Tragbare Tempel für indische Göttinnen

Es sind reich bemalte Tücher, die aus dem nördlichen Bundesstaat Gujarat in Indien stammen: Sie dienen als Blachen, die, zusammen gehängt, einen viereckigen Raum ergeben, einen Tempel. Das «Dach» des Tempels ist für die Göttin dann der Hinweis, wo sie sich für eine Zeremonie niederlassen muss.

Tempeltuch für die Göttin Meladi, unbekannte Werkstatt in Ahmedabad (Indien), frühes 20. Jahrhundert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tempeltuch für die Göttin Meladi, unbekannte Werkstatt in Ahmedabad (Indien), frühes 20. Jahrhundert. ZVG

Dank der Tücher ist der Tempel mobil - und das benötigt auch die Gesellschaftsschicht, für die die Tücher hergestellt werden. Es sind Männer aus der Unterschicht, den Unberührbaren, die die Tücher für Leute aus der Unterschicht herstellen. «Diese durften früher nicht in die Tempel der HIndus und waren auch sehr mobil, weil sie sich nirgendwo richtig niederlassen konnten», erklärt Eberhard Fischer gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Er kuratiert die neue Ausstellung im Museum Rietberg und ist ehemaliger Direktor des Museums.

Ausschnitt aus einem Tempeltuch, sichtbar sind die Göttin Meladi und zwei Priester, die ihr Opfergaben bringen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ausschnitt: Tempeltuch für die Göttin Meladi, unbekannte Werkstatt in Ahmedabad (Indien), frühes 20. Jahrhundert. ZVG

Es ist ein Teil seiner Sammlung, die ausgestellt wird. Nach seinem Doktorat in Ethnologie weilte er in den 60er und 70er Jahren mehrfach in Gujarat, wo er an einer Gewerbeschule unterrichtete. In seiner Freizeit durchstöberte er die Märkte und erstand zahlreiche solche Tücher. Diese Sammlung schenkte er schliesslich dem Museum Rietberg.