Wie Flüchtlinge die Jugendarbeit in der Stadt Zürich verändern

Die Zahl der Flüchtlinge, welche die Jugendtreffs in Zürich aufsuchen, hat spürbar zugenommen. Das Zusammentreffen dieser meist unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden mit den hier Ansässigen klappt gut. Trotzdem reagiert die Offene Jugendarbeit auf die neue Entwicklung.

Jugendliche spielen an einem autofreien Sonntag in Zürich zusammen Basketball. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zusammen Sport treiben oder einfach im Jugendtreff abhängen: Die Anzahl Flüchtlinge in der Jugendarbeit ist gestiegen. Keystone

Sie gehen meist einige Stunden pro Tag in die Schule, kennen sich sonst hier aber kaum aus und haben kaum Anschluss an andere Gleichaltrige. Die Angebote und Räume der Offenen Jugendarbeit Zürich (OJA) stellen für unbegleitete minderjährige Asylsuchende deshalb eine willkommene Abwechslung dar. In der OJA in Oerlikon etwa machen die jugendlichen Flüchtlinge inzwischen rund 30 Prozent der Jugendtreffbesucher aus.

Neue Klientel, andere Bedürfnisse

Und sie seien dort auch willkommen, sagt Stellenleiter Renato Hüppi: «Sie fügen sich sehr gut in unseren Alltag ein und fallen kaum auf.» Auch, weil das OJA in Oerlikon sehr gut besucht sei mit bis zu 100 Jugendlichen an gewissen Abenden. Doch die neuen Jugendtreffbesucher sind auch eine Herausforderung. «Einige hängen sehr stark an den Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern. Auch, weil sie vielleicht einen grossen Bruder oder ihre Eltern vermissen.»

Der Geschäftsführer der Offenen Jugendarbeit Zürich, Giacomo Dallo, ist sich auch bewusst, dass die Stimmung unter Jugendlichen schnell kippen kann. So hätten sich hier ansässige Jugendliche auch schon beklagt, wenn sie etwa bei den beliebten Midnight-Sports-Anlässen weniger Platz hätten. «Wir sprechen die Jugendlichen dann darauf an, und bisher hat am Schluss immer die Offenheit und die Neugier auf die Neuen gesiegt», sagt Dallo.

Neue Angebote im Gespräch - auch für hiesige Jugendliche

Die Zunahme der jugendlichen Asylsuchenden führt aber auch dazu, dass vermehrt ältere Teenager die OJA aufsuchen. Da 13- bis 16-Jährige andere Themen beschäftigen als die 17- bis 20-Jährigen, denkt die Jugendarbeit der Stadt Zürich nun darüber nach, ihre Angebote für diese ältere Zielgruppe auszubauen.

Giacomo Dallo sieht darin eine grosse Chance: «Ich freue mich darauf, dass sich die Altersspanne in der Jugendarbeit wieder öffnet.» Heute gebe es zu wenige nichtkommerzielle Freizeitangebote für 17- bis 20-Jährige in der Stadt Zürich. Füllt die OJA diese Lücke etwas, könnten auch hier ansässige Teenager wieder stärker von der Jugendarbeit profitiern, hofft Dallo.

(simd; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 06:32 Uhr)