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Q&A zu Sport «Wie erhöhe ich meine Motivation, Sport zu treiben?»

Pierre-André Weber, Romina Ledergerber und Ralph König haben von 10:30 Uhr bis 12 Uhr Ihre Fragen rund um Bewegung und Sport beantwortet.

Fachpersonen im Q&A

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Pierre-André Weber
Bereichsleiter und Mitglied der Amtsleitung Baspo
Bundesamt für Sport Baspo

Romina Ledergerber
Sportwissenschaftlerin
Universität Basel

Ralph König
Bereichsleiter Schulsport
Sportamt Stadt Zürich

Chat-Protokoll:

Mich würde interessieren, ob die Fussball-WM Einfluss auf die Jugendlichen hatte, aktiver Sport zu betreiben. Sich z. Bsp. öfter für den Schulsport anmelden. Wissen Sie, ob es dazu Daten gibt? Ist halt noch relativ frisch … Danke

Pierre-André Weber: Ein kurzfristiger Motivationseffekt ist gut möglich, aber ob sich tatsächlich mehr Jugendliche für den Schulsport oder Vereine anmelden, sehen wir frühestens in den Herbstzahlen. Grundsätzlich zeigen Erfahrungen, dass Sportgrossanlässe – besonders im eigenen Land – einen positiven Impuls geben können. Ein gutes Beispiel war die Women’s EURO: Danach gab es einen deutlichen Anstieg von Mädchen im Fussball. Entscheidend ist aber, ob Schulen und Vereine genügend zugängliche Angebote haben, damit aus Begeisterung auch langfristige Aktivität wird.

Ralph König: Für belastbare Zahlen ist es noch etwas zu früh. Aus unserer Erfahrung wissen wir aber, dass grosse Sportanlässe einen positiven Einfluss haben. Sie wecken Begeisterung und führen dazu, dass Kinder und Jugendliche eine Sportart selbst ausprobieren möchten – sei es im Freiwilligen Schulsport oder in einem Sportverein.

Beim Fussball ist das besonders ausgeprägt. Fussball ist – zumindest gemäss unseren Erhebungen in der Stadt Zürich – bereits heute die beliebteste Sportart bei Kindern und Jugendlichen. Besonders erfreulich ist, dass wir seit der Frauen-Europameisterschaft in der Schweiz auch bei den Mädchen eine deutlich steigende Nachfrage nach Fussball feststellen. Solche Grossanlässe schaffen Vorbilder und zeigen vielen Kindern und Jugendlichen, dass auch sie Teil dieses Sports sein können.

Die Herausforderung besteht allerdings darin, diese Begeisterung aufzufangen. Gerade beim Fussball stossen wir in der Stadt Zürich bereits heute an Grenzen – sowohl bei den verfügbaren Fussballplätzen als auch bei der Anzahl Trainerinnen und Trainer.

Deshalb ist es uns wichtig, im Freiwilligen Schulsport nicht nur Fussball anzubieten, sondern auch viele andere spannende Sportarten sichtbar zu machen. Viele dieser Sportarten erhalten deutlich weniger mediale Aufmerksamkeit, bieten Kindern und Jugendlichen aber genauso faszinierende Bewegungs- und Gemeinschaftserlebnisse. Vielleicht entdeckt ein Kind dort genau die Sportart, die perfekt zu ihm passt.

Wie oft muss ich mich als Laie am Tag bewegen, um einigermassen gesund zu bleiben? Reicht ein Spaziergang von 15 Minuten? Liebe Grüsse

Romina Ledergerber: Die WHO-Empfehlungen lauten für Erwachsene tatsächlich 150–300 Minuten moderate oder 75–150 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche sowie muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche. Daher ist 15 min/Tag ein guter Anfang, bei wenig Zeit würde ich aus gesundheitlicher Sicht aber mehr auf Intensität fokussieren. Alleine vom Spazierengehen werden Muskeln und Knochen, welche fürs gesunde Leben die essenzielle und langfristige Basis bilden, noch zu wenig gestärkt.

