Der Tierpark Bern, auch bekannt als Dählhölzli, will sich neu erfinden. 2023 kommunizierte er, dass dazu unter anderem die Schliessung des kostenlosen Kinderzoos gehört, in dem Kinder Tiere hautnah erleben können. Die Tierhaltung im Kinderzoo sei nicht mehr zeitgemäss. Die Schliessung des Kinderzoos gab nicht nur zu reden. Die Stadtberner SVP lancierte auch eine Volksinitiative für den Erhalt.
Letztes Jahr gab der Tierpark Bern bekannt, dass der Kinderzoo zwar verschwinden solle. Dass aber ab 2030 ein neuer Familienzoo geplant sei. Dieser soll Begegnungen zwischen Mensch und Tier weiterhin möglich machen, unter tiergerechteren Bedingungen. Die SVP zog ihre Initiative zurück.
Erster Schritt: eine Aufzonung
Familienzoo statt Kinderzoo ist nur eine der Änderungen, mit denen sich der Tierpark Bern weiterentwickeln will. Ob es dazu kommt, darüber stimmt die Stadtberner Bevölkerung am 14. Juni ab. Die Berner Stadtplanerin Jeannette Beck kennt die Vorlage im Detail: «Der Tierpark Bern hat auf der Aare-Ebene einen Bereich des heutigen Kinderzoos, wo ältere Ökonomiegebäude stehen. Und der Tierpark hat einen dringenden Bedarf, dort neue Gebäude zu entwickeln und zu ersetzen.»
Im Ökonomiegebäude gibt es unter anderem Garderoben für Tierpflegerinnen und Tierpfleger und Futtermittellager. Das Gebäude soll laut Vorlage rückgebaut und neu erstellt werden. Auch soll ein neues Eingangsgebäude entstehen. Samt Erschliessungsanlage – etwa einem Lift –, der es mobilitätseingeschränkten Personen erleichtern soll, den Höhenunterschied zwischen Aare-Ebene und Dählhölzli-Wald zu überwinden.
Dafür ist eine Aufzonung nötig. Stadtplanerin Beck: «Bevor man sich mit den Gebäuden konkret auseinandersetzen kann, müssen erst mal die planungsrechtlichen Grundlagen angepasst werden.» Mit der Aufzonung dürften in Zukunft 60 Prozent des Areals bebaut werden. Heute sind es zehn Prozent – wobei gemäss Stadt Bern heute schon mehr bebaut ist.
Es geht darum, dass man einen modernen, artgerechten Familienzoo machen kann.
Von links nach rechts: Die meisten Berner Stadträtinnen und Stadträte sind für die Vorlage.
In Richtung eines moderneren Tierparks
Die zuständige Kommission hat die Vorlage dem Stadtrat einstimmig empfohlen. Lukas Schnyder, Stadtrat für die SP, sitzt in dieser Kommission. Die Vorlage ermögliche dem Zoo, sich zu überlegen, wie es mit dem Zoo weitergehen soll.
«Es geht darum, dass man einen modernen, artgerechten Familienzoo machen kann», so Schnyder. «Dass man das Ökonomiegebäude erneuern kann, für gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden. Und dass der Tierpark Bern barrierefrei ist – damit es ein Zoo für alle ist, in den man mit einem Lift kommt.»
Zweifel am Tierwohl
Gegen die Vorlage ausgesprochen hat sich Tobias Sennhauser, Stadtrat für die Partei Tier im Fokus. Zum einen wegen neuer Tieranlagen, die entstehen sollen – unter anderem ein Aquarium. «Was wir wissen, ist, dass Fische kein Interesse daran haben, eingesperrt zu werden.»
Wir glauben, es ist ein Wettrüsten unter den Zoos.
Zum anderen mache der neue Eingang aus Sicht des Tierparks sicher Sinn. Die Erscheinung werde damit ein wenig besser, grösser, dominanter. Aber, so Sennhauser: «Wir glauben, es ist ein Wettrüsten unter den Zoos. Wir sehen es bei verschiedenen Zoos: Wenn einer ausbaut, muss der andere nachziehen.»
Der Tierpark Bern will sich verändern. Ob er seine Pläne weiter konkretisieren und umsetzen kann, darüber entscheidet die Stimmbevölkerung der Stadt Bern am 14. Juni.