen.

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