Sie haben sicher die Diskussion mitbekommen: Das Schulsport-Obligatorium steht zur Debatte. Was sind Ihre Einschätzungen, wird es aufgrund des Spardrucks schwierig, dies aufrechtzuhalten?

Ralph König: Ich hoffe sehr, dass es nicht so weit kommt. Bewegung und Sport sind kein Nice-to-have, sondern ein wichtiger Bestandteil der Bildung und der gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Der obligatorische Sportunterricht ist zudem das einzige Gefäss, mit dem wir wirklich alle Kinder und Jugendlichen erreichen – unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund oder davon, ob sie in einem Sportverein aktiv sind. Genau deshalb ist er für die Chancengerechtigkeit von so grosser Bedeutung. Natürlich stehen Kantone und Gemeinden unter finanziellem Druck. Aber gerade deshalb sollten wir nicht nur auf die kurzfristigen Kosten schauen, sondern auf den langfristigen Nutzen. Der obligatorische Schulsport ist eine Investition in Gesundheit, Bildung und soziale Entwicklung. Ich bin überzeugt, dass sich diese Investition langfristig auszahlt – für die Kinder und Jugendlichen und letztlich für die gesamte Gesellschaft. Zudem ist wichtig zu wissen, dass der obligatorische Schulsport das einzige Gefäss ist, das alle Kinder erreicht – und genau deshalb ist er für Chancengerechtigkeit und Gesundheitsförderung unverzichtbar.

Meine siebenjährige Tochter würde gerne eine Sportart für sich entdecken, aber weiss nicht so recht, was zu ihr passt. Was sind Ihre Tipps, um die Suche zu vereinfachen?

Ralph König: Das ist eigentlich eine ideale Ausgangslage. Mit sieben Jahren muss ein Kind noch nicht wissen, welche Sportart die richtige ist. Viel wichtiger ist, dass es verschiedene Bewegungsformen ausprobieren kann.

Mein erster Rat wäre deshalb: Gehen Sie gemeinsam schnuppern. Viele Vereine bieten Schnuppertrainings an, und auch der freiwillige Schulsport ermöglicht Kindern, ganz unterschiedliche Sportarten kennenzulernen. So kann ein Kind eigene Erfahrungen sammeln und herausfinden, was ihm wirklich Freude macht.

Wie gross die Auswahl ist, hängt natürlich auch davon ab, wo man wohnt. In der Stadt Zürich können wir dank der engen Zusammenarbeit mit den Sportvereinen im Freiwilligen Schulsport über 60 verschiedene Sportarten anbieten. Genau das ist eine der grossen Stärken dieses Angebots: Es schlägt eine Brücke zwischen der Schule und den Sportvereinen und ermöglicht Kindern, ganz unterschiedliche Sportarten unverbindlich kennenzulernen.

In kleineren Gemeinden ist das Angebot verständlicherweise oft etwas kleiner. Das ist aber nicht zwingend ein Nachteil. Gerade bei jüngeren Kindern ist es wichtig, dass sie ihren Sport möglichst selbstständig und sicher erreichen können. Wenn es in der Nähe drei oder vier gute Sportangebote gibt, ist das oft ein idealer Einstieg.

Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die Eltern nicht die Sportart auswählen, sondern das Kind. Denn langfristig bleibt ein Kind nur dabei, wenn es sich wohlfühlt, Freude an der Bewegung hat und gerne ins Training geht.

Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Neugierig bleiben, Verschiedenes ausprobieren und dem Kind Zeit geben. Nicht die Sportart steht am Anfang, sondern die Freude an der Bewegung. Wenn diese Freude da ist, findet sich der passende Sport meistens ganz von selbst

