Aargauer Mitteparteien holen Ecopop ins Boot

Im Kampf gegen die Zuwanderung stand die Gruppierung Ecopop im vergangenen Jahr praktisch alleine da. Bei den Wahlen im Herbst kann die Gruppierung nun mit anderen Parteien zusammenspannen. Die Mitteparteien BDP, GLP und EVP gehen mit Ecopop eine Listenverbindung ein. Ein Widerspruch?

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Bildlegende: Passen sie zusammen? Ja, finden die GLP, EVP, BDP und Ecopop. Keystone (Montage SRF)

In Gesprächen habe sich herausgestellt, dass alle das gleiche Interesse hätten, teilten die Parteien am Freitag mit. Es gehe darum, den Wählern eine Alternative anzubieten. Die Reststimmen sollten nicht an eine der Polparteien abwandern. Man wolle die Mitte stärken.

Obwohl man noch vor Kurzem mit grossem Einsatz gegen die Ecopop-Initiative gekämpft hat, sieht man nun in der Listenverbindung keinen problematischen Widerspruch, wie die Aargauer Mitteparteien auf Anfrage von Radio SRF erklären.

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Mitte-Listenverbindung Aargau

Die Aargauer Parteien BDP, GLP und EVP haben in ihre Listenverbindung für die Nationalratswahl im Oktober die erstmals kandidierende Gruppierung Ecopop aufgenommen. Mit dabei ist auch die Sozial Liberale Bewegung. Die Parteien wollen nach eigenen Angaben drei Sitze im Nationalrat erobern. Bisher halten BDP und GLP je ein Mandat.

Natürlich sei man nicht überall gleicher Meinung mit Ecopop. Das ertrage man aber in der Mitte, sagt beispielsweise Bernhard Guhl von der BDP: «Es braucht keine 100 prozentige Übereinstimmung.»

Gemeinsamkeiten oder Differenzen

Auch die anderen Parteien möchten nicht zu sehr über die Differenzen zu Ecopop sprechen. Lieber betont man die vorhandenen Gemeinsamkeiten. Die Grünliberalen sind mit den Ecopop-Ansichten zum Thema Zuwanderung gar nicht einverstanden, verweisen aber auf die Umweltschutzanliegen, die man teile. «Die Wachstumskritik wird auch für uns in Zukunft ein Thema sein», sagt Andreas Mahler von der GLP.

Die dritte Partei im Bund, die Evangelische Volkspartei, unterscheidet sich in vielen Positionen sehr stark von Ecopop, wie sich an EVP-Ständeratskandidatin Lilian Studer zeigt. Sie steht eigentlich für eine offene Aussenpolitik ein, eine restriktive Migrationspolitik liegt ihr gemäss Smartvote aber fern. Eigentlich also das pure Gegenteil von Ecopop?

«Ich setze mich für die Menschen ein, weil jeder Mensch wertvoll ist», sagt Studer, «deshalb habe ich in der Migrationspolitik sicher eine offenere Haltung.» Hier passe ihr der Ecopop-Kurs eindeutig nicht, aber auch sie verweist dann noch auf gemeinsame Anliegen in der Wachstumspolitik und dem Umweltschutz.

Taktik, Strategie und Mathematik vor Inhalten

Alle Parteien betonen aber, dass es sich bei dieser Listenverbindung primär um ein taktisches Manöver handelt. Die Mathematik und das Wahlsystem verlangten nach grossen Listenverbindungen, deswegen könne auch eine Gruppierung wie Ecopop noch wertvolle Stimmen beitragen, welche die Mitte stärken.

Die Taktik komme hier vor den Inhalten, aber das sei ja auch bei anderen Listenverbindungen deutlich zu sehen. Trotzdem habe man sich den Entscheid nicht leicht gemacht, gibt Bernhard Guhl von der BDP zu: «Wir hatten intern schon hitzige Diskussionen.»

Ob man nicht eher Wähler vergrault, wenn man eine solche Listenverbindung eingeht, das haben die Parteien auch diskutiert. Man hoffe es natürlich nicht, könne es aber schon nicht ausschliessen, dass sich einige Wählerinnen und Wähler ob der ungewohnten Verbindung mit Ecopop von der Mitte abwenden. Unter dem Strich rechnen die Mitte-Parteien aber mit einem positiven Effekt.

Bündnis will weiteren Sitz erobern

Die Parteien wollen nach eigenen Angaben im Oktober drei Sitze im Nationalrat erobern. Vor vier Jahren hatten BDP und GLP im Aargau auf Anhieb je ein Mandat gewonnen.

Ecopop steigt im Oktober auf dem letzten Listenplatz mit sechs Kandidierenden ins Rennen, die Sozial Liberale Bewegung mit zehn Kandidierenden. BDP, GLP und EVP treten mit je 16 Kandidierenden an. Dem Aargau stehen 16 Sitze im Nationalrat zu.