Stadt Winterthur Wird die Krise bei der Stadtpolizei zur Krise im Stadtrat?

Die Hälfte aller Kadermitglieder der Stadtpolizei Winterthur ist krankgeschrieben. Viele von ihnen leiden aufgrund der hohen Arbeitsbelastung an einem Burn-out. Abhilfe schaffen könnte die Reorganisation der Stadtpolizei. Doch wer sich um dieses Projekt kümmern sollte, ist im Stadtrat umstritten.

Winterthurs Stadtpräsident Michael Künzle und Sicherheitsvorsteherin Barbara Günthard-Maier lachen sich an. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Bild aus harmonischeren Zeiten: Stadtpräsident Michael Künzle und Sicherheitsvorsteherin Barbara Günthard-Maier. Keystone

Die Stadtpolizei Winterthur kämpft auf Stufe Kader derzeit mit einem Engpass. Rund die Hälfte der dreizehn Führungspersonen ist krankgeschrieben und fällt mehrere Wochen oder Monate aus. Auch zu Kündigungen ist es gekommen. Grund: Die Arbeitsbelastung ist aufgrund der Winterthurer Sparmassnahmen stark erhöht.

Uneinigkeit im Stadtrat

Abhilfe schaffen könnte die Reorganisation der Stadtpolizei, analysierte die Winterthurer Sicherheitsvorsteherin Barbara Günthard-Maier jüngst die Situation. Aber der Gesamtstadtrat treibe die Reorganisation nicht vorwärts. Heute konterte Stadtpräsident Michael Künzle in der Zeitung Landbote. Die Reorganisation der Stadtpolizei sei nicht Sache des Gesamtstadtrats, sondern liege in der Verantwortung der zuständigen Stadträtin.

«Ich weiss nicht, wem ich in dieser Angelegenheit glauben soll», sagt der Winterthurer SVP-Präsident Simon Büchi. «Der Stadtrat würde gut daran tun, diese Konflikte intern auszutragen.» Er empfiehlt dem Winterthurer Stadtrat gegen aussen als Einheit aufzutreten. Und dies fällt dem Winterthurer Stadtrat nicht immer einfach - das zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit:

Unternehmenssteuerreform III

  • Stadtpräsident Michael Künzle weibelt für ein Ja zur Vorlage.
  • Finanzvorsteherin Yvonne Beutler setzt sich für ein Nein ein.

Wärmering-Affäre

Reto Diener, Präsident der Grünen, fügt mit der so genannten Wärmering-Affäre um Stadtrat Matthias Gfeller ein weiteres Beispiel an. Stadtpräsident Michael Künzle habe alles andere als souverän gehandelt. «Als Führungsperson im Gremium Stadtrat hätte er sich bedeckt halten und nicht alles sofort nach aussen tragen sollen. Das zeugt meiner Ansicht nach nicht von Führungsstärke», so Diener.