Pierre-André Weber: Mit sieben Jahren muss Ihre Tochter noch nicht die eine passende Sportart finden. Am besten probiert sie verschiedene Angebote unverbindlich aus – zum Beispiel in Schnuppertrainings, Ferienkursen oder im freiwilligen Schulsport. Achten Sie weniger darauf, worin sie sofort gut ist, sondern darauf, wo sie Freude hat, sich wohlfühlt und gerne wieder hingeht. Wichtig ist ein kindgerechtes Angebot mit qualifizierten Leiterinnen und Leitern, beispielsweise mit einer J+S-Anerkennung. Zwei oder drei Probetrainings vermitteln meist einen besseren Eindruck als nur eines – und ein späterer Wechsel ist völlig normal. Gute Einstiege bieten oft polysportive Angebote wie die im Turnverein, weil Kinder sich dort vielseitig entwickeln können. Oder auch Schwimmen, weil das eine wichtige Grundfertigkeit ist. Grundsätzlich sollten aber alle Sportarten altersgerechte und abwechslungsreiche Angebote für Kinder bieten.

Ab wann ist Krafttraining für meine Tochter ein Thema? Sie ist 14 Jahre und macht OL in ihrer Freizeit. Ich möchte sie gerne fördern, aber nicht überfordern.

Romina Ledergerber: Das ist ein sehr guter Gedanke. Entgegen der persistierenden Mythen ist Krafttraining bereits im Kindesalter eine gesunde, sichere und effektive Methode, die Entwicklung der Knochen, Muskeln und Fähigkeiten zu stärken. In einer idealen Welt gehört aus wissenschaftlicher Sicht spielerisches Krafttraining schon im Kindesalter ergänzend dazu, und wird dann immer wichtiger. Gerade für Mädchen, die während der Pubertät starke Veränderungen erfahren (bspw. breiteres Becken, mehr X-Bein-Stellung, höherer Körperfettanteil –> begünstigend für Verletzungen), die sich nicht unbedingt begünstigend auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirken, birgt Krafttraining grosse Chancen: Funktionelles Krafttraining mit freien Gewichten in qualitativ guter Ausführung kann vor Verletzungen schützen, Knochen, Sehnen, Knorpel robuster und natürlich die Muskeln stärker und koordinativer machen – was sich alles positiv auf Gesundheit und Leistung auswirkt. Ich empfehle mit Krafttraining 2x/Woche zu starten, dabei erst auf die Qualität der Ausführung mit wenig Gewicht zu achten, und langsam Bewegungsgeschwindigkeit und auch externales Gewicht zu steigern – immer in Absprache mit dem gesamten Trainingsload und persönlicher Beanspruchung und Belastbarkeit.

Wie schätzen Sie unsere Schweizer Talentschmiede ein? Haben Sie das Gefühl, die Schweiz ist Vorbild bei der Suche und Förderung von Talenten? Ich sehe das im Fussball, da gibt es in Spanien einen starken Fokus auf die Jugend – in anderen Ländern wird es nicht so vorangetrieben. Wie steht die Schweiz da.

Pierre-André Weber: Die Schweiz ist bei der Talententwicklung gut aufgestellt und in vielen Sommer- und Wintersportarten international sehr erfolgreich. Zu unseren Stärken gehören die breite Vereinsbasis, das erfolgreiche Förderprogramm J+S, gut ausgebildete Trainerinnen und Trainer, moderne Infrastrukturen sowie zahlreiche gute Lösungen, um Schule, Ausbildung und Leistungssport zu verbinden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Verbänden, Leistungszentren und Swiss Olympic ist heute klar strukturiert. Vorbildlich ist insbesondere die langfristig ausgerichtete Förderung, bei der frühe Resultate nicht überbewertet und Faktoren wie das biologische Alter berücksichtigt werden. Verbesserungspotenzial besteht weiterhin beim Zugang zu hochwertigen Leistungssportangeboten – unabhängig von Einkommen und Wohnort – sowie bei den beruflichen Rahmenbedingungen für Trainerinnen und Trainer, besonders in kommerziell weniger stark entwickelten und kleineren Sportarten.

