Zürcher 1. Mai-Feierlichkeiten trotzen dem garstigen Wetter

Ein bunter Zug ist am 1. Mai durch ein graues Zürich gezogen. Trotz regnerischen Wetters haben rund 10'000 Personen am offiziellen Umzug zum Tag der Arbeit teilgenommen und danach die Ansprachen auf dem Sechseläutenplatz mitverfolgt. Am Rande und im Vorfeld des Umzugs kam es zu Sachbeschädigungen.

Ein Blick auf den 1.Mai-Umzug in der Stadt Zürich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Wir sind alle Flüchtlinge»: Das offizielle Motto des Zürcher 1.Mai-Komitees für den diesjährigen Tag der Arbeit. Keystone

Der Gewerkschaftsbund des Kantons Zürich (GBKZ) hatte in diesem Jahr unter dem Motto «Gemeinsam kämpfen - Für eine starke AHV» die Menschen auf die Strasse gerufen. Das Zürcher 1. Mai-Komitee wiederum mobilisierte mit dem Slogan «Wir sind alle Flüchtlinge».

Gestartet wurden die Feierlichkeiten am Sonntagvormittag auf dem Helvetiaplatz - im Herzen des ehemaligen Arbeiterquartiers. Nach ersten Reden im Stadtzürcher Kreis 4 schlossen sich dann trotz dem leichten Regen und den tiefen Temperaturen gemäss Angaben der Organisatoren rund 10'000 Menschen dem Umzug durch die Zürcher Innenstadt an.

Gerne ein Gutmensch

Die Winterthurer SP-Nationalrätin Mattea Meyer betonte in ihrer Rede bei der Schlusskundgebung auf dem Sechseläutenplatz, dass sie sich gern als «Gutmensch» bezeichnen lasse: «Ich trage diese Beleidigung mit Stolz.»

Denn Gutmensch bedeute ja nichts anderes, als dafür einzustehen, «dass die Bedürfnisse der Menschen mehr zählen als der Profit und dass die Freiheit der Menschen über der Freiheit des Geldes steht».

Feleknas Uca, die ehemalige Europaabgeordnete der deutschen Partei «die Linke» und heutige kurdische HDP-Abgeordnete im türkischen Parlament kritisierte insbesondere die Flüchtlingspolitik der EU und der Türkei. Die Türkei sei kein sicheres Rückführungsland für Flüchtlinge, sagte Uca und verwies auf die Kurdenpolitik ihres Heimatlandes. Sie forderte, dass «die Fluchtursachen bekämpft werden müssen, nicht die Flüchtlinge».

«Stopp der Sparschweinerei»

Die Stimmung am diesjährigen Umzug zum Tag der Arbeit war trotz des garstigen Wetters gut. Auf farbigen Plakaten und mit bunten Ballons machten die Teilnehmer, unter denen sich wiederum viele Eltern mit Kindern befanden, auf ihre unterschiedlichen Anliegen aufmerksam.

Die jungen Grünen demonstrierten unter anderem mit dem Slogan «sauer auf die Mauer» gegen sich vor den Flüchtlingen verschliessenden Grenzen. Die Gewerkschaft VPOD schritt unter anderem hinter einem Banner «Stopp der Sparschweinerei» durch Zürich.

Harmlose Demo der Jungfreisinnigen

Nicht nur linke Kreise zog es am 1. Mai auf die Strasse, auch die Zürcher Jungfreisinnigen demonstrierten. Beim Bahnhof Enge setzten sie sich an einer erstmals bewilligten Kundgebung für eine gesunde AHV, mehr Freiheit und weniger Staat ein.

Das Interesse war jedoch bescheiden: Knapp 20 Personen nahmen an der jungfreisinnigen Demo teil und sangen Sprechchöre wie «Wer nöd gumped, isch en Sozi.»