«Wir wussten immer, dass der Standort am See der beste ist»

Statt ein neues, grosses Kongresszentrum mit Hotel zu realiseren, will der Zürcher Stadtrat das alte Kongresshaus am See ausbauen. Damit geht die lange und leidige Geschichte des Zürcher Kongresshauses in eine nächste Runde.

Visualisierung der Terrasse des Kongresshauses mit Blick über den See. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine Terrasse mit Blick über den See: Visualisierung des neuen, alten Kongresshauses. zvg

«Der Stadtrat will dem Kongresshaus zu neuem Glanz verhelfen.» So positiv klingt der Entscheid des Stadtrates in der Medienmitteilung. Mit einem Umbau des Gartensaaltraktes, einem Anbau mit neuen Sälen und einem Restaurant mit grosser Terrasse soll das alte Kongresshaus am See für Kongresse und für die Bevölkerung attraktiver werden.

«  Dieser Entscheid ist ein Befreiungsschlag. »

Corine Mauch
Zürcher Stadtpräsidentin

Denn insgeheim habe man immer gewusst, dass der Standort am See der beste sei, so Mauch.

Der Entscheid des Stadtrates ist aber vor allem eine Kehrtwende. Zehn Jahre lang setzte der Stadtrat auf ein neues Kongresszentrum - zunächst auf das Moneo-Projekt am See, dann auf ein grosses Kongresszentrum mit Hotel auf dem Geroldareal. Doch genau dort, auf dem Geroldareal, konnte sich die Stadt nicht mit dem Grundstückbesitzer einigen. Und am Alternativstandort beim Carparkplatz verhindert der geplante Stadttunnel, dass die Stadt mit dem neuen Kongresszentrum vorwärts machen kann.

Veränderte Ausgangslage

Angesichts dieser Schwierigkeiten hat der Stadtrat nun entschieden, «auf die Planung und Realisierung eines neuen Kongresszentrums zu verzichten.» Allerdings gibt es neben diesen Problemen auch andere Faktoren, welche den Stadtrat zum Umdenken bewogen. Einerseits verändert sich die Kongresslandschaft. «In den letzten Jahren zeichnet sich ein Trend zu kleineren Veranstaltungen ab», schreibt der Stadtrat. Andererseits wird auch die Renovation von Tonhalle und Kongresshaus teurer als gedacht.

140 Millionen Franken werden Sanierung und Umbau kosten. In einem ersten Schritt beantragt der Stadtrat 15,5 Millionen Franken für die Planung. Diesen Betrag muss noch das Stadtzürcher Parlament gutheissen. Das letzte Wort zu den neuen Kongresshaus-Plänen hat dann das Zürcher Stimmvolk.

Zürich Tourismus ist enttäuscht

Ein Umbau statt ein Neubau - für Martin Sturzenegger, Direktor von Zürich Tourismus, ist das eine schlechte Nachricht. «Wir werden bestenfalls das heutige Geschäft in die Zukunft retten können. Für eine Weiterentwicklung bleibt kein Platz», sagt er im «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Schon heute seien die Kongresse nämlich häufig ausgebucht. Und auch grundsätzlich äussert Sturzenegger Kritik. «Die Frage, ob wir eine Kongressstadt mit internationalem Ruf werden sollen, wurde gar nicht diskutiert.» Diese Frage sei auch nach dem Entscheid des Stadtrates nicht vom Tisch. 

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