Ralph König: Meiner Meinung nach verfügt die Schweiz über ein sehr starkes System der Nachwuchs- und Talentförderung – mit Jugend+Sport, dem Schulsport und den Vereinen als tragenden Säulen. Die Schweiz ist in der Nachwuchs- und Talentförderung insgesamt sehr gut aufgestellt. Mit Jugend+Sport verfügen wir über ein ausgezeichnetes Sportfördersystem, das vor allem den Breitensport stärkt – und genau dort beginnt die nachhaltige Talentförderung. Eine weitere grosse Stärke ist der obligatorische Sportunterricht: Er ist das einzige Gefäss, mit dem wir alle Kinder und Jugendlichen erreichen. Damit wird nicht nur Chancengleichheit ermöglicht, sondern dadurch können auch Talente entdeckt werden, die sonst vielleicht unentdeckt blieben. Dass die Schweiz mit ihrer vergleichsweise kleinen Bevölkerung in vielen Sportarten international zur Spitze gehört, zeigt, dass unser Fördersystem funktioniert. Dazu leisten die Schulen, der Schulsport, die Vereine und die Sportverbände gemeinsam einen entscheidenden Beitrag. Natürlich gibt es auch bei uns Verbesserungspotenzial, aber insgesamt ist die Schweiz in der Nachwuchs- und Talentförderung sehr gut aufgestellt.

Meine Tochter ist in mehreren Sportarten sehr talentiert. Wie erkennt man eigentlich, ob ein Kind tatsächlich das Potenzial für Leistungssport hat, und ab wann macht eine gezielte Förderung Sinn? Vielen Dank

Ralph König: Das ist schön zu hören. Oft ist es tatsächlich so: Kinder mit sehr guten motorischen Voraussetzungen bringen das Potenzial für mehrere Sportarten mit. Das sehen wir auch in der Stadt Zürich mit unserem Programm Talent Eye. Solche Kinder haben häufig die schöne Situation, dass sie zwischen verschiedenen Sportarten wählen können. Deshalb empfehlen wir, unterschiedliche Sportarten auszuprobieren und bei Vereinen zu schnuppern, die in der Nachwuchsförderung qualitativ gute Arbeit leisten. Wenn ein Kind dann eine Sportart findet, die ihm Freude bereitet und für die es motiviert ist, sollte es diese Begeisterung weiterverfolgen. Die eigentliche Talenterkennung und die gezielte Förderung liegen dann bei den Vereinen und den Sportverbänden. Dafür stehen in der Schweiz bewährte Instrumente wie die PISTE (Prognostische Integrative Systematische Trainer-Einschätzung) zur Verfügung. Wann ein Kind in eine Sportart einsteigen sollte, ist sehr unterschiedlich und hängt von der Sportart ab. Neben den motorischen Voraussetzungen sind für mich aber vor allem die Freude und die Motivation des Kindes an der jeweiligen Sportart entscheidend.

Wie kann ich meine Motivation, Sport zu treiben oder mich zu bewegen, erhöhen? Ich habe oft das Problem, dass ich eigentlich möchte, mich jedoch nicht aufraffen mag und am Ende trotzdem einen ganzen Tag auf dem Sofa liege und nichts mache.

Romina Ledergerber: Das ist ein verbreitetes Problem, jedoch kein unlösbares. Motivation zur Bewegung kommt oft auch erst durch das Verhalten, sodass die initiale Hürde, mit etwas zu beginnen, oft die höchste ist. Routinen helfen uns extrem, sie aufzubauen ist aber nicht immer einfach. Daher bietet es sich an, mit minimalen Schritten zu beginnen, sei es, nur täglich 10 Minuten spazieren zu gehen. Für etwas sehr Kleines kann man sich oft besser aufraffen, erschafft kleine Erfolgserlebnisse, und macht man dies wiederholt über mehrere Wochen, ergibt sich bereits eine kleine Routine.. Sobald die Routine steht, positive Gefühle und Selbstwirksamkeit damit assoziiert sind, kann dies ausgeweitet werden mit längerer Dauer oder höherer Intensität … Alternativ hilft es, sich einfach irgendwo anzumelden (allenfalls mit einem Buddy), zu committen und fix in den Kalender einzutragen, sodass die Motivation an diesem Tag gar nicht Mitspracherecht hat, sondern der Termin einfach absolviert werden muss. Eine Mitgliedschaft in einem Verein mit definierter Trainingsstruktur kann hierbei auch sehr unterstützend sein. Also klein starten und dann Schritt für Schritt aufbauen.

