Braucht Graubünden eine zweite Gotthardröhre?

Weniger Verkehr, weniger Lärm, mehr Sicherheit – das wünschen sich viele Menschen entlang der A13 in Graubünden. Doch welcher Weg führt zum Ziel: Eine zweite Röhre am Gotthard, ab mit den Gütern auf die Schiene oder beides?

Die Überraschung gleich zu Beginn des Streitgesprächs: Am San Bernardino gebe es künftig mehr Verkehr, ob mit oder ohne zweite Gotthard-Röhre. Dies sagt nicht nur Gegner Jon Pult, sondern auch Befürworter Martin Candinas: «Der Verkehr nimmt zu, mit einer zweiten Gotthardröhre aber weniger stark». Der Mehrverkehr hänge mit der zunehmenden Mobilität zusammen.

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Pro und Contra

  • Der Befürworter: Martin Candinas ist Bündner CVP-Nationalrat und Mitglied des nationalen Parteipräsidiums (rechts auf dem Bild).
  • Der Gegner: Jon Pult ist Präsident der Alpen-Initiative, Bündner SP-Präsident und Grossrat (links auf dem Bild).

«Viel mehr Verkehr gibt es, wenn man den Gotthard verdoppelt», sagt hingegen Jon Pult. Der Präsident der Alpen-Initiative warnt davor eine zweite Röhre zu bauen, weil damit früher oder später mehr Verkehr durch die Schweiz rollen würde – sei es, weil die Transitstrecke attraktiver sei oder alle vier Spuren gebraucht würden.

Dem widerspricht der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas. Im Gesetz sei festgeschrieben, dass pro Tunnelröhre nur eine Spur gebraucht werden dürfe. Wenn dieses Gesetz geändert werden soll, sei ein Referendum und damit eine Abstimmung möglich.

Sanierungszeit: Mehr Verkehr an der A13

Würde der Gotthard-Tunnel saniert, so rechnet das Bundesamt für Strassen mit insgesamt 980 Tagen Vollsperrung. In dieser Zeit würde ein Teil des Verkehrs auf die Schiene verladen, und etwa 10% – so die Prognose – über die A13 ausweichen. Kann man an der Bevölkerung an der San-Bernardino-Route diesen Mehrverkehr zumuten?

SP-Politiker Jon Pult äussert Zweifel an den Zahlen des Bundes. Er rechnet mit wenig zusätzlichem Verkehr. Dies sei nicht schön für die Menschen an der A13, die Sanierungslösung jedoch über eine längere Frist gesehen die Bessere. CVP-Politiker Martin Candinas rechnet während der Sanierungsphase mit massiv mehr Verkehr, was schlecht für den Tourismuskanton sei. Einig sind sich die beiden jedoch im Punkt, dass es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig sei, genaue Prognosen punkto Auswirkungen zu machen.

SRF 1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr