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Zürich umstrittenstes Gebäude Das hässliche Entlein soll zum schönen Schwan werden

Sinnbild der 68er-Krawalle, gilt als architektonischer Schandfleck. Nun soll es doch weiterleben. Das Globusprovisorium.

Es wurde als Provisorium für sieben Jahre gebaut und steht nun seit bald 60 Jahren mitten in Zürich, vis-à-vis vom Hauptbahnhof: Das «Globus-Provisorium». Und es steht für einen Teil der jüngeren Geschichte der Stadt Zürich. Um das Gebäude herum brachen am 29. Juni 1968 die 68er-Krawalle aus, die in Zürich deshalb auch «Globus-Krawall» hiessen. Und im Keller des Gebäudes sperrte die Polizei vorübergehend Demonstranten ein. Teilweise wurden sie dabei von den Polizisten auch verprügelt.

Provisorium für eine halbe Ewigkeit

Auch nach den Krawallen stand das Gebäude aber immer wieder im Mittelpunkt der Zürcher Lokalpolitik. Es erwies sich als langlebiger als gedacht. Das Provisorium wurde zum ungeliebten Providurium. Von links bis rechts herrschte mindestens in dieser Frage Einigkeit. Das Gebäude wurde zum architektonischen Schandfleck erklärt, zur unattraktiven Visitenkarte an prominentester Lage.

Das umstrittenste Gebäude der Stadt Zürich. Das Globus-Provisorium beim Bahnhof.
Legende: Das umstrittenste Gebäude der Stadt Zürich. Das Globus-Provisorium beim Bahnhof. ZVG/Walter Mair

Inzwischen gibt es konkrete Pläne des Stadtrats, das Gebäude abzureissen und an seiner Stelle einen Park zu schaffen.

Doch nun werden plötzlich seine schönen Seiten entdeckt, nicht zuletzt von Architekten. «Es ist nicht sinnvoll, dieses Haus ohne Not abzureissen», sagt Daniel Bosshard, Architekt in Zürich und Leiter des Zürcher Ablegers des Bundes Schweizer Architekten. Das Haus sehe zwar aus wie ein hässliches Entlein, habe aber das Potential, zu einem schönen Schwan zu werden.

Das Gebäude steht für die Utopie, als aus dem alten Zürich ein neues Zürich entstand.
Autor: Daniel BosshardArchitekt

Dafür benötige es jedoch eine «Transformation». Das Haus müsse erneuert werden. Statt dem Coop schwebt Bosshard eine grosse, leere Halle vor. Auf dem Dach wünscht er sich eine grosse Terrasse, die den Blick auf die Stadt freigebe.

Aber auch wegen seiner Geschichte während den 68er-Krawalle müsse das Haus erhalten werden. «Es steht für die Utopie, als aus dem alten Zürich das neue Zürich entstand.».

Um das umstrittene Gebäude vor dem Abbruch zu schützen, will Bosshard seine Ideen nun bald auch im Gemeinderat einbringen, der demnächst über die Pläne des Stadtrats entscheiden muss.

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