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«Was macht eigentlich?» «In einem anderen Land wäre ich der absolute Superstar gewesen»

Legende: Audio «Ich friere nicht gerne, fahre aber auch heute noch gerne Ski» abspielen. Laufzeit 13:17 Minuten.
13:17 min, aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 08.10.2018.

Die in Egg geborene Brigitte Oertli ist bis heute die erfolgreichste Zürcher Skifahrerin aller Zeiten. Sie gewann neun Weltcuprennen und holte an den Olympischen Spielen in Calgary 1988 gleich zwei Medaillen. Sie stand sowohl in der Abfahrt als auch in der Alpinen Kombination auf dem zweitobersten Treppchen des Podests. So schön diese Erfolge sind, haftete Oertli der Ruf als «ewige Zweite» an. Dennoch blickt sie zufrieden auf ihre Sportkarriere zurück. Heute wohnt Brigitte Oertli in Uster und arbeitet in einer Marketingschule. Das «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» hat Brigitte Oertli an ihrem Arbeitsplatz in Zürich-West zum Gespräch getroffen.

SRF: Vor 28 Jahren sind Sie zurückgetreten aus dem Profisport. Wie häufig trifft man Sie heute noch auf der Skipiste an?

Brigitte Oertli: Ich stehe auch heute noch gerne und – wenn es der Beruf zulässt – häufig auf den Skiern. Allerdings brauche ich keine ganze Woche Skiferien, mir reichen zwei Tage am Stück.

Der schönste Moment Ihrer Karriere dürften die Olympischen Winterspiele 1988 gewesen sein. An welche Erlebnisse denken Sie sonst zurück?

Calgary war bestimmt der eindrücklichste Moment. Oft erinnere ich mich auch an das Rennen in Saas-Fee kurz vor den Olympischen Spielen 1988. Dort habe ich mein erstes Weltcuprennen gewonnen. Vor all meinen Freunden, in der Schweiz. Es war ein einschneidendes Erlebnis, weil ich gemerkt habe: Ich kann gewinnen, so wie ich bin.

Apropos gewinnen: Sie standen häufig nicht ganz zuoberst auf dem Podium, sondern landeten auf Platz 2. Ein bisschen blieben Sie stets im Schatten von Konkurrentinnen wie Maria Walliser oder Michela Figini.

Sechzehn Mal war ich Zweite, das stimmt. Für mich war es einmalig, gemeinsam mit diesen Fahrerinnen in einem Team zu sein. Was wir Frauen damals geleistet haben, das kommt nicht mehr so bald. Und innerhalb der Mannschaft hat halt jede ihre Geschichte. Meine Geschichte ist vielleicht, «ewige Zweite» zu sein. Damit kann ich gut leben. Nur ein Moment ärgert mich: Dass ich die Goldmedaille an den Olympischen Spielen um eine winzige Hundertstelsekunde verpasst habe. In einer anderen Nation wäre ich mit meinen Resultaten der absolute Superstar gewesen.

Nach Ihrer Sportkarriere haben Sie ganz viele Dinge angerissen: Sie waren Fitnesstrainerin, haben Sportferien organisiert – und vor 16 Jahren die Swiss Marketing Academy mitgegründet. Was machen Sie heute?

Ich bin Mitinhaberin und verantwortlich für das gesamte Backoffice der Marketingschule. Also sowohl involviert in die Planung als auch bei Auftritten um die Firma zu repräsentieren. Es ist streng, macht mir aber viel Freude. Und es hält mich jung, weil die Studierenden immer gleich alt bleiben.

Der Skiclub Egg ist einer der erfolgreichsten in der Region. Engagieren Sie sich im Verein?

Ich bin Ehrenmitglied und gehe wenn immer möglich an die Egger Meisterschaften am Pfannenstil. Als Trainerin arbeite ich aber nicht. Der Grund ist relativ simpel: Ich friere nicht gerne. Schon früher trug ich immer einen Pullover mehr als die anderen und hatte kalte Füsse. Deshalb reizt mich diese Aufgabe weniger.

Das Gespräch führte Vera Deragisch.

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