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Warten auf die OP – Wie ungleich Corona die Spitäler bremst
Aus Puls vom 15.02.2021.
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Knappe Intensivbetten Warten auf die Operation: Wie ungleich Corona die Spitäler bremst

Kein Platz auf der Intensivstation. Wegen der Pandemie wurden schweizweit bereits 20'000 Operationen verschoben, die einen Intensivplatz benötigen. Insbesondere in öffentlichen Spitälern ist die Wartezeit lang.

So gross wie ein Tischtennisball war der Tumor in ihrem Kopf. Für Michèle Bühlmann wäre am 19. Januar endlich das Ende in Sicht gewesen – doch am Tag der Operation hiess es: Sie müssen wieder nach Hause. «Ich hätte 24 Stunden eine Intensivstation besetzt. Aber wegen Corona waren die Intensivstationen voll.» Für Michèle Bühlmann eine Katastrophe.

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Michèle Bühlmann: «Ich bin extrem müde geworden, aber schlafe trotzdem nicht, weil es mich belastet.»
Aus Puls vom 15.02.2021.
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Wegen des Tumors sah sie manchmal Doppelbilder, konnte keine Bücher mehr lesen. Hinzu kam die Sorge um die verschobene Operation: «Ich schlafe nicht wegen der Belastung. Auch wegen der Belastung durch die verschobene OP.»

Auch im betroffenen Spital, im Zürcher Hirslanden, ist man alles andere als glücklich über die Verschiebungen. «Wir würden es auch lieber anders machen. Aber wir sind ein Covid A-Spital. Das heisst, wir haben Aufnahmepflicht», sagt Reto Stocker, Intensivmediziner am Hirslanden. Wegen Covidpatienten und anderen Notfällen sei die Operation von Michèle Bühlmann einfach nicht möglich gewesen.

Wie Michèle Bühlmann geht es vielen. 20'000 Operationen wurden bis jetzt in der Schweiz verschoben, weil die Intensivstationen mit Covidfällen ausgelastet waren. Insbesondere im November und Dezember waren die meisten Intensivbetten wegen Covid-Patienten belegt.

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Auslastung der Intensivstationen
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Thomas Van Boeckel hat die Lage für die Science Task Force des Bundes analysiert. Der Rückstau ist dabei bei den öffentlichen Spitälern um einiges grösser als in privaten: «Wenn ich morgen ein Bett auf der Intensivstation bräuchte, müsste ich in einem öffentlichen Spital etwa 32 Tage warten. Im Privatspitälern gibt es jedoch einen Rückstau von nur 19 Tagen.»

Warum Patientinnen und Patienten im öffentlichen Spital zwei Wochen länger warten müssen, als in Privatspitälern, ist nicht klar belegt. Beide behandeln etwa gleich viele Covidpatienten. Es könnte aber sein, dass die öffentlichen Spitäler mehr Notfälle – auch schwierigere Fälle – aufnehmen, welche die Intensivstationen stärker belasten.

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«Es gibt einen grösseren Rückstau in öffentlichen Spitälern.»
Aus Tagesschau vom 15.02.2021.
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Eine mögliche Massnahme: die Verzögerung zwischen den Krankenhäusern umzuverteilen. Das sei insbesondere im Hinblick auf die sich schneller verbreitende britische Mutation wichtig: «Um so schnell wie möglich für eine dritte Welle bereit zu sein», sagt Thomas Van Boeckel.

Das Aufschieben von Operationen während der Pandemie hat für manche Patienten Folgen. Laut Reto Stocker vom Hirslanden Spital gibt es zwar noch keine klaren Daten. Aber bei einigen verschlimmern sich die Beschwerden während der Wartezeit, sie werden zum Notfall – oder noch schlimmer: «Bei vier Patienten haben wir den Eindruck, dass wir ihnen hätten helfen können. Sie sind aber während der Warteperiode verstorben.»

Michèle Bühlmann wurde mittlerweile operiert – drei Wochen nach ihrem ursprünglichen Termin.

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Studiogespräch mit Spitaldirektor Rolf Zehnder über aufgeschobene OPs, den Nutzen von Zusatzversicherungen und Lehren für die mögliche dritte Welle.
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Puls, 15.02.2021, 21:05 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Wie viel Einfluss auf die Übersterblichkeit 2020, haben die verschobenen Operationen bei Menschen von unter 70 Jahren.
    Dass sind Verstorbene die event. Noch 10-20 Jahre gelebt haben und nicht nur 1-2 wie bei der mehrzahl der Coronapatienten.
    Die Prioritäten werden klaar gesetzt, man geht über Leichen auch jüngere.
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Kurz vor Weihnachten bin ich der Pflegeleitung einer Intensivstation begegnet, die ich von früher kenne, und unterhielt mich kurz mit ihr über die wie sie sagte ,proppenvolle' Situation. Im Kanton Zürich seien noch bei Weitem nicht so viele Wahleingriffe verschoben worden, wie in der Öffentlichkeit vermittelt werde. Im Frühling habe das beim Personal zu einer grossen Entlastung geführt, die jetzt entfallen sei. Die Vorbereitung auf den Winter habe man ,verschlafen'. Das macht doch keinen Sinn?
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Aus der SRF-Berichterstattung hatte ich den Eindruck, Berset habe noch auf dem Höhepunkt der Knappheit in der Romandie den Kanton Zürich ermahnt, jetzt endlich Elektive zu verschieben. Die nächste Nachricht, kaum zwei Wochen später, war, es hätten dringende Krebsoperationen verschoben werden müssen. Ich glaube weder an Inkompetenz, noch dass so was gezielt in Kauf genommen wird, etwa um einen Grund für Massnahmen zur Unterdrückung der Virusverbreitung zu haben, noch, dass so krass gelogen wird.
  • Kommentar von Halbeisen Charles  (chh)
    Statt ein Bett 3 Wochen mit einem Covid Patienten zu besetzen, sollte man besser 20 Krebskranken eine Operation ermöglichen. Diese Priorität der Corona Patienten lässt sich nicht rechtfertigen.