Lilian Studer: «Nur mit guten Grundwerten kommen gute Lösungen»

Seit 13 Jahren ist Lilian Studer Grossrätin im Aargauer Parlament. Nun kandidiert sie sowohl für den Stände- wie auch für den Nationalrat. Die EVP-Politikerin ist gemäss den Prognosen chancenlos, motiviert ist sie aber trotzdem: «Ich glaube an meine Chance.»

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Zur Person

  • Jahrgang 1977, ledig
  • Wohnort: Wettingen
  • Beruf: Lehrerin für Textiles Werken an der Oberstufe
  • Aktuelle Tätigkeit: Geschäftsführerin Blaues Kreuz AG/LU

Sie wisse, dass ihre Partei klein sei und somit auch die Wählerbasis. Trotzdem kämpfe sie, insbesondere für den Nationalrat. Denn sie habe mit ihren 13 Jahren Politikerfahrung einen grossen Rucksack an Erfahrungen, mit welchem sie punkten könne gegen ihre Mitstreiter.

Abgrenzung von anderen Parteien

Lilian Studer und die EVP versuchen sich gegenüber anderen Parteien abzugrenzen, indem sie die Wichtigkeit von Werten im Leben und der Politik betonen. Wenn Studer von einer «wertdenkenden» Schweiz spricht, dann tue sie das in der Überzeugung, dass Werte eine wichtige Grundlage für gute Politik seien.

«  Ich überlege mir, was der Gesellschaft dient und nicht, was in der Politik am Besten ankommt.  »

Lilian Studer
Kandidatin National- und Ständeratswahlen

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Politische Karriere

  • seit 2002: Grossrätin Kanton Aargau und Kantonal- und Bezirksvorstand EVP
  • 2004 - 2008: Zentralvorstand EVP
  • 2004 - 2009: Präsidentin der Jungen EVP Schweiz
  • seit 2011: Fraktionspräsidentin EVP

Sie wolle für die Gesellschaft Lösungen finden, eben mit den Werten, die sie vertrete. Sie wisse, dass sie damit eine andere Strategie habe, als andere Parteien. Dass sie als Kandidatin und auch die ganze EVP damit vager bleiben als die Konkurrenz, das verneint Studer nicht. Es sei aber eben essentiell, dass man Probleme mit gewissen Grundwerten angehe.

Ja oder Nein: 6 Fragen an Lilian Studer

  • Familie: Braucht es einen Vaterschaftsurlaub? JA
  • Energie: Fixe Laufzeit für Atomkraftwerke? JA
  • Verkehr: Ausbau A1 auf drei Spuren? NEIN
  • Asylwesen: Kann der Aargau noch mehr Asylsuchende aufnehmen? JA
  • Familie: Braucht es ein flächendeckendes Betreuungsangebot? JA
  • Aussenpolitik: EU-Beitritt? NEIN
Lilian Studer am Rednerpult Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vereinspräsidentin Lilian Studer betont an der Preisverleihung des Prix Benevol die Wichtigkeit der Freiwilligenarbeit. Stefan Brand/SRF

Lilian Studer sieht sich als Generalistin, die sich in mehreren Politfeldern wohl fühlt. Trotzdem gibt es für die 37-Jährige ein zentrale Themen: Lebensschutz und Familie. Für die Familien wolle sie gute Rahmenbedingungen schaffen.

Konkret meint sie damit beispielsweise einen Vaterschaftsurlaub und bessere Strukturen für die Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen. Trotz EVP-Zugehörigkeit vertrete sie ein modernes Familienbild. Die Schweiz brauche die Frauen als Fachkräfte in der Wirtschaft, sagt Studer im Gespräch mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Ausserdem gebe es auch viele Familien, bei denen die Frau aus Existenzgründen arbeiten müsse.

«  Man stellt die EVP oft in die konservative Ecke. Das stimmt aber eben nicht immer.  »

Sie habe nicht zu allen Themen eine konservative Einstellung. Viele Dinge hätten sich verändert und man müsse auch neue Ansätze finden, um zu Lösungen zu kommen. So akzeptiere sie auch den Volksentscheid bezüglich des Rechts auf Abtreibung. Für sie sei aber klar, dass man für Frauen, welche abtreiben, gute Rahmenbedingungen schaffen müsse. Sie bräuchten eine gute Betreuung in Form von informativen und professionellen Gesprächen.

Lilian Studer hofft auf die Stärkung der Mitteparteien

Ausserdem setze sie sich für die Alternative zur Sterbehilfe, also für Palliativ Care ein. Darunter versteht man Massnahmen, die das Leiden eines unheilbar kranken Menschen lindern und ihm so eine bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende verschaffen.

Die EVP-Politikerin hat wohl keine Chance am 18. Oktober – bei den letzten Wahlen 2011 erzielte die EVP im Aargau einen Wähleranteil von 3,2 Prozent, für einen Sitz im Nationalrat bräuchte es rund 6 Prozent.

Studer hofft aber, dass bei den Wahlen die Mitteparteien gestärkt werden, und dass es keinen Rechtsrutsch gibt. «Wir brauchen Lösungen, das Polarisierende bringt uns nicht vorwärts», sagt Studer im Live-Gespräch mit Radio SRF.