Sie grunzen zufrieden, lassen sich kraulen und spazieren manchmal durch die Gänge: Caramel und Flecki sind die wohl ungewöhnlichsten Bewohner des Seniorenzentrums in Uzwil SG. Seit Anfang Jahr leben die beiden Kune-Kune-Schweinchen auf dem Areal und haben sich rasch zu Lieblingen der menschlichen Bewohnerinnen und Bewohner entwickelt.
Ihr Zuhause haben sie im Demenzgarten, einem geschützten Aussenbereich, in dem sich Bewohnende mit Demenz frei bewegen können, ohne sich zu verirren. Oft verlassen die Schweine aber ihr Gehege: Gemeinsam mit «Säuli-Papa» Andreas Wehrli drehen sie Runden durchs Haus.
Mehr als nur eine Attraktion
Die Tiere sind fest im Aktivierungsangebot verankert. Bewohnerinnen und Bewohner streicheln, füttern und begleiten sie auf Spaziergängen. Im Alltag übernehmen die Schweine sogar die Rolle des «Tisch-Staubsaugers»: Heruntergefallene Essensreste sind bei ihnen bestens aufgehoben. So entstehen Bewegung, Gesprächsstoff und gemeinsame Erlebnisse.
Bei vielen wecken Caramel und Flecki Kindheitserinnerungen. Fredy Weber, Jahrgang 1936, erzählt mit leuchtenden Augen von seiner ersten Alp-Erfahrung als Bub: «Mein Vater hat immer Säuli gehabt.» Heute schaut er fast täglich vorbei – für ihn eine «wahre Freude».
Eine Bewohnerin blickt regelmässig aus dem Fenster, um nach den beiden zu sehen. Eine andere kommentiert: «Am Boden habe ich sie schon gestreichelt, auf dem Schoss noch nicht.»
Die Rasse Kune Kune gilt als ruhig, sozial und besonders reinlich. «Sie machen ihr Geschäft gezielt nur an einem Ort im Gehege», bestätigt Betreuer Wehrli.
Als sie ankamen, schliefen sie direkt ein.
Auf die Idee kam die Geschäftsführerin des Seniorenzentrums, Ingrid Markart, eher zufällig. Bei einem Spaziergang stiess sie auf einen Züchter dieser Schweinerasse. «Er rief mich vor Weihnachten an, er habe zwei Junge.» Nach Gesprächen, Abklärungen mit den Behörden und den nötigen Bewilligungen zogen Caramel und Flecki Anfang Januar ein. «Es ging alles sehr schnell.»
Die Schweinchen hätten sich von Anfang an wohl gefühlt, erzählt Ingrid Markart: «Als sie ankamen, machten sie es sich sofort unter dem Christbaum bequem und schliefen direkt ein. Und rundherum siebzig Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitende, die sie begrüssten.»
Caramels «Ausflug» zum Supermarkt
Auch Stationsleiterin Barbara von Arx erlebt täglich, wie gut die beiden ankommen – negative Rückmeldungen gab es bislang kaum. «Das Leuchten in den Augen der Bewohnerinnen und Bewohner ist ganz speziell», sagt sie. Einmal habe Flecki eine Bewohnerin im Rollstuhl vor lauter Zuneigung fast «aufgefressen».
Apropos auffressen: Ganz brav sind Flecki und Caramel nicht immer. Einmal haben die beiden Säuli im Garten alle Erdbeeren gefressen. Und: «Caramel fand ein Loch im Zaun und haute ab zum Lidl runter. In den Lidl rein kam sie nicht», sagt Andreas Wehrli, der sich in Uzwil um die Sauen kümmert.
Er habe die Tiere sehr lieb gewonnen; stolz sei er auf seinen neuen Spitznamen «Säuli-Papa», sagt Wehrli. Caramel und Flecki sind ein Gewinn für alle: die Bewohnenden, die Mitarbeitenden und nicht zuletzt für die Schweinchen selbst.