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SRF Forward Urgestein des Internets: Wie vertrauenswürdig ist Wikipedia?

Mit 55 Millionen Artikeln ist Wikipedia die grösste Online-Enzyklopädie der Welt. Die Plattform folgt einem demokratischen Prinzip: Jeder kann mitschreiben, verbessern, neue Artikel verfassen. Doch kann man sich auf Wikipedia als Quelle verlassen?

Schnell ein paar Fakten checken, noch eine Quelle für die Semesterarbeit an der Uni finden – ein Internet ohne Wikipedia ist für viele kaum vorstellbar. Mit 55 Millionen Artikel in mehr als 300 Sprachen ist die Open-Source-Plattform die grösste Enzyklopädie der Welt. Geschrieben, verbessert und auf den aktuellen Stand gehalten von rund 70'000 sogenannten Wikipedianern, die ehrenamtlich an der Seite mitarbeiten. Doch trotz allen Bemühungen taucht im Zusammenhang mit der gigantischen digitalen Informationslieferantin immer wieder eine Frage auf: Wie vertrauenswürdig ist Wikipedia wirklich?

Studien legen dar, dass die Seite im Vergleich zu traditionellen Enzyklopädien kaum einen Unterschied bezüglich der Fehlerquote aufzeigt. Zudem hilft die grosse Transparenz der Glaubwürdigkeit. Wikipedia-Artikel werden im Normalfall von verschiedenen Editoren bearbeitet. Die vorgenommenen Änderungen sind für alle Nutzer sichtbar. Durch die Bearbeitung der Artikel von mehreren Editoren sind sie zudem nicht einseitig oder ideologisch. Fake News scheint also nicht das Problem von Wikipedia zu sein. Doch der Plattform mangelt es an Ausgewogenheit in der Themenauswahl.

In der deutschsprachigen Wikipedia sind von den mehr als 800'000 Portraits gerade mal 16 Prozent über Frauen. Grosse Wellen geschlagen hat die Löschung des Wikipedia-Artikel über die Schweizer Autorin Tabea Steiner im Februar. Die Begründung: Der Artikel über sie sei irrelevant. Verständlicherweise fragt sich die Autorin: «Wer bestimmt darüber, was relevant ist und wieso gibt es über so viele Frauen noch keinen Wikipedia-Eintrag?»

Ob ein Thema, eine Person oder eine Unternehmung einen Wikipedia-Eintrag würdig ist, entscheiden nicht die einfachen Editoren, sondern ranghöhere Mitarbeiter. Dabei sind die Relevanzkriterien nicht wirklich nachvollziehbar. Als Grund für die Unausgewogenheit wird immer wieder ausgeführt, dass über 90 Prozent der Mitarbeiter männlich sind. Muriel Staub ist Präsidentin des Vereins Wikimedia Schweiz und verfasst in ihrer Freizeit selbst Wikipedia-Artikel. Sie sagt dazu: «Wir haben das Prinzip des neutralen Standpunktes. In der Realität ist es aber natürlich so, dass alles sehr stark davon abhängt, wer mitmacht. Je mehr mitmachen, desto diverser und inklusiver wird es.» Doch die Zahl der Mitarbeiter geht seit Jahren stetig zurück. Wenn die Plattform nur so gut und divers sein kann, wie die Menschen, die an ihr mitwirken, so wird es für Wikipedia nicht leicht werden, ihre Themen- und Porträtauswahl in Zukunft ausgewogener und verlässlicher zu gestalten.

SRF Forward

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SRF Forward

Wir sind SRF Forward, Link öffnet in einem neuen Fenster, ein Team von jungen JournalistInnen. Wir recherchieren zu drängenden Themen unserer Zeit und bringen dich mit Einordnung und Hintergrund weiter. Wir wollen nicht nur wissen, was passiert. Wir wollen verstehen, warum es passiert. Gemeinsam mit dir schaffen wir einen Diskussionsraum und suchen nach Lösungsansätzen. Dabei werden wir selbst noch viel lernen. Jeden Mittwoch gibt es ein neues Video von uns, mit dem wir dich zum Nachdenken anregen und Debatten auslösen wollen. Die Welt ist kompliziert. Lass uns zusammen durchsteigen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Weber  (steweb)
    Wikipedia Einträge über gleiche Themen sind zb. in arabischen Ländern teilweise ganz anders als bei uns. Der Blickwinkel entscheidet oft über Wahrheit und Lüge.
    Wikipedia ist super bei (unbestritten) technischen Themen. Bei politischen Aussagen bin ich kritisch.
    1. Antwort von Theres Schmid  (Theres Schmid)
      @ Stefan Weber
      Da kann ich Ihnen beipflichten.
  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Wikipedia ist oft sehr einseitig, vor allem bei umstrittenen Themen. Zudem werden neue Autoren von den Alteingesessenen oft vergrault. Es gibt null horizontale Kohärenz, sprich je nach politischem Gusto eines übergeordneten Wikipedianers werden gewisse Dingen in Artikel A so beschrieben, in Artikel B dann jedoch nicht mehr.
    Wikipedia ist gut als Grundnachschlagewerk, z.B. historische Daten. Aber ungeeignet für Ausgewogenheit.
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    "Ob ein Thema, .... Wikipedia-Eintrag würdig ist, entscheiden nicht die einfachen Editoren, sondern ranghöhere Mitarbeiter. Dabei sind die Relevanzkriterien nicht wirklich nachvollziehbar."
    ...
    "Doch die Zahl der Mitarbeiter geht seit Jahren stetig zurück."

    Die "Neutralität" wird damit erkauft, dass es nur funktioniert, wenn die Leute freiwillig mitmachen, und es NICHT durch irgend eine Stell finanziert wird.
    Transparenz in den Entscheidungen würde aber mehr Vertrauen schaffen.