SP greift in Freiburg Regierungssitz der CVP an

Im Kanton Freiburg kommt es am Sonntag zu einer Ersatzwahl in den Staatsrat. Drei Kandidaten sind ins Rennen gestiegen. Wenn die SP die Wahl gewinnt, kommt es zu einer rot-grünen Mehrheit.

Kandidaten für die Staatsratswahlen in Freiburg

Das Freiburger Stimmvolk entscheidet am Sonntag über die Nachfolge von CVP-Staatsrätin Isabelle Chassot. Die SP versucht mit ihrem Kandidaten, erstmals in der Geschichte des Kantons die bürgerliche Mehrheit in der Regierung zu knacken.

Falls die SP Erfolg haben sollte, käme es damit im Kanton Freiburg zur gleichen Situation wie in den Nachbarkantonen Bern, Waadt und Neuenburg, wo eine rot-grün dominierte Regierung einem bürgerlich dominierten Parlament gegenübersteht. Das Blockdenken im freiburgischen Kantonsparlament ist allerdings nicht sehr ausgeprägt.

Duell zwischen SP und CVP

Heute setzt sich die Freiburger Kantonsregierung – der Staatsrat – aus drei CVP-Vertretern, zwei SP-Vertretern, einem FDP-Mitglied und einer Grünen zusammen. Die Ersatzwahl ist nötig, weil der Freiburger Bundesrat Alain Berset per 1. November Isabelle Chassot zur neuen Direktorin des Bundesamts für Kultur ernannt hat.

Drei Personen treten an: Jean-Pierre Siggen (CVP), Jean-François Steiert (SP) und der Unabhängige Alfons Gratwohl (UBB). Letzterer ist im Duell der beiden Favoriten nur Aussenseiter, könnte aber einen zweiten Wahlgang erzwingen.

SP tritt mit Schwergewicht an

CVP, FDP und SVP steigen mit einer gemeinsamen Kandidatur in die Wahlen und sollten eigentlich gemäss ihren Wähleranteilen die bürgerliche Mehrheit in der Regierung halten können. Doch kommt es in einer Majorzwahl bekanntlich stark auf die Persönlichkeit der Kandidierenden an.

Diesbezüglich steht die SP gut da: Ihr Kandidat Jean-François Steiert ist in der Freiburger Politlandschaft ein Schwergewicht. Der seit 2007 im Nationalrat sitzende 52-Jährige wurde 2011 mit einem sehr guten Resultat in diesem Amt bestätigt.

Wie sein Kontrahent von der CVP versuchte Steiert schon bei den Wahlen 2006, in den Staatsrat zu kommen – damals ohne Erfolg. Für die jetzige Ersatzwahl gab es für ihn parteiintern keine Konkurrenz.

Späte Einigung der Bürgerlichen

CVP-Kandidat Jean-Pierre Siggen steht in Wirtschaftskreisen hoch im Kurs. Der Fraktionschef der Christlichdemokraten im freiburgischen Grossen Rat ist Direktor des Freiburgischen Arbeitgeberverbandes und stellvertretender Generalsekretär des Verbands der Westschweizer Unternehmen (Fédération des entreprises romandes).

Die bürgerliche Allianz CVP-FDP-SVP, die Siggen unterstützt, kam nach etlichen Schwierigkeiten zustande. Es ist gut möglich, dass die Wähler dieser drei Parteien das Hin und Her der CVP nicht geschätzt haben. Sie strebte zuerst die Allianz an, zog sich dann zurück und beschloss sie schliesslich doch noch – nicht ohne vorher eine Zusammenarbeit mit SVP und FDP für die Wahlen 2015 auszuschliessen.

Innerhalb der CVP schätzen nicht alle Mitglieder das Zusammengehen mit der SVP und könnten SP-Mann Steiert ihre Stimme geben. Anderseits könnten parteilose Wähler versucht sein, mit Blick auf eine drohende Blockade zwischen Regierung und Grossem Rat nicht den SP-Kandidaten zu wählen.

Die Grünen unterstützen Steiert. Die Grünliberalen haben sich für keinen Kandidaten ausgesprochen. Die BDP empfiehlt Siggen zur Wahl, nachdem sie gezögert hat, einen eigenen Kandidaten aufzustellen.