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Antisemitischer Messerangriff Jude niedergestochen – angeklagter Jugendlicher schweigt zur Tat

  • Ein 17-Jähriger steht in Zürich wegen eines antisemitisch motivierten Messerangriffs vor Gericht.
  • Er soll im März 2024 einen orthodoxen Juden mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben.
  • Die Jugendanwaltschaft Unterland fordert ein Jahr Freiheitsentzug wegen mehrfachen Mordversuchs.
  • Heute verweigerte er die Aussage vor Gericht.

Der Richter ging heute Morgen im Gericht bei der Befragung des Beschuldigten Schritt für Schritt durch: Wie es dazu kam, dass sich der Jugendliche als Kämpfer für den sogenannten Islamischen Staat verstand. Wie er sich auf die Tat vorbereitet hatte, und was er heute empfindet, wenn er an das Opfer denkt. Auf alle Fragen antwortete der heute 17-Jährige mit: «Keine Aussage».

Aber der Richter zitierte mehrfach Aussagen des Täters aus den Akten, die sich auf frühere Befragungen beziehen. So habe der Jugendliche etwa geplant, dass er nach der Tat von der Polizei getötet werde. Er habe als Attentäter sterben wollen, um ins Paradies zu gelangen.

Handy zeichnete Angriff auf

Zudem verlas der Richter Auszüge aus einer Audioaufnahme der Tat: Das Handy des Jugendlichen lief während des Angriffs permanent in seiner Jackentasche mit. Dadurch ist dokumentiert, dass er selbst nach seiner Festnahme durch die Polizei Angehörige des Opfers bedrohte und IS-Parolen rief.

«Der Fall ist der Tiefpunkt einer breiteren Entwicklung»

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Die Einschätzung von Daniel Glaus, Fachredaktor Extremismus SRF:

«Eine Frage des Gerichtspräsidenten brachte neue Erkenntnisse. Während der Tat habe der Jugendliche gesagt: ‹Ich habe Rache genommen für meine Glaubensbrüder in Gaza, die zu Unrecht getötet werden.›

Zusammen mit der erklärten Absicht, möglichst viele Juden töten zu wollen – wozu er sich ebenfalls nicht äusserte –, ergibt das ein terroristisches Motiv, wie es bei vielen Attentaten weltweit zunehmend zu beobachten war in den letzten zweieinhalb Jahren:

Unter dem Vorwand, angeblich für den Krieg in Gaza mitverantwortlich zu sein, werden Jüdinnen und Juden zum Ziel erklärt. Darauf zielt die Propaganda eines IS ab – und sie kommt offensichtlich an. Nicht nur hier.

Denn der vorgeworfene mehrfach versuchte Mord war zwar die schwerste antisemitische Gewalttat in dieser Zeit in der Schweiz, doch gab es gleichzeitig einen explosionsartigen Anstieg von Beleidigungen, Drohungen und Tätlichkeiten.

Insofern ist der Fall der tragische Tiefpunkt einer breiteren Entwicklung.»

Gemäss Anklageschrift habe sich der Jugendliche im Internet radikalisiert. Er habe mit der Absicht gehandelt, «sich an den Juden für ihre angeblichen Gräueltaten gegen Muslime auf der ganzen Welt zu rächen» und Menschen jüdischen Glaubens eigenhändig zu töten.

Der Jugendliche wurde im Jahr 2011 eingebürgert. Der Anschlag löste in der Politik bestürzte Reaktionen aus. Jüdische Organisationen warnten vor einer «beängstigenden neuen Eskalationsstufe», und islamische Organisationen in der Schweiz verurteilten den Angriff scharf.

Ein ausgearbeiteter Plan

Nach Angaben der Jugendanwaltschaft hatte der Jugendliche die Tat mehrere Wochen lang vorbereitet. In der Nacht vor der Tat kündigte er seinen Plan in einem sozialen Netzwerk an. Vor der Tat veröffentlichte er ein vierminütiges Video, in dem er sich als «Soldat des Kalifats» vorstellte und zu Gewalt gegen Juden und Christen aufrief.

Eingang eines modernen Gebäudes mit grossen Fenstern und Schriftzug.
Legende: Der Prozess im Bezirksgericht Dielsdorf startet heute. Da der Täter minderjährig ist, steht er vor dem Jugendgericht. Keystone/Michael Buholzer

Am Abend der Tat, gegen 21 Uhr, begab sich der Angeklagte in die Nähe einer Synagoge in Zürich. Dort startete er einen Livestream im Internet, «damit die Welt die Ereignisse online verfolgen kann», heisst es in der Anklageschrift.

Zunächst versuchte er, in die Gebetsstätte einzudringen, doch die Tür war verschlossen. Der Angeklagte beschloss daraufhin, «irgendjemanden zu finden». Er soll sein Opfer, einen als orthodoxen Juden erkennbaren Mann, ausgemacht und ihn von hinten angegriffen haben. Passanten gelang es, ihn bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

Freiheitsstrafe von einem Jahr gefordert

Die Jugendanwaltschaft wirft dem Jugendlichen mehrfachen Mordversuch, Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, Diskriminierung und Aufstachelung zum Hass sowie den Besitz und die Verbreitung von Gewaltdarstellungen vor.

Sie hat eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und die Anordnung mehrerer Schutzmassnahmen, darunter individuelle Betreuung, eine ambulante Behandlung und eine Unterbringung in einer Einrichtung, beantragt.

Transparenz-Hinweis

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In einer früheren Fassung dieses Artikels haben wir geschrieben, dass die Jugendstaatsanwaltschaft die Anklage eingereicht habe. Die Anklage wurde jedoch von der Jugendanwaltschaft Unterland eingereicht. Die Staatsanwaltschaft würde die Anklage erst im Falle eines Revisionsverfahrens in der nächsten Instanz vertreten und ist derzeit nicht am Verfahren beteiligt. Der Fehler wurde korrigiert.

Rendez-vous, 1.7.2026, 13:30 Uhr ; 

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