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Trotz sexueller Übergriffe Jürg Jegge kommt ohne Strafe davon

Die Zürcher Staatsanwaltschaft habe das Verfahren definitiv eingestellt, teilt der Wörterseh-Verlag mit.

Zwei Männer hinter Mikrofonen, darüber das Bild Jegges auf die Wand projiziert.
Legende: Der ehemalige Schüler, der die Vorwürfe bekannt machte, stellte im Frühling 2017 sein Buch vor. Keystone

Ein ehemaliger Schüler von Jürg Jegge hatte die Untersuchung im letzten Frühling ins Rollen gebracht. Er schilderte in einem Buch detailliert die sexuellen Übergriffe des ehemaligen Vorzeigelehrers. Jürg Jegge gab daraufhin sexuelle Kontakte mit seinen Schülern zu – allerdings sind diese alle verjährt.

Übergriffe nach 1992 konnte die Staatsanwaltschaft nicht nachweisen. Sie habe mit 18 Männern gesprochen, die bei der Stiftung Märtplatz im Zürcher Unterland eine Lehre gemacht hatten. Sie hätten jedoch alle ausgesagt, dass es keinen sexuellen Kontakt zu Jürg Jegge gegeben habe, teilte der Wörterseh-Verlag mit.

Einstellung des Verfahrens absehbar

Die Staatsanwaltschaft habe deshalb letzte Woche mitgeteilt, dass sie das Verfahren einstelle. Die Kosten für die Untersuchung muss Jürg Jegge jedoch bezahlen. Denn er habe «gegen eine geschriebene Verhaltensnorm verstossen und handelte somit widerrechtlich», zitiert der Verlag aus der Verfügung der Staatsanwaltschaft.

Bereits im letzten Oktober wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft keine Zeugen für Übergriffe nach 1992 gefunden habe.

Betroffener akzeptiert Entscheid

Jegges ehemaliger Schüler will den Entscheid der Staatsanwaltschaft nicht anfechten. Sie habe seriös und gut gearbeitet, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Dass es nun nicht zur Anklage und zum Prozess gegen Jegge komme, sei in Ordnung. Er könne damit leben. Wichtig sei ihm jedoch, dass die Staatsanwaltschaft in der Einstellungsverfügung deutliche Worte nutzt. «Diese zeigen, dass ich im Recht war.»

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Dieser "Fall" zeigt der Oeffentlichkeit, dass nicht alle Straftäter und deren Opfer gleich behandelt werden! Gegenwärtig läuft ein Abgeltungs-Verfahren (Gutmachungs-Staatsgelder) für damalige "Verdingkinder", deren Missbräuche noch viel länger zurück liegen! Dieser "Vorzeige-Lehrer" (Jegge) kommt also nach neuster Einschätzung (wegen Verjährung!) völlig straffrei weg und seinen Opfern wird keine Gutmachungs-Entschädigung ausbezahlt! Es kommt offenbar darauf an, auf wessen "Seite" jemand steht!
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    1. Antwort von Alex Bauert (A. Bauert)
      Entschädigungen sind nicht obligatorisch und verjähren nicht. Sollte ein Opfer von Jegge z.B. durch die Berichterstattung wieder in psychische Nöte geraten, könnte er bei der Opferhilfe finanzielle Unterstützung beantragen. Leider sind die bürgerlichen Parteien überall für Sparmassnahmen auch bei der Opferhilfe. Auch die SVP, die so sehr betont, man solle mehr für die Opfer tun.
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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Verjährung für sex. Straftaten muss sofort aufgehoben werden. Es kann doch nicht sein dass solche Straftäter ungeschoren davon kommen, und die Opfer ihr Leben lang leiden müssen.
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    1. Antwort von Alex Bauert (A. Bauert)
      Das ist auch bei schwerer Körperverletzung oder Tötungsdelikten so. Wenn der Vater oder die Mutter getötet wird, wenn das Kind 5 Jahre alt ist und 30 Jahre später findet man per Zufall heraus, wer es war ist diese Tat auch verjährt. Sinnvollerweise deucht mich. Nach so langer Zeit ist es kaum je möglich, ein Verbrechen schlüssig zu beweisen.
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  • Kommentar von Lisa Borg (Autorin Lisa Borg)
    Opfer von sexueller Gewalt und Missbrauch benötigen oft viele Jahre um darüber reden zu können. Eine Verjährung solch widerlicher Verbrechen gehört abgeschafft. Ein Opfer leidet ein Leben lang und kann mit keinem Geld, im Gegensatz zum Täter, das Verbrechen ungeschehen machen. Eine zusätzliche Ohrfeige für das Opfer. Ein Opfer braucht für die Verarbeitung des Geschehenen zumindest eine Genugtuung. Dem Täter wird geholfen, das Opfer wird vergessen.
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    1. Antwort von Alex Bauert (A. Bauert)
      Die Genugtuung kann sich ein Opfer auch bei der Opferhilfe holen. Leider wurden deren finanzielle Mittel von den bürgerlichen Parteien, v.a. SVP und FDP, in allen Kantonen gekürzt. Generell hilft Opfern v.a. schon mal die Bestätigung durch den Staat, hier die Staatsanwaltschaft, dass ein Unrecht geschehen ist. Das hilft in vielen Fällen, siehe z.B. «Das Opfer im Strafrecht» von M. Schwander, Kp. zu den psychischen Folgen von Straftaten und Unrechtsfeststellungen durch Gerichte.
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