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Umweltminister zur Hitzewelle Rösti: «Man darf es auch nicht übertreiben»

Die Hitzewelle, die im Juni die Schweiz in Schach gehalten hat, suchte ihresgleichen. Für Umweltminister und Bundesrat Albert Rösti ist sie Ausdruck des Klimawandels. Trotzdem warnt er vor Übertreibungen: Bei 35 Grad müsse man nicht gleich Katastrophenszenarien ausrufen.

Albert Rösti

Bundesrat

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Albert Rösti ist seit 2023 Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departments für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Er wurde 1967 geboren, studierte Agronomie an der ETH Zürich, erlangte 1997 den Doktortitel und machte 2001 und 2002 einen Master of Business Administration (MBA) an der Universität Rochester in den USA. Rösti war seit 2011 Nationalrat für den Kanton Bern und von 2016 bis 2020 Parteipräsident der SVP Schweiz.

SRF News: Macht Ihnen die Hitzewelle als Umweltminister Sorgen?

Albert Rösti: Ja. Man stellt fest, dass sich die vorausgesagte Klimaveränderung manifestiert. Ich mache mir vor allem Sorgen um vulnerable Personen wie ältere Leute. Wir haben die nötigen Massnahmen zur Dekarbonisierung eingeleitet, aber wichtig ist, dass alle Länder mitziehen.

Sie sagen klar: Diese Hitzewelle hat mit dem Klimawandel zu tun. Früher klang das bei Ihnen anders.

Das ist kein Widerspruch. Der langfristige Trend, dass es in der Schweiz generell wärmer wird, ist unbestritten. Eine Folge davon ist, dass Hitzewellen wie diese häufiger werden. Ich unterscheide das aber von einzelnen Unwettern. Solche Ereignisse hat es schon immer gegeben, deshalb bin ich dagegen, jedes einzelne sofort und ausschliesslich dem Klimawandel zuzuschreiben.

Die Schweiz allein kann mit ihren Massnahmen das globale Klima nicht beeinflussen.

Angesichts von Prognosen bis 45 Grad in der Schweiz: Müssten Sie nicht drastischere Töne anschlagen?

Ich nehme das Thema sehr ernst, aber wir müssen die Verhältnismässigkeit wahren. Wenn wir jetzt ein paar Tage 34 oder 35 Grad haben, darf man das nicht übertreiben und sofort ein Katastrophenszenario an die Wand malen. Es geht mir darum, den Leuten nicht ständig Angst zu machen. Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben: Die Schweiz allein kann mit ihren Massnahmen das globale Klima nicht beeinflussen.

Um vom Öl und Gas wegzukommen, braucht es Strom. Eine neue Studie der ETH Zürich und des Paul-Scherrer-Instituts zeigt klar: Für die Energiewende braucht es keine neuen AKWs. Wasser- und Solarkraft reichen. Wieso halten Sie dennoch an AKWs fest?

Diese Studie geht davon aus, dass wir die nötigen Anlagen für erneuerbare Energien auch bauen können. Das ist aber das Kernproblem: Es geht nicht vorwärts. Gegen praktisch jedes Windkraftwerk, jedes Wasserkraftwerk und jede alpine Solaranlage gibt es Einsprachen und eine massive Opposition.

Als Energieminister bin ich dafür verantwortlich, dass wir genügend Strom haben. Wenn der Ausbau der Erneuerbaren so blockiert bleibt, ist eine solche Studie das Papier nicht wert.

Wie der Strom produziert wird, ist mir letztlich egal.

Kritiker sagen, die jetzige AKW-Debatte nimmt den politischen Elan für die Erneuerbaren weg.

Das ist das schlechteste Argument. Der Ausbau ist ja schon vor der neuen AKW-Debatte nicht vorwärtsgekommen. Investoren entscheiden aufgrund der Rentabilität, nicht wegen politischer Diskussionen.

Dennoch wirken Sie enthusiastisch, wenn es um neue AKWs geht.

Ich habe einen massiven Enthusiasmus für genügend Energie in der Schweiz. Wie der Strom produziert wird, ist mir letztlich egal. Ein Wasserkraftwerk ist mir als Berner Oberländer auch sympathischer. Aber wenn ich sehe, dass wir damit nicht zum Ziel kommen, muss ich die Atom-Option eröffnen.

Das Gespräch führte David Karasek.

SRF Tagesgespräch, 02.07.2026, 13 Uhr ; 

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