Unsichere Zukunft? Wenn das Zürcher Hilfswerk seinen Kopf verliert

Oft geben die Gründer eines Hilfswerks diesem ein Gesicht. Was, wenn dieses Gesicht plötzlich fehlt? Eine Analyse.

Zum Ende des Jahres etwas Gutes tun: In der Weihnachtszeit unterstützen viele Schweizerinnen und Schweizer ein Hilfswerk. Doch welches? Viele Hilfswerke haben prominente Aushägeschilder, die bekannt sind und somit die Bevölkerung zum Spenden anregen. Ein Beispiel: der bekannte Kinderarzt Beat Richner.

Beat Richner hilft in seinem Spital in Kambodscha Kindern, die schwer erkrankt sind. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kinderarzt Beat Richner gründete die Kantha-Bopha-Spitäler in Kambodscha. Keystone

Richner gründete 1992 in Kamdodscha die Stiftung Kinderspital Kantha Bopha. Er baute das zerstörte Kinderspital in der Hauptstadt Phnom Penh wieder auf und erweiterte die medizinische Versorgung für Millionen von Kindern mit weiteren Spitälern.

Im Februar wurde bekannt, dass Beat Richner schwer erkrankte und die Leitung seiner Stiftung abgeben musste. Was bedeutet das für ein Hilfswerk, wenn der Kopf, der Gründer plötzlich fehlt?

Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber

Pfarrer Ernst Sieber steht in seinem Pfuusbus, einem Heim für Obdachlose. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Stiftung von Pfarrer Ernst Sieber engagiert sich unter anderem für Obdachlose. Keystone

Ein berühmtes Aushängeschild eines Zürcher Hilfswerks ist Pfarrer Ernst Sieber. Er setzt sich seit Jahren für Obdachlose, Drogenabhängige und Randständige ein - zum Biespiel mit dem Pfuusbus. Das ist ein Lastwagen beim Albisgüetli, der Obdachlosen in der kalten Winterzeit ein Dach über dem Kopf bieten soll.

Die Sozialwerke von Ernst Sieber bereiten sich schon heute auf die Zeit ohne ihren Gründer vor. Es sei wichtig, dass das Hilfswerk auch dann weiterfunktionieren könne, sagt Walter von Aarburg von den Sieberwerken. Darum zeige man in Medienberichten bewusst auch andere Köpfe. «Wir zeigen den Leuten damit, dass auch diese Leute die Arbeit im Sinn und Geist von Pfarrer Ernst Sieber ausführen und dass es auch in Zukunft so sein wird.»

Smiling Gecko

Hannes Schmid steht vor seinen Bildern des Marlboro Man, dem rauchenden Cowboy aus der Zigarettenwerbung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Als Fotograf schuf Hannes Schmid den berühmten «Marlboro Man», heute hilft er Kindern in Kambodscha. Keystone

Auf Reisen hat Hannes Schmid viel Elend gesehen und wollte nicht mehr wegschauen. Er gründete das Hilfswerk Smiling Gecko - mit dem Ziel, Slum- und Müllhaldenkindern in Kambodscha zu helfen.

Schmid sagt, ein bekanntes Gesicht sei hilfreich, damit Leute spenden. Aber auch wenn er sich dereinst nicht mehr um das Hilfswerk kümmern könne, müsse es weiter gehen. «Den Leuten muss bewusst sein, dass ihre Spenden an Smiling Gecko gehen und nicht an mich.» Wenn ich das nicht vermitteln konnte, dann habe ich etwas falsch gemacht.