Im Operationssaal des Universitätsspitals Basel herrscht konzentrierte Ruhe. «Ready für Team-Timeout», ruft die Chefärztin der Herzchirurgie, Hassina Baraki. Sie steht mit ihrem Team bereit: alle in blauer OP-Kleidung. Doch anders als bei klassischen Eingriffen operiert sie nicht direkt am Patienten, sondern wenige Meter entfernt von einer Konsole aus.
Geplant ist an diesem Morgen eine Bypass-Operation: Verengte Herzgefässe werden dabei überbrückt. Statt den Brustkorb zu öffnen, setzt Hassina Baraki auf eine minimalinvasive Methode.
Durch kleine Schnitte führt sie die Instrumente eines sogenannten Da‑Vinci-Operationsroboters ein, eines computergestützten Systems, das die Bewegungen der Chirurgin präzise in den Körper überträgt, während sie den Eingriff von der Konsole aus steuert.
Am Anfang war es schon gewöhnungsbedürftig, nicht direkt am Patienten zu stehen.
Es habe eine Weile gedauert, sich an den Roboter zu gewöhnen: «Am Anfang war es schon gewöhnungsbedürftig, nicht direkt am Patienten zu stehen. Aber an der Konsole sehen wir das Operationsfeld stark vergrössert und viel detaillierter.»
Das sei zwar anders, aber ein klarer Vorteil, sagt Baraki. Für Patientinnen und Patienten bedeute es zudem weniger Schmerzen und oft eine schnellere Erholung: «Je kleiner die Wunden, desto geringer die Belastung», so Baraki.
Faszinierende Technik – aber ohne klaren Vorteil?
Christoph Meier, Professor an der Universität Genf und ehemaliger Präsident des Expertenrats des Swiss Medical Board, sieht Operationen mit Robotern kritisch. Die Technologie sei «faszinierend», doch klare medizinische Vorteile seien kaum belegt. «Bis jetzt zeigt sich noch nicht, dass es mit solchen Eingriffen mit Robotern weniger Komplikationen gibt», sagt er.
Gleichzeitig stiegen, so Meier, die Kosten. Ein Da-Vinci-Roboter kostet mehrere Millionen Franken, dazu kommen laufende Ausgaben. Meier rechnet mit rund 5000 Franken Mehrkosten pro Eingriff. Für ihn stellt sich somit die Frage: «Wie schaffen wir am meisten Gesundheit für unser Geld?» Diese Mittel könnten auch anders eingesetzt werden, etwa in der Pflege.
Die Vorteile überwiegen insgesamt die Nachteile.
Baraki widerspricht. Schonendere Eingriffe und schnellere Genesung rechtfertigten die Kosten, sagt sie. Studien aus den USA deuteten zudem auf kürzere Spitalaufenthalte hin.
Unterstützung erhält die Technologie aus anderen Fachgebieten: Alexander Haese ist Urologe und leitet das Robotikprogramm an der Martini-Klinik in Hamburg, wo robotergestützte Eingriffe etwa in der Urologie und der Gynäkologie etabliert sind. Er sagt: «Die Vorteile überwiegen insgesamt die Nachteile.» Universitätsspitäler müssten solche Innovationen einsetzen und weiterentwickeln.
Auch Meier betont die Rolle von Innovationen – allerdings mit Einschränkung: Für belastbare Daten gibt es in der Schweiz oft zu wenige Fälle. Komplexe Operationen müssten stärker auf einzelne Zentren konzentriert werden.
Das Universitätsspital Basel nimmt mit robotergestützten Herzoperationen schweizweit eine Vorreiterrolle ein. Bisher wurden rund ein Dutzend Patientinnen und Patienten so operiert. Ob sich Basel als Zentrum etabliert, bleibt offen – der jüngste Patient hat den Eingriff gut überstanden.