Kehren die Kommunisten in den Nationalrat zurück?

Seit 2011 sind die Kommunisten im Parlament nicht mehr vertreten. Das will die Arbeiterpartei, der Parti Ouvrier Populaire (POP), im Oktober ändern. Die Chancen stehen gut: Im Neuenburger Jura erfreuen sich die Kommunisten grösster Beliebtheit, und der Gemeindepräsident von Le Locle ist bereit.

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Bildlegende: Denis de la Reussille, der kommunstische Nationalratskandidat aus dem Kanton Neuenburg. Keystone/Archiv

Es ist kühl auf über 1000 Metern. Doch trübt das die Stimmung im Forsthaus von Le Locle keineswegs. Die Gemeinde hat alle 60-Jährigen hier zum Abendessen eingeladen. In deren Mitte, der ebenfalls grau melierte Gemeindepräsident. Mit 54 Jahren ist Denis de la Reussille der Jüngste in der Runde. «Du bist noch ein Bengel», ruft ihm einer scherzhaft zu.

Der Anlass ist ein Heimspiel für de la Reussille. Seit 15 Jahren ist er Gemeindepräsident von Le Locle. Er wurde bei den letzten Wahlen mit über 60 Prozent der Stimmen gewählt. Beliebt sei er, meint einer der Gäste. De la Reussille höre den Leuten zu, sei ein Macher.

Die Umverteilung der Steuer der Grenzgänger von den Gemeinden zum Kanton, und die Umfahrungsstrasse von Le Locle, die nun doch nicht gebaut wird, beschäftigen die Gemeinde, wie de la Reussille sagt. Es sind feine Seitenhiebe gegen die rosa, aber nicht richtig rote Regierung in Neuenburg. Ein feuriger Aufruf zum Klassenkampf ist es allerdings auch nicht. Als Mitglied der Gemeinde-Exekutive könne er keine Revolution machen, sagt er.

Im Büro hängt Che Guevaras Bild

An eine wildere Zeit erinnert wohl der Ring in seinem linken Ohrläppchen, oder das Bild von Che Guevara in seinem Büro. Dieser sei aufs Ganze gegangen und das will auch der Gemeindepräsident, deswegen seine Kandidatur für den Nationalrat. Sein momentanes Amt als Gemeindepräsident umfasst in der Tat nur eine 50-Prozent Stelle.

Chancen, gewählt zu werden, hat der Vertreter der POP durchaus. Denn im Nationalrat wird der Sitz der grünen Francine John-Calame frei. Die Partei muss ihre Nachfolge mit jemand Neuem besetzen. Mit Fabian Fivaz zum Beispiel, er war 2011 der zweitplatzierte Grüne. Auch wenn de la Reussille mehr Stimmen holen werde als er, Fabien Fivaz beunruhigt das nicht.

Denn in Neuenburg wird proportional gewählt, das heisst, die Partei mit den meisten Stimmen gewinnt. Das war schon 2011 und 2007 das Problem von Denis de la Reussille. Er machte zwar mehr Stimmen als Francine John-Calame, dennoch holte sie den Sitz. De la Reussille hofft dieses Mal von der Formschwäche der Grünen profitieren zu können, auch wenn ihn das Tief des Bündnispartners nicht freut.

Was kann ein Kommunist im Parlament ausrichten?

Auch auf kantonaler Ebene läuft vieles für de la Reussille. Der Spitalstreit im Kanton etwa kommt dem Popisten zugute. Die Regierung möchte das Spital in La Chaux-de-Fonds schliessen und die Pflege nach Neuenburg verlagern. Die POP ist das Sprachrohr des Prostests. Im oberen Teil des Kantons Neuenburg kommt das gut an.

Allerdings könnte ein einzelner POP-Vertreter in Bern nicht viel ausrichten, meint der Grüne Fivaz. De la Reussille wäre isoliert, deswegen sei es sinnvoller, einen Grünen nach Bern zu schicken, dieser könne sich einfacher in die grüne Fraktion einbinden.

Die Linke ist in Neuenburg mit Listenverbindungen und Unterlistenverbindungen eng verbunden. Das Rennen um den Sitz von Francine John-Calame machen die Grünen und die POP unter sich aus. Die Chancen für die POP mit Denis de la Reussille vier Jahre nach Josef Zisyadis wieder in Bern vertreten zu sein, sind in Takt.

Das sehen auch die 60-Jährigen im Forsthaus von Le Locle so, wenn auch gegen ihre Überzeugung. Sie fürchten, dass Denis de la Reussille dann weniger Zeit für sie haben werde.