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«Was macht eigentlich?» «Der Gesangslehrer schickte mich zum Berufsberater»

Legende: Audio «Die Zeit in stickigen Garderoben und in stinkenden Tourbussen fehlt mir» abspielen. Laufzeit 12:55 Minuten.
12:55 min, aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 18.10.2018.

Res Wepfer hat gegen tausend Konzerte gespielt, sieben CDs herausgebracht und so ziemlich jeden Preis gewonnen, den es in der Kleinkunstszene gibt. 1990 hat er das Musikensemble «Pfannestil Chammer Sexdeet» gegründet, das unter anderem den Hit «Einegelige Riisnegeli» eingespielt hat.

Heute ist seine Stimme aber auch in Therapiesitzungen zu hören und sein Name taucht auf Buchtiteln auf. Denn Res Wepfer widmet sich nicht nur der Musik, sondern arbeitet auch als Psychologe.

SRF: In welcher Welt stecken Sie heute, in der musikalischen oder in der psychologischen?

Res Wepfer: Vor diesem Gespräch habe ich gerade versucht, meiner Tochter die Haare zu kämmen. Heute ist mein Papitag.

Aber Sie könnten auch aus der Psychologenpraxis oder aus einem Proberaum kommen. Wie verteilen sich diese beiden Tätigkeiten?

Beides kommt häufig vor, ja. Ich arbeite zurzeit achtzig Prozent als Psychotherapeut und den Rest füllen die Musik und die Familie aus. Die Musik spielt immer noch eine grosse Rolle in meinem Leben.

Für Ihr musikalische Schaffen haben Sie viele Preise erhalten, so zum Beispiel den Salzburger Stier im Jahr 2001. Was bedeuten Ihnen diese Ehrungen heute noch?

Diese Preise schmeichelten uns ungemein. Wir mussten aber auch etwas dafür tun. Wir spielten über tausend Konzerte. Teilweise im hinterletzten Kaff, in einem abgelegenen Pfarreikeller. Stunden verbrachte ich in stickigen Garderoben oder in einem stinkenden Tourbus. Da brauchte es einen grossen Willen.

Und parallel dazu studierten Sie in dieser Zeit auch noch Psychologie. Warum das?

Ich mochte es schon immer, zweigleisig zu fahren. In der Psychologie kann ich viel zuhören, auf der Bühne als Musiker kann ich Sachen herausposauen. Diese Aufgaben ergänzen sich für mich hervorragend.

Warum haben Sie nicht Musik studiert?

Das war eigentlich mein Plan, Gesang zu studieren. Vor der Aufnahmeprüfung ging ich als Vorbereitung zu einer Art Vorsingen bei einem Experten. Als ich ihm knapp einen Ton vorgetragen hatte, unterbrach er mich sogleich und riet mir, ich solle doch einen Berufsberater aufsuchen. Das hat mich gekränkt. Fortan stand ich dann ohne Ausbildung am Konservatorium auf der Bühne.

Mit Erfolg, auch ohne Diplom. Heute existiert das «Pfannestil Chammer Sexdeet» nicht mehr. In welcher Form musizieren Sie heute?

Aktuell musiziere ich in einem Kabinett. Das ist eine Viererformation mit jazziger Note. Es reizt mich, weil ich noch sehr viel lernen kann.

Mit dieser Gruppe treten Sie in der ganzen Schweiz auf. Wenn Sie mit früher vergleichen – wie hat sich die Kleinkunstszene in den vergangenen dreissig Jahren verändert?

Der finanzielle Druck hat sicher zugenommen, auch die Angst der Veranstalter vor leeren Sitzen ist nicht kleiner geworden.

Das Gespräch führte Cordelia Fankhauser.

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