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Widerstand von links Zürcher SP zeigt Stadionprojekt «Ensemble» rote Karte

Keine teuren Wohnungen: Die SP Stadt Zürich ist gegen das Projekt des Stadtrats. Und lanciert einen eigenen Vorschlag.

Eine Torwand steht verloren zwischen Büschen und Bäumen.
Legende: Torwand ja, Spielfeld nein: Momentan erinnert auf der Hardturm-Brache nur wenig an einen Fussballplatz. Keystone

Es gingen gleich 103 rote Karten in die Höhe an der Versammlung der Stadtzürcher SP. Damit stimmte eine deutliche Mehrheit der Delegierten gegen das Stadionprojekt des Zürcher Stadtrats. Nur gerade 24 Delegierte sagten Ja zum Vorschlag «Ensemble».

Damit geht die SP auf Konfrontation mit ihren eigenen Stadträten. In der Diskussion versuchten Stadtpräsidentin Corine Mauch und Hochbauvorsteher André Odermatt vergeblich, die Genossen doch noch von ihrem Projekt zu überzeugen.

Sie brachten vor, es handle sich um ein realistisches und mehrheitsfähiges Projekt, das auch die SP so bestellt habe. Eine Ablehnung der Stadionvorlage «Ensemble» entspreche daher nicht ihrem Bild der SP als «verlässliche und glaubwürdige Partei», mahnte Corine Mauch.

Der Grund der Opposition der Basis: Der grossen Mehrheit sind die Wohnungen in den beiden geplanten Hochhäusern neben dem Stadion ein Dorn im Auge. Die Investorin, die Grossbank Credit Suisse, erziele damit zu viel Rendite, sie seien ausserdem zu teuer. Ausserdem sei das Stadion überhaupt nicht gratis, wie häufig behauptet werde. Es koste die Steuerzahlenden über eine Milliarde Franken, so die Berechnung der SP-Mehrheit.

Stattdessen lanciert die SP einen eigenen Vorschlag für ein Stadion auf dem Hardturm-Areal. Diese Volksinitiative «Für ein Fussballstadion ohne Milliarden-Abzocke» sieht vor, dass das Stadion durch öffentliche Gelder finanziert wird. Hochhäuser gäbe es keine, dafür mehr gemeinnützige Wohnungen.

Visualisierung des Stadionprojekts "Ensemble" mit dem Stadion selber und zwei hohen Wohntürmen.
Legende: Die Hochhäuser fallen beim Vorschlag der SP weg. Keystone

Zwar erhielt ein öffentlich finanziertes Stadionmodell im Jahr 2013 keine Mehrheit, die SP habe die Vorlage aber leicht angepasst, sagt Gemeinderat Florian Utz: «Die grössten Kritikpunkte waren damals die hohen Kosten und die jährlichen Betriebsbeiträge. Unser Vorschlag bietet bessere Lösungen.»

Statt der damals geplanten 170 Millionen Franken soll der Bau des Stadions auf 130 Millionen Franken gesenkt werden. Und die Stadt soll den Clubs keinen jährlichen Betrag zur Verfügung stellen, die Vereine sollen die Kosten für den Betrieb selber übernehmen.

Falls die Partei die nötigen 3000 Unterschriften fristgerecht sammelt, dürfte die SP-Initiative nächstes Jahr an die Urne kommen.

Odermatt zeigt sich kämpferisch

Zunächst stimmt die Stadtzürcher Stimmbevölkerung jetzt aber im November über den Vorschlag «Ensemble» des Stadtrats ab. Falls es ein Ja gebe, werde die SP das selbstverständlich akzeptieren und ihre Initiative zurückziehen, so Florian Utz.

An dieses Szenario glaubt Stadtrat André Odermatt auch nach der Schlappe am Donnerstagabend: «Es wird nicht einfach nach dem Entscheid der SP. Aber wir müssen als Stadtregierung zeigen, dass unser Projekt eine gute Vorlage ist und der beste Weg, damit Zürich möglichst bald ein Fussballstadion erhält.»

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Singer (P.S.)
    Ich bin sehr enttäuscht von der SP. Diese Partei wollte sich für günstigere Wohnungen einsetzen. Wieso ist man nun gegen diese Wohntürme? Ich verstehe es einfach nicht. Wenn dieses und ähnliche Projekte blockiert werden, steigen die Mieten noch weiter.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Wer weiss... vielleicht setzt ja bei der SP allmählich ein Denkprozess über die Themen Wachstun, Zuwanderung und infrastrukturelle Probleme ein... hoffen darf man immer...
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Gut, die SP wird kantiger, erinnert sich des 'Sozial' in ihrem Namen. Städte weltweit erleiden einen nie dagewesenen Investitions-Druck des globalisierten Kapitals. Ein Kapital, das keine Verantwortung für Niemanden und Nichts haben will. Das Immobilienmärkte seiner Klientel im Hochpreissegment mit unnützen, leerstehenden, asozialen Wohnung zupflastert. Städte mit Lebensqualität sind Beute. Es ist eine kapitalistische Enteignung, das Menschen in ihren Städten lebenswichtigen Wohnraum entzieht.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Ich bin von der Richtung her bei Ihnen, aber ich verachte das Vokabular des Schawarzen Blockes...
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    2. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Also einfach keine privaten Wohnungen mehr bauen? Dann steigen die Mieten ins Astronomische. Wenn die Wohnungen leer wären weil sie zu teuer sind, dann würden die Mieten so lange sinken, bis sich wieder Mieter finden. Also ist es gut für alle Mieter, wenn diese Wohnungen gebaut werden.
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    3. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      @pip: Verachtung von was genau? Verachtung ist sehr, sehr energieintensiv. Ob das die Sache wert ist? ....
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    4. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      @singer: Mir scheint, das Gebot der Stunde ist der genossenschaftliche Wohnungsbau. In welcher konkreten Form auch immer, es war und ist das Mittel der Wahl, um Städterinnen ein gutes Wohnen zu garantieren .... Er ist ganz klar eine Form des gemeinschaftlichen Wohnungsbaus, der auch oft in Privatinitiative entsteht. Der Markt Herr Singer reguliert nur sich und seine kapitalen Partikluarinterssen, mehr nicht. Ihm ist es egal, wer, wo, und wann und ob da jemand daran krepiert ....
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    5. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      @kunz: Mehr Genossenschaftswohnungen sind natürlich immer gut. Aber leider ist es nicht immer ganz so einfach eine solche zu kriegen. Wieso ist man also gegen diese "normalen" Wohnungen? Wenn man dieses und ähnliche Projekte verbietet, dann steigen alle Mieten. Ich verstehe die SP einfach nicht.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Gut, die SP wird kantiger, erinnert sich des 'Sozial' in ihrem Namen. Städte weltweit erleiden einen nie dagewesenen Investitions-Druck des globalisierten Kapitals. Ein Kapital, das keine Verantwortung für Niemanden und Nichts haben will. Das Immobilienmärkte seiner Klientel im Hochpreissegment mit unnützen, leerstehenden, asozialen Wohnung zupflastert. Städte mit Lebensqualität sind Beute. Es ist eine kapitalistische Enteignung, das Menschen in ihren Städten lebenswichtigen Wohnraum entzieht.
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