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Zürcher Polizei rüstete auf Wie der Globuskrawall die Polizeitaktik verändert hat

Die Ausschreitungen rund ums Globus-Provisorium erwischten die Polizei auf dem falschen Fuss. Dann rüstete sie auf.

Es war ein Geburtstag der ungemütlicheren Art. Statt sich im Kreise der Familie feiern zu lassen, stand Erwin Zürcher an seinem Geburtstag am 29. Juli 1968 im Einsatz als Stadtpolizist. Es war die Nacht, in der die Jugendunruhen in Zürich ausbrachen. «Es herrschten kriegsähnliche Zustände. Steine, Flaschen und andere Gegenstände kamen auf uns zugeflogen.»

Gewalttätige Ausschreitungen kannte man bis anhin nur aus dem Ausland. Die Beamten waren auf eine Strassenschlacht nicht vorbereitet – und auch nicht dafür ausgerüstet. Die Uniform bestand gerademal aus Hemd, Hose und Hut.

Eine Polizeipuppe mit einer Uniform aus dem Jahr 1964 mit Hut.
Legende: SRF

Ganz wehrlos seien die Polizisten dann aber doch nicht gewesen, erzählt der heute pensionierte Erwin Zürcher bei einem Rundgang durch das Museum der Zürcher Stadtpolizei: «Wenn wir eine Person erwischt haben, die einen Stein oder eine Flasche geworfen hat, kam unser Gummiknüppel zum Einsatz.» Aber Schutzbekleidung gab es vor fünfzig Jahren nicht.

Das sollte sich nach dieser Nacht rasch ändern. Denn die 68er-Unruhen haben nicht nur die Gesellschaft umgewälzt, sondern auch die Polizei-Ausrüstung modernisiert. «Die Globuskrawalle waren der Auslöser für eine bessere Schutzkleidung für Polizisten.»

Bald waren die Einsatzkräfte mit Helmen ausgestattet und trugen Schulterpolster. Dazu kamen auch noch Schutzschilder – samt eingebauter Kamera. «Damit wehrten wir Steine ab und fotografierten gleichzeitig die Personen, welche die Gegenstände auf uns geworfen haben», erklärt Erwin Zürcher.

Ein Mann mit weissen Haaren hält ein geflochtenes Schild in der Hand.
Legende: SRF

Vom Nahkampf zum Gummischrot

Mit der neuen Ausrüstung hat sich auch die Einsatztaktik nach der Strassenschlacht rund ums Globus-Provisorium grundlegend geändert.

Früher kam es zum direkten Aufeinanderprall, zum Nahkampf mit Gummiknüppel und Fäusten. Das Umdenken und die neuen Geräte wie Wasserwerfer, Tränengas- und Gummischrot-Gewehre haben dazu geführt, dass eine Distanz aufgebaut wird zwischen den Einsatzkräften und der Gegenseite.

Das Gummischrot würde kein Polizist mehr hergeben, ist Erwin Schmid überzeugt: «Es gibt zwar blaue Flecken, aber insgesamt kommt es zu weniger verletzten Personen – auf beiden Seiten.»

Zwei Polizeipuppen mit ältlich wirkenden, blauen Unifromen sind ausgestellt in einem Museum.
Legende: SRF

In Sachen Schutzkleidung und Polizeitaktik seien die Beamten in der Stadt Zürich Vorreiter gewesen, so Zürcher. Nach und nach seien die Korps in anderen Städten und Kantonen dann nachgezogen, sagt Erwin Zürcher rückblickend im Video.

Legende: Video Im Stadtzürcher Polizei-Museum abspielen. Laufzeit 1:43 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.07.2018.

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