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Zürcher Testanlage in Davos Mehr Winterstrom dank Sonne und Schnee

Auf 2500 Meter über Meer testen EKZ und ZHAW, wie sich auch im Winter Solarstrom produzieren lässt.

Gestell mit sechs schräg gestellten Solarpanels auf Geröll und Schnee
Legende: Sonnenstrahlen von vorn, Schneereflexionen von hinten: Die Panels auf der Totalp sind doppelseitig. ZVG EKZ

Sie stehen auf der Totalp im Parsenn-Gebiet oberhalb von Davos: sechs grosse Solarpanels, alle mit verschiedenen Anstellwinkeln. Seit einem Jahr testen die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich und die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften hier die Produktion von Winterstrom.

Energetisches «Winterloch»

Im Winter ist der Stromverbrauch logischerweise höher als im Sommer. Die Schweiz muss den Strom im Winter deshalb teilweise importieren. Die Testanlage auf der Totalp soll zeigen, ob die Schweiz trotz der kürzeren Tage nicht auch im Winter «hausgemachten» Strom produzieren könnte.

Und die ersten Zwischenresultate zeigen: Ja, es geht. Gemäss EKZ und ZHAW haben die sechs Panels auf 2500 Meter ü.M. zwischen Oktober 2017 und Mai 2018 mehr Strom geliefert als eine durchschnittliche Solaranlage im Mittelland während eines ganzen Jahres.

Der Schnee reflektiert die Sonnenstrahlen und erzeugt dadurch mehr Ertrag.
Autor: Danilo GrunauerIngenieur für erneuerbare Energie EKZ

Der Grund: Während im Winter über dem Mittelland oft Nebel liegt, ist die Sonneneinstrahlung in den Bergen sehr hoch. Auch liefern Solarpanels bei tiefen Temperaturen, wie sie in den Bergen herrschen, mehr Strom. Zudem hilft der Schnee: Er reflektiert die Sonnenstrahlen, wirft sie auf die beidseitig aktiven Panels. Dadurch erzeugen sie einen höheren Stromertrag.

EKZ und ZHAW wollen die Anlage weitere vier Saisons lang testen. Doch selbst wenn sie so gut funktionieren, wie es die ersten Resultate zeigen: Das Problem sind die Kosten. Nicht nur ist der Bau solcher Anlagen im einsamen Berggebiet aufwändig, es wird auch teuer sein, den Strom mit eigens zu erstellenden Leitungen ins Unterland zu transportieren.

Solarpanels im Skigebiet

EKZ-Energieingenieur Danilo Grunauer sieht allerdings eine Möglichkeit: «In einem Skigebiet mit Liften und Schneekanonen, wo bereits eine Strom-Infrastruktur besteht, kann es durchaus Varianten geben, um eine solche Solaranlage wirtschaftlich zu betreiben.» Ob und wann solche Winterstrom-Anlagen tatsächlich realisiert werden könnten, weiss man beim EKZ heute noch nicht.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Schmid (andy)
    Diese Idee ging mir schon vor bald 40 Jahren durch den Kopf, als ich an einem ersten Mai auf den Skipisten am Piz Corvatsch inne hielt und das Panorama bewunderte. Tage später weihte ich meinen Chef zufällig (beide völlig branchenfremd) in meine Erkenntnis ein. Er meinte: Oh, ja, da tut die CH sehr viel - 38 Jahre und nichts ist geschehen.
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  • Kommentar von N Zehner (ZeN)
    KEV-Einspeisevergütungen für Solar- und Windstrom sind völlig entkoppelt von Bedarf, unabhängig von Wert wird sowohl tageszeitlich wie auch saisonal Sommer wie Winter gleichviel ausbezahlt. Darum werden Solarpanel so aufgestellt, dass sie in Summe übers Jahr maximale Menge liefern. Würde man sie in steilerem Winkel montieren, hätte man im Winter wesentlich höheren Stromertrag, im Sommer allerdings tieferen, übers Jahr halt auch tieferen. Wäre weit ökologischer, aber das kümmert hier niemanden.
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