Die grosse Mobilisierung beim Rennen ins Bundeshaus

Der Trend zu immer mehr Kandidatinnen und Kandidaten hält auch bei den Wahlen 2015 an. Im Kanton Bern bewerben sich 567 Personen für den Nationalrat. Ungebrochen ist das Interesse auch in den Kantonen Freiburg und Wallis. Für den Politologen Marc Bühlmann gibt es dafür eine einfache Erklärung.

Marc Bühlmann in der Uni Bern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Berner Politologe Marc Bühlmann macht mehrere klare Trends aus. Christian Liechti / SRF

So präsentiert sich die Ausgangslage vor den Wahlen:

  • Im Kanton Bern bewerben sich 567 Kandidatinnen und Kandidaten für den Nationalrat.
  • Im Kanton Freiburg wollen 137 in den Nationalrat - es sind deutlich mehr Jungpolitiker und Frauen, die ins Bundeshaus wollen.
  • Mit 173 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich im Wallis so viele wie noch nie für den Nationalrat.
  • Verantwortlich für den Ansturm auf einen der Nationalratssitze im Bundeshaus ist die Strategie der Parteien.
  • Die Parteien versuchen das persönliche Netzwerk der Kandidatinnen und Kandidaten zu mobilisieren.
  • Zudem verschiebt sich das politische Interesse: Weg von der lokalen und der kantonalen, hin auf die nationale Politbühne.

Rekord in Bern 1995 aufgestellt

Für den Berner Politologen Marc Bühlmann ist klar: Der Trend zu immer mehr Kandidatinnen und Kandidaten auf immer mehr Listen hält auch bei den eidgenössischen Wahlen 2015 an. Im Kanton Bern darf jedoch nicht von einem Rekord gesprochen werden. Dieser wurde mit 583 Kandidatinnen und Kandidaten bereits 1995 aufgestellt.

So gross ist das Interesse für den Nationalrat Anzahl Kandidatinnen und Kandidaten bei den Nationalratswahlen 1928 bis 2011. *1939 keine Angaben wegen stillen Wahlen in verschiedenen Kantonen.

Der Ansturm aufs Bundeshaus zeichnet sich jedoch bereits länger ab: Wollten bei den Wahlen 1991 noch 2561 Personen ins Bundeshaus, waren es bei den letzten Wahlen 2011 bereits 3458.

Der Fokus verschiebt sich

Für Marc Bühlmann gibt es dafür zwei Gründe. Auf der einen Seite versuchen die Parteien mit immer mehr Kandidaten immer mehr Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Die Kandidaten sollen also ihr persönliches Netzwerk aktivieren.

Auf der anderen Seite verlagert sich das Interesse weg von der lokalen und der kantonalen, hin auf die nationale Ebene. Die Gemeinden haben immer mehr Mühe, ihre politischen Ämter zu besetzen, und bei kantonalen Wahlen nimmt die Wahlbeteiligung tendenziell ab.

Dies bringt mit sich, dass Themen, Marken und Parteien wichtiger werden - auch wenn die Kandidatinnen und Kandidaten eigentlich auf kantonaler und nicht auf nationaler Ebene gewählt werden müssen.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)