Wir diskutieren oft über Bewegungsmangel bei Kindern. Müsste man nicht genauso darüber sprechen, wie Erwachsene als Vorbilder leben? Ich sehe da das Hauptproblem. Liege ich falsch?

Ralph König: Nein, ich glaube, Sie liegen damit nicht falsch. Das Umfeld ist tatsächlich einer der entscheidenden Faktoren. Kinder orientieren sich sehr stark an dem, was Erwachsene vorleben. Wenn Bewegung und Sport in der Familie selbstverständlich sind, übernehmen Kinder dieses Verhalten häufig ganz natürlich. Wir wissen aber auch, dass nicht alle Kinder dieses Glück haben. Nicht alle wachsen in einem Umfeld auf, in dem Bewegung und Sport einen hohen Stellenwert haben oder aktiv vorgelebt werden. Genau deshalb sind die drei obligatorischen Sportlektionen in der Schule so wichtig. Sie stellen sicher, dass alle Kinder – unabhängig von ihrem Elternhaus – regelmässig Bewegung erleben und vielfältige Bewegungserfahrungen sammeln können. Der Schulsport kann das Elternhaus nicht ersetzen, aber er kann einen wichtigen Beitrag leisten und Chancen eröffnen, die manche Kinder sonst vielleicht nicht hätten. Sie haben deshalb absolut recht: Die Vorbildfunktion der Erwachsenen, insbesondere der Eltern, ist gerade bei jüngeren Kindern von entscheidender Bedeutung. Gleichzeitig sorgt der obligatorische Schulsport dafür, dass alle Kinder die Chance erhalten, Freude an Bewegung und Sport zu entwickeln.

Pierre-André Weber: Nein, Sie liegen nicht falsch: Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen prägen das Bewegungsverhalten von Kindern stark – durch ihr Vorbild, gemeinsame Aktivitäten und die Möglichkeiten, die sie eröffnen. Gleichzeitig beobachten wir, dass Bildschirmzeiten zunehmen, während auch die Teilnahme am organisierten Vereinssport steigt. Bewegung verlagert sich damit teilweise vom freien Spielen und Bewegen im Alltag in organisierte Angebote. Es ist aber wichtig, dass Kinder nicht nur im Training aktiv sind, sondern sich auch im Alltag frei und vielseitig bewegen können und durch ihre Eltern Zugang zu unterschiedlichen Sport- und Bewegungsformen erhalten.

Mein Kind macht mehrmals pro Woche Sport und ist trotzdem ständig müde. Kann es sein, dass auch zu viel Training problematisch ist, gerade in jungen Jahren, oder muss ich das gesundheitlich abklären, ob nicht was anderes das Problem sein könnte.

Romina Ledergerber: Gut, dass Sie sich darüber Gedanken machen. So wie Sie es beschreiben, ist mit mehrmals pro Woche Sport aber kein immenses, problematisches Trainingsvolumen vorhanden, sondern es klingt nach einer sinnvollen Auslastung für Kinder. Zudem adaptiert sich (auch der kindliche Körper) über die Zeit an Trainingsstimuli und wird belastbarer, sodass die Ursache in meinen Augen weniger auf das Sportverhalten zurückzuführen ist. Ständiges Müdesein würde ich einmal ärztlich abklären lassen.

Beim ganzen Proteinwahn wird mir noch schlecht. Übertreibt die Sport- und Marketingwelt mit dem Verzehr? Reicht nicht eine ausgewogene Ernährung?

