Zürich erweist dem Universalgelehrten Conrad Gessner die Ehre

Er war Sprachwissenschaftler, Zoologe, Botaniker und Zürcher Stadtarzt. Zum 500. Geburtstag des Universalgelehrten Conrad Gessner kann sein Leben und Wirken in mehreren Ausstellungen wieder entdeckt werden.

Bildnis aus dem Jahr 1564 von Conrad Gessner aus der Sammlung der Zentralbibliothek Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Porträt von Conrad Gessner nach dem Bildnis Tobias Stimmers, Grosshans Thomann Zeichner, Ludwig Fryg Formschneider, 1564 ZVG Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung

Das, was Leonardo Da Vinci für Italien war, war Conrad Gessner für Zürich. 1516, also vor 500 Jahren geboren, gehörte Gessner zu den bedeutendsten Gelehrten Europas. Er beherrschte Latein, Griechisch und Hebräisch und korrespondierte mit wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit. Als Zürcher Stadtarzt behandelte er den an Pest erkrankten Reformator Heinrich Bullinger, bevor er selbst 1565 der Krankheit erlag.

Von Einhörnern und anderen Wesen

Das wichtigste Werk Conrad Gessners ist ein Tierlexikon mit mehr als 1000 Tieren, die «Historia animalium». Das Nachschlagewerk entwickelte sich zu einer Enzyklopädie, in der er die Tiere in Text und mit naturgetreuen Abbildungen porträtiert hat. Dieses Werk steht im Mittelpunkt der Gessner-Ausstellung im Zoologischen Museum der Universität Zürich. Da gibt es etwa zu entdecken, dass der Universalgelehrte noch an die Existenz des Einhorns glaubte.

Lukas Keller, Direktor des Zoologischen Museums, streicht die Bedeutung des Werks hervor: «Es entstand in der Frühzeit der modernen Wissenschaften und war eine unglaubliche Leistung.»

Gessners 49 Lebensjahre im Landesmuseum

Das Landesmuseum blickt in einer Sonderausstellung vor allem auf das vielseitige Wirken Gessners zurück. Die Besucherinnen und Besucher erfahren zum Beispiel etwas über seine Persönlichkeit, seine Tätigkeit als Lehrer an der Hohen Schule Zürich oder sein Interesse am neu entdeckten Kontinent Amerika. So wuchsen in Gessners Garten beim Wohnhaus an der Frankengasse 6 Tomaten und er war der erste Schweizer, der zwei Meerschweinchen hielt.

Kuratorin Mylène Ruoss staunt selbst, was Conrad Gessner in seinen 49 Lebensjahren alles bewerkstelligte: «Er muss eine unglaubliche Schaffenskraft gehabt haben.» Den einzigen Luxus, den er sich geleistet habe, habe aus einem riesigen Raum bestanden, den er sich als Arbeitsplatz eingerichtet habe.

(sda/simd; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 12:03 Uhr)