Zürcher Kantonsrat will Liebesheiraten statt Zweckehen

Die Zürcher Kantonsparlamentarier wollten am Montag nichts wissen von einem kantonalen Konzept für Gemeindefusionen. Ein derartiges Konzept hatten die Grünliberalen verlangt, um Druck auf die Gemeinden auszuüben. Die Mehrheit des Kantonsrats schwor hingegen auf die Freiwilligkeit.

Ein weisses Hochzeits-Kärtchen, darauf steht "ja" Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ja, ich will. Das müssen auch Gemeinden sagen, die fusionieren wollen, finden die Kantonsparlamentarier. Keystone

Gemeindefusionen sind im Kanton Zürich «in»: Bauma und Sternenberg haben es getan, Kyburg und Illnau-Effretikon. Am linken Zürichseeufer, in der Region Winterthur, ja sogar in der Agglomeration Zürich wird laut darüber nachgedacht.

Im Rathaus waren sich denn auch fast alle einig: Gemeindefusionen haben viele Vorteile. Weniger Administration, professionellere Verwaltungen, mehr Personal für die politischen Ämter. Und wegen der vielen Vorteile dürfe der Kanton durchaus noch etwas mehr Druck ausüben, fanden die Grünliberalen.

Freiwillige Ehen halten länger

«Viele Gemeindevertreter wehren sich, meist aus emotionalen oder gar egoistischen Gründen, bis sie nicht mehr anders können», sagte Andreas Hauri (GLP). Er verlangte deshalb, dass der Regierungsrat ein Fusionskonzept ausarbeitet.

Viel Unterstützung erhielt die GLP für ihren Vorschlag jedoch nicht. Fusionen mit Druck von oben funktionierten nicht, meinte etwa Jörg Kündig (FDP), oberster Gemeindepräsident des Kantons. Und auch Robert Brunner (Grüne) betonte, dass die Heiratspartner zueinander passen müssten, besonders finanziell: «Man kann der Braut schon die Zähne flicken. Das Problem ist der Rucksack, den sie mitbringt. Die Braut darf dem Bräutigam nicht zur Last fallen.»

Die Regierung müsse deshalb mit Hilfe des Finanzausgleichs für bessere Bedingungen sorgen, fanden die Grünen. Davon wiederum will aber die Regierung nichts wissen. Am Schluss konnte die GLP nur die BDP und Teile der SP für ihr Fusionskonzept gewinnen. Der Rat sprach sich mit 108 zu 58 Stimmen gegen den GLP-Vorstoss aus.