Romina Ledergerber: Völlig verständlich. Für die meisten Menschen reicht eine ausgewogene Ernährung völlig aus, um den Proteinbedarf zu decken. Was genau die Definition und Inhalte einer ausgewogenen Ernährung sind, kann man ebenfalls diskutieren, da Convenience Food oft viele Kohlenhydrate und Fette enthält. Dass bei jeder Mahlzeit eine sinnvolle Proteinquelle enthalten ist, darauf würde ich auf jeden Fall achten (20–40 g/Mahlzeit) – alleine Pasta mit Tomatensauce wäre dafür nicht optimal. Zudem sollte die Mindestverzehrmenge an Protein 0-8 g/kg (Körpergewicht) nicht unterschreiten. Wer regelmässig Kraftsport treibt, älter ist oder gezielt Muskelmasse aufbauen möchte, profitiert jedoch von einer höheren Proteinzufuhr, wobei mehr als 1.6 g/kg (Körpergewicht) keine zusätzlichen Effekte bringt.

Ich gehe über Mittag gerne joggen, merke aber, dass die Hitze gewaltig zugesetzt hat. Fühlte mich aber auch schlecht, darauf zu verzichten. Am Abend oder Morgen ist es mir kaum möglich. Sollte ich trotzdem die Trainingszeiten langsam anpassen? Generell die Frage, ob man Hitze beim Sport zu schnell unterschätzt. Danke

Pierre-André Weber: Ja, Hitze wird beim Sport häufig unterschätzt. Wenn Sie sich beim Joggen bereits unwohl gefühlt haben, sollten Sie das als Warnsignal ernst nehmen – ein Training anzupassen oder auszulassen ist kein Versagen, sondern vernünftige Belastungssteuerung. Das BAG empfiehlt, an heissen Tagen anstrengende Aktivitäten, besonders zwischen 11 und 15 Uhr und bei hohen Temperaturen auch bis 17 Uhr, zu meiden. Ist morgens oder abends kein Training möglich, reduzieren Sie Tempo und Dauer deutlich, wählen Sie eine schattige Strecke, trinken Sie regelmässig oder weichen Sie auf eine kühlere Alternative aus. Bei starker Hitze ist auch eine Pause oder halt nur ein Spaziergang sinnvoll. Bei Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit oder ungewöhnlicher Schwäche sofort abbrechen, kühlen und trinken. Mit dem Klimawandel werden solche Anpassungen bei der Sportausübung immer wichtiger – deshalb wird sich auch das BASPO verstärkt mit dem Thema Klimaresilienz im Sport beschäftigen.

Wie stehen Sie eigentlich zur Debatte Schulsport: Ja oder Nein, falls Sie eine Aussage wagen/tätigen dürfen? Warum wird das überhaupt plötzlich debattiert?

Pierre-André Weber: Aus Sicht des BASPO ist klar: Wir wollen am bundesrechtlichen Drei-Lektionen-Obligatorium festhalten. Der obligatorische Schulsport erreicht alle Kinder und Jugendlichen und ist zentral für ihre Gesundheit, motorische Entwicklung und Chancengerechtigkeit. Die Debatte ist durch das Projekt ‹Entflechtung 27› entstanden: Es wird geprüft, ob der Bund seine Vorgaben aufhebt und die Kantone den Schulsport vollständig autonom regeln. Dahinter steht ein verfassungsrechtliches Spannungsfeld: Die Bildungshoheit liegt bei den Kantonen, gleichzeitig darf der Bund den Schulsport ausdrücklich obligatorisch erklären. Ergänzend fördert das BASPO über J+S den freiwilligen Schulsport und den Vereinssport. Damit sollen möglichst viele Kinder Zugang zu Bewegung erhalten und die Empfehlung von durchschnittlich mindestens 60 Minuten Sport und Bewegung pro Tag erreichen können.

Ralph König: Aus fachlicher Sicht ist der obligatorische Sportunterricht unverzichtbar. Er ist das einzige Gefäss, mit dem wir alle Kinder und Jugendlichen erreichen – unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund oder davon, ob sie in einem Sportverein aktiv sind. Genau deshalb leistet er einen wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit, zur Gesundheit und zur Bildung.

Warum diese Diskussion jetzt geführt wird, hat verschiedene Gründe. Einerseits stehen die öffentlichen Haushalte unter finanziellem Druck. Andererseits ist Sport das einzige Fach, das über ein Bundesgesetz geregelt wird.

Ich würde mir wünschen, dass wir den Sportunterricht dabei nicht nur als Unterrichtsfach betrachten, sondern als Investition in die gesunde Entwicklung der nächsten Generation. Deshalb ist aus meiner Sicht das Dreistunden-Obligatorium Sportunterricht auf Bundesebene wichtig und richtig.

Gibt es Hinweise, dass Muskelkater von den Genen beeinflusst wird? Gibt es entsprechend Körper, die zu mehr Muskelkater neigen als andere, oder hängt das vor allem mit dem Trainingszustand zusammen?

Romina Ledergerber: Muskelkater entsteht durch mikroskopische Schädigungen der Muskelstruktur und wird generell durch neuartige, ungewohnte Bewegungen/Belastungen induziert, sowie hauptsächlich durch «bremsende Arbeit» – Bergablaufen ist hier der Klassiker. Die Evidenz, dass Genetik zu den relevanten Faktoren für Muskelkater zählt, ist sehr limitiert, sondern es wird deutlich klarer, dass dieses Phänomen mehr über den applizierten Reiz im Verhältnis zur Ausgangslage zu betrachten ist. Je stärker und «neuartiger» die Muskeln beansprucht und damit auch meist ermüdet werden, desto stärker sollte der Muskelkater ausfallen. Mit regelmässigem Training passt sich die Muskulatur an, sodass derselbe Reiz mit der Zeit deutlich weniger Muskelkater verursacht.

Ich bin Hobbysportler. Würden Sie mir trotzdem empfehlen, Sachen wie Eiweiss, Kohlenhydrate, Fett etc. zu tracken, oder ist das erst später wirklich relevant?

Romina Ledergerber: Es kommt sehr aufs Ziel und zu einem Teil auf die Belastungsform der Sportart an. Tracken kann unterstützen, eine Übersicht zur Gesamtenergiezufuhr und Zusammensetzung zu erhalten, ist aber natürlich mit hohem Aufwand und gewissen Risiken verbunden. Als Hobbysportler würde ich grundsätzlich auf eine ausgewogene Ernährung achten und schauen, dass Sie in den meisten Mahlzeiten eine sinnvolle Eiweissquelle haben, um den Gesamtbedarf zu decken.

Welche Sportarten, Spiele oder Übungen sind zur Förderung mentaler Stärke und Entscheidungskompetenz (exekutive Funktionen) besonders interessant?

Pierre-André Weber: Grundsätzlich kann jede Sportart mentale Stärke und Entscheidungskompetenz fördern, wenn sie von kompetenten Leiterinnen und Leitern gut vermittelt wird. Entscheidend sind abwechslungsreiche Aufgaben, eigene Entscheidungen, bewältigbare Herausforderungen und eine Fehlerkultur ohne unnötigen Druck. Genau hier setzt das J+S-Ausbildungsverständnis an: Neben sportlichen Fähigkeiten sollen auch Lebenskompetenzen wie Selbststeuerung, Zusammenarbeit, Entscheidungsfähigkeit und der Umgang mit Emotionen und Rückschlägen gefördert werden. Entscheidend ist also weniger die Sportart als die Art ihrer Vermittlung.

Welche Sportart oder welches Training ist am sinnvollsten, um viszerales Fett zu reduzieren?

Romina Ledergerber: Es gibt grundsätzlich kein Training, das Fett in einem bestimmten Bereich entfernt, wobei viszerales Fett wohl etwas besser auf Bewegung reagiert als subkutanes Fett. Fett-/Gewichtsreduktion hängt primär von Energiezufuhr vs. Energieverbrauch ab (bei einem gesunden Stoffwechsel). Unterstützend dafür sind intensives Training wie bspw. Intervalltraining, was auch einen hohen Energieverbrauch pro Zeit hat, oder insbesondere Krafttraining, das mit den positiven Effekten auf Muskelwachstum eine wichtige Komponente der Gewichtsreduktion ist.

SRF 4 News, 13.7.2026, 12:30 Uhr ; 

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