Winterthur: In der Verwaltung grassiert die Angst vor Jobverlust

Bei der Ombudsstelle Winterthur sind im vergangenen Jahr 190 Beschwerden eingegangen, das sind rund 30 mehr als im Vorjahr. Knapp 40 Prozent der Fälle stammen von Mitarbeitenden der Stadt Winterthur - das sind so viele interne Fälle wie noch nie.

Eine Frau im blauen Hemd und mit Brille Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Setzt sich für die städtischen Mitarbeiter ein: Ombudsfrau Viviane Sobotich zvg

Insgesamt hätten sich 75 Mitarbeitende der Stadt Winterthur bei der Ombudsstelle gemeldet, weil sie Beratung bei einem Problem an ihrer Arbeitsstelle wünschten, schreibt Ombudsfrau Viviane Sobotich in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht 2015.

Konfliktbelastete Arbeit

Sie vermutet, dass die Arbeitnehmer vermehrt Rat suchten, weil sie Angst um ihre Arbeitsstelle hätten. Dass der Grosse Gemeinderat und der Stadtrat begonnen haben, die angekündigten intensiven Sparprogramme umzusetzen, verschärfe die Grundangst um den Verlust des Arbeitsplatzes. «So wird der Eindruck vermittelt, dass es der Stadt Winterthur schlecht gehe», schreibt die Ombudsfrau in ihrem Jahresbericht.

Die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung wollten sich häufig bei Konflikten im Arbeitsverhältnis beraten lassen. Meist seien es Probleme im zwischenmenschlichen Umgang, die zu Stolpersteinen würden, schreibt Sobotich. Dabei sind nicht alle Fragen juristisch komplex. Bei einigen gehe es nur um gegenseitigen Anstand oder menschlich korrekten Umgang. «Zum Beispiel dann, wenn ein Mitarbeiter mit kleinem Pensum nicht ans Weihnachtsessen seiner Abteilung eingeladen wird.» Auch Arbeitszeugnisse oder die jährlichen Mitarbeiterbeurteilungen führen immer wieder zu Konflikten.

Chefs empfinden Ombudsfrau als lästig

Die Ombudsfrau ist der Meinung, dass es dringend nötig wäre, Einsatzplätze für Mitarbeitende mit schwächeren Leistungen zu erhalten oder auszubauen. Eine 60-jährige Pflegedienstmitarbeiterin solle ihren Beruf beispielsweise auch dann noch ausüben können, wenn sie aufgrund ihrer abgenützten Schulter Patienten nicht mehr allein vom Bett hochheben könne. «Sie braucht jedoch eine angepasste Arbeitsstelle.» Sie stelle jedoch bei vielen Vorgesetzten eine sinkende Bereitschaft fest, Hand für adäquate Lösungen zu bieten, schreibt Sobotich. Zudem werde ihr Auftreten als Ombudsfrau oft als lästig empfunden. «Zunehmend stellen Behörden oder Verwaltungseinheiten in Frage, ob sie der Ombudsstelle überhaupt Rechenschaft schulden.»

Stadtpräsident: «Situation wird besser»

Stadtpräsident Michael Künzle sagt auf Anfrage, er kenne das Problem. Er sei aber auch überzeugt, dass sich die Situation in der Stadtverwaltung in diesem Jahr bessere. Die finanzielle Lage sei unterdessen